US-Journalisten hörten letzte Worte

Lisa Montgomery mit Todesspritze hingerichtet

15. Januar 2021 - 9:49 Uhr

Lisa Montgomery auf die Frage nach letzten Worten: "Nein"

Seit Mittwochmorgen um 1:31 Uhr (Ortszeit) ist Lisa Montgomery tot. Als erste Frau seit 70 Jahren wurde die Mörderin einer Schwangeren hingerichtet. Vor der tödlichen Giftspritze fragte sie eine Gefängniswärterin nach ihren letzten Worten. US-Journalisten beobachteten die Hinrichtung und berichten: Lisa Montgomery wollte nichts mehr sagen, nur ein kurzes "no" sprach die 52-Jährige nach Angaben von AP-Journalist Michael Tarm. Das schnelle Ende einer langen Leidensgeschichte. Ihre Anwälte und ihre Familie kämpften um das Leben der Mörderin, die viele Jahre zuvor selbst Opfer von schweren Misshandlungen war.

Im Video: Schwester bat um Gnade für Lisa Montgomery

Ein letztes "Nein" mit leiser, dumpfer Stimme

Journalist Michael Tarm berichtete für die Nachrichtenagentur AP aus dem Bundesgefängnis in Terre Haute (US-Bundesstaat Indiana) von Lisa Montgomerys Hinrichtung. Als sich der Vorhang in der Hinrichtungskammer öffnete und die Verurteilte die Journalisten erblickte, habe sie verwirrt gewirkt, erkärt Tarm.

Montgomerys Familie hatte unter Berufung auf Vergewaltigungen in der Jugend bis zuletzt die Aussetzung der Todesstrafe erwirken wollen. "Dies ist eine Geschichte über eine Frau, die infolge lebenslanger Folter und sexueller Gewalt schwer psychisch krank ist", erklärte eine Beraterin der Montgomery-Rechtsanwälte (die ganze Geschichte lesen Sie hier).

Zu Beginn der Hinrichtung nahm eine Gefängniswärterin der auf einer Trage liegenden Montgomery die Gesichtsmaske ab und fragte sie nach letzten Worten. Mit leiser, dumpfer Stimme antwortete diese laut dem Augenzeugen "nein" – ohne letzte Unschuldsbeteuerung, auch keine Entschuldigungsbitte, kein finales Gnadengesuch. "Sie sagte nichts weiter", berichtet Michael Tarm.

Zwölf Minuten nach Hinrichtungsbeginn - kein Lebenszeichen mehr

Wie der Augenzeuge weiter beschreibt, hat die tödliche Injektion um 1:18 Uhr (Ortszeit) begonnen: "Montgomery leckte weiter ihre Lippen und keuchte kurz, als das Pentobarbital durch intravenöse Zugänge in beiden Armen in ihren Körper strömte." Wenige Minuten später sei ihre Körpermitte kurz erzittert, so Tarm weiter.

Um 1:30 Uhr prüfte ein Offizieller Lisa Montgomery demnach auf Lebenszeichen. Eine Minute später wurde die 52-Jährige offiziell für tot erklärt – mehr als 13 Jahre nach dem Todesurteil in einem Gericht in Missouri.

Zuletzt wurde 1953 in den USA eine Frau hingerichtet

12.01.2021, USA, Bloomington: Glenda Breeden (M) aus Bloomington, Aktivistin gegen die Todesstrafe, hält eine Lampe, bei einem Protest gegen die Hinrichtung von Lisa Montgomery und zwei weiteren Personen im Gefängnis in Terre Haute im US-Bundesstaat
Aktivistinnen-Plakat: "Warum töten wir Menschen, die Menschen getötet haben, um zu zeigen, dass Menschen töten falsch ist?"
© dpa, Jeremy Hogan, zeus nwi

Seitdem saß die verurteilte Mörderin im Gefängnis. Mit mehreren Gnadengesuchen sollte die Vollstreckung des Todesurteils noch aufgehalten werden. Bis zum letzten Tag plädierten ihre Anwälte auf die Aussetzung der Hinrichtung, die mehrmals verschoben wurde. Auch am Abend vor der Hinrichtung gab es noch einen Eilantrag. Doch alle Gerichte, die sich mit dem Fall beschäftigten, bestätigten die Todesstrafe. Am späten Dienstagabend machte der Supreme Court den Weg für die Hinrichtung frei.

Die letzte Exekution einer Frau auf Bundesebene in den USA fand 1953 statt. Damals wurde Bonnie Heady in einer Gaskammer getötet. Sie wurde wegen Entführung und Mordes an einem sechs Jahre alten Millionärssohn verurteilt. Erst seit kurzem werden in den USA auf Bundesebene wieder Todesurteile vollstreckt. Die Trump-Regierung vollstreckt Todesstrafen. Der designierte US-Präsident Joe Biden will Hinrichtungen auf Bundesebene abschaffen.