Long-Covid macht ihr das Leben zur Hölle

Lena (27) schläft seit ihrer Corona-Infektion manchmal 3 Tage am Stück

29. Oktober 2021 - 13:26 Uhr

"Ich wusste gar nicht mehr, wo ich eigentlich hin wollte“

Als Lena Uhlenwinkel an Corona erkrankt hat sie nur leichte Symptome. Nach der Quarantäne Anfang Januar entwickeln sich dann aber ihre Long-Covid-Symptome. "Ich wollte zum Arzt fahren, habe mich in das Auto gesetzt und habe festgestellt: Okay. Ich kann nicht mehr einschätzen, wie schnell ich fahre. Ich weiß nicht, wie schnell andere fahren und ich wusste gar nicht mehr, wo ich eigentlich hin wollte." Etwas stimmt nicht und mit der Zeit kommen immer mehr Probleme in Folge der Erkrankung auf.

Wie Lena Long-Covid erlebt, sehen Sie im Video.

600 Meter zu Fuß sind schon zu viel

Am Anfang ist Lena so schlapp, dass sie eigentlich nur noch zu Hause ist. Nach der Ansteckung mit Covid-19 erkrankt die 27-Jährige an Asthma. Am Anfang ist es sogar so schlimm, dass sie nach etwa 600 Metern zu Fuß schon einen Asthmaanfall bekommt. Es kostet sie viel Zeit und Übung, um Stück für Stück wieder längere Strecken laufen zu können. "Man kann einfach nicht richtig einschätzen, welche Belastung zu viel ist und welche in Ordnung ist", erklärt die 27-Jährige ihre damalige Situation. Auch jetzt hat sie damit noch zu kämpfen. "Es ist halt alles ein bisschen ungewiss." Mittlerweile kann sie fast alles wieder so machen wie früher – allerdings nur zeitlich begrenzt. Jeden Tag muss sie sich an eine feste Tagesstruktur halten um ihren Körper nicht zu überfordern.

Leben in einem Teufelskreis

Auch heute, zehn Monate nach der Erkrankung, leidet Lena noch an Gedächtnisproblemen. Teilweise spürt sie ihre Beine nicht mehr und kann sie nicht mehr steuern. An manchen Tagen kann sie alles ganz normal machen. An anderen Tagen werfen genau diese Momente sie wieder komplett zurück. Für Außenstehende ist das oft schwer nachzuvollziehen. "An guten Tagen geht man raus, kann alles machen und jeder sieht einen – und es gibt auch schlechte Phasen, da liegt man im Bett und keiner sieht einen." Freunde und Familie unterstützen die junge Frau dort, wo es möglich ist, damit diese Phasen nicht wieder die Überhand gewinnen. Das Fatigue-Syndrom sei wie ein Teufelskreis, erklärt die 27-Jährige. Es gehe immer wieder von vorne los – und sehen könne man eben nur die guten Phasen. "Das Hauptproblem aktuell ist, dass ich gar nicht einschätzen kann, wo meine Grenzen sind."

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Der Wunsch, einfach wieder Freunde treffen zu können

In einer Einrichtung in Vechta bekommt sie Hilfe. In der Regel werden dort Menschen wegen Schlaganfällen oder Schädel-Hirn-Traumata behandelt. Doch auch die Corona-Erkrankung kann zu neurologischen Symptomen führen, erklärt uns Kathrin Billo vom Institut für Neuro-Rehabilitation in Vechta. Darunter seien auch Wortfindungs-, Gedächtnis-, Geruchs- und Geschmacksstörungen. Mehrere Patienten zwischen 20 und 50 Jahren werden zurzeit wegen Long-Covid behandelt, ihre Erkrankungen verliefen oft nur leicht. Die meisten Patienten sind Frauen. Die Neuro-Reha passt ihren Therapieplan individuell auf Lena an. Auf dem Übungsplan stehen Koordinations- und Gedächtnisübungen. Denn gerade die Merkfähigkeit der 27-Jährigen hat durch Long-Covid nachgelassen. Lena hofft, dass die Therapie ihr den Weg in ein normales Leben eröffnet. "Mein eigentliches Ziel ist, man weiß ja nicht, ob es heilbar ist, dass ich acht Stunden am Tag arbeiten kann", sagt die junge Frau lächelnd. "Dann von mir aus Mittagsschlaf machen muss und Nachmittags noch irgendetwas Privates machen kann. Freunde treffen, Sport, ins Bett gehen und dass man das alles irgendwann wieder auf die Reihe kriegt. Das wäre das, was mir schon reichen würde." (rri/ekl)