Verurteilte aus den USA bekommt noch eine weitere Anhörung

Nur Stunden vor der Urteilsvollstreckung: Richter stoppt Lisa Montgomerys Hinrichtung per Giftspritze

Lisa Montgomery wurde für den Mord an einer schwangeren Frau zum Tode verurteilt.
© picture-alliance/ dpa, epa

13. Januar 2021 - 8:38 Uhr

Hinrichtung von Lisa Montgomery wird noch mal aufgeschoben

Nur Stunden vor der geplanten Hinrichtung hat ein US-Bundesrichter Lisa Montgomery einen Aufschub gewährt. Die zum Tode verurteilte 52-Jährige wird nun doch nicht am 12. Januar hingerichtet, entschied der Richter aus Indiana, wo die Frau im Gefängnis sitzt. Er räumte ihr und ihren Anwälten noch eine Anhörung vor der Urteilsvollstreckung ein. Lisa und ihre Schwester Diane Mattingly, die dafür kämpft, dass das Todesurteil aufgehoben wird, können erst einmal aufatmen.

Anhörung soll klären, ob Lisa Montgomery zu krank für eine Hinrichtung ist

Ihre Anwältin Kelley Henry beantragte den Stopp der Hinrichtung mit der Begründung, dass Lisa Montgomery die geistigen Voraussetzungen für eine Exekution nicht erfülle. "Der achte Zusatzartikel zur Verfassung verbietet die Hinrichtung von Menschen wie Frau Montgomery, die wegen psychischer Erkrankungen oder Hirnschäden nicht in der Lage sind, den Grund für ihre Hinrichtung zu verstehen", sagte die Verteidigerin dem Sender CNN. Auch das Gericht erklärte nun, dass die Verurteile starke Anzeichen einer Geisteskrankheit zeige, eine neue Anhörung sei darum notwendig. Ohne diese Entscheidung hätte Lisa Montgomery ein paar Stunden später eine Giftspritze erhalten.

"Lisas Leben war schlimmer als ein Horrorfilm", sagt ihre Anwältin. Lisa wurde als Kind von ihrer Mutter schwer misshandelt, später von ihrem Stiefvater brutal missbraucht. Er stellte dafür sogar extra einen Bauwagen hinter dem Haus auf, damit niemand das Kind schreien hörte, während er sich an ihr verging. Auch Lisas Mutter verkaufte den Körper ihrer Tochter und ließ andere Männer das Mädchen missbrauchen. Das hinterließ Spuren bei der 52-Jährigen: Hirnschäden, Angstzustände, Psychosen, Persönlichkeitsstörungen – ohne Medikamente komme die Inhaftierte nicht durch den Tag.

Anwältin Kelley Henry
Die Anwältin Kelley Henry hält die Todesstrafe für Lisa Montgomery für unangemessen.
© APTN

Lisa Montgomery schnitt einer Schwangeren das Baby aus dem Bauch

Lisa Montgomery wurde festgenommen und wegen Mordes zum Tode verurteilt, weil sie 2004 einer Schwangeren das Baby aus dem Bauch schnitt. Die werdende Mutter verblutete, das Kind überlebte. Die Täterin entführte es und gab es als ihr eigenes Baby aus. Sollte Lisa nun hingerichtet werden, wäre sie die erste weibliche Todeskandidatin seit fast 70 Jahren in den USA.

Ob es dazu kommt, soll nun nach der Entscheidung des Richters in Indiana bei einer weiteren Anhörung geklärt werden. In dem Gerichtstermin wird es darum gehen, ob Lisa Montgomery die geistigen Anforderungen für eine Hinrichtung erfüllt. Das Gericht hat bisher noch keinen Termin für die Anhörung festgesetzt.

Lisa Montgomery
Lisa Montgomery ist die erste Frau seit fast 70 Jahren, die in den USA hingerichtet werden soll.
© AP, MG

Der Präsident könnte die zum Tode Verurteilte noch begnadigen

Diane Mattingly, die Schwester der zum Tode Verurteilten, kämpft mit Anwälten und Menschenrechtlern dafür, dass das Urteil gegen Lisa Montgomery in eine lebenslange Haftstrafe ohne das Recht auf Bewährung umgewandelt wird. Sie bat sogar bei Präsident Donald Trump um Begnadigung. Er könnte das Urteil gegen die 52-Jährige noch aufheben.

Wenn Lisa Montgomery Glück hat, zieht sich das Verfahren auch noch so lange, bis Trumps Nachfolger Joe Biden am 20. Januar die Amtsgeschäfte übernimmt. Dann läge die Entscheidung bei ihm. Biden hatte bereits angekündigt, keine Hinrichtungen auf Bundesebene mehr vollstrecken lassen zu wollen.