Bürgermeister entdeckt Leiche in Belgien

Terrorverdächtiger Soldat Jürgen Conings tot

In Belgien wurde die Leiche des gesuchten Soldaten Jürgen Conings gefunden.
In Belgien wurde die Leiche des gesuchten Soldaten Jürgen Conings gefunden.
© deutsche presse agentur

20. Juni 2021 - 20:05 Uhr

Leiche im Osten Belgiens gefunden – Rechtsmediziner unterwegs

Die Jagd ist zu Ende. Nach vierwöchiger Fahndung nach dem terrorverdächtigen Soldaten Jürgen Conings ist in Ostbelgien seine Leiche entdeckt worden. Die belgische Staatsanwaltschaft bestätigte, dass es sich bei dem Toten um den Gesuchten handelte. Die Zeitung "Het Belang van Limburg" hatte zuvor berichtet, dass der Bürgermeister der Gemeinde Maaseik, Johan Tollenaere beim Mountainbike-Fahren einen scharfen Verwesungsgeruch wahrgenommen und den Leichnam in der Nähe von Dilserbos entdeckt habe.

Hunderte Soldaten suchten Rechtsextremist Jürgen Conings

Mit dem Fund der Leiche endet eine beispiellose Fahndung und die Terrorfurcht vor dem 46-jährigen mutmaßlichen Rechtsextremisten. Der belgische Berufssoldat war am 17. Mai nach Todesdrohungen gegen den prominenten Virologen Marc Van Ranst in der Nähe des Nationalparks Hoge Kempen in der Region Limbourg verschwunden. Der Fundort der Leiche in Dilsen-Stockem liegt in der Nähe. Die Grenzen zu den Niederlanden und zu Deutschland sind nur wenige Kilometer entfernt. Als Todesursache vermutet die Staatsanwaltschaft Selbsttötung mit einer Schusswaffe.

Nach Conings Verschwinden wurde befürchtet, dass der Berufssoldat einen Anschlag auf staatliche Strukturen oder öffentliche Personen plant. Im abgestellten Auto des Gesuchten war nach Angaben der Behörden ein «verdächtiger Mechanismus» gefunden worden, möglicherweise eine Sprengvorrichtung. In dem Wagen lagen außerdem schwere Waffen. Gegen den Mann wurde wegen versuchten Mordes und illegalen Waffenbesitzes in einem terroristischen Kontext ermittelt.

Möglicherweise Sprengvorrichtung in Auto von Jürgen Conings

 Police pictured near the spot where the body of Jurgen C. was found, in the Dilserbos, a forest area of Nationaal Park Hoge Kempen in Dilsen-Stokkem, Limburg province, Sunday 20 June 2021. The body of fugitive soldier, Jurgen Conings, was found Toda
Die Belgische Polizei sperrte den Fundort der Leiche weiträumig ab.
© imago images/Belga, NICOLAS MAETERLINCK via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Wochenlang lief eine beispiellose Suchaktion. Die Armee half mit Hunderten Soldaten, gepanzerten Fahrzeugen und Kampfhubschraubern, Interpol wurde eingeschaltet. Die Fahndung verschlang nach einem Bericht der Zeitung «Le Soir» bis Mitte Juni rund 650 000 Euro. Das Verschwinden des 46-Jährigen zog zudem politische Kreise. Denn wegen rechtsextremer Sympathien stand Conings auf einer Verdächtigenliste der belgischen Anti-Terror-Behörde Ocam. Trotzdem hatte Conings direkten Zugang zur Waffenkammer seiner Armee-Einheit.

Verteidigungsministerin Dedonder musste mehrfach vor belgischen Parlamentsabgeordnete Rede und Antwort stehen. Die Eintragung des Soldaten als Gefährder der Stufe drei von vier auf der Terroristenliste wurde nach Regierungsangaben nicht rechtzeitig an den Geheimdienst SGRS weitergeleitet. "Meine Gedanken gelten zunächst dem größten Opfer dieses Falles: der Familie von Jürgen Conings", teilte Dedonder via Twitter mit. "Die Entdeckung des leblosen Körpers setzt 5 Wochen der Unsicherheit und Bedrohung ein Ende. Ich möchte allen Diensten danken, die an diesem Fall gearbeitet haben."

Chefvirologe Van Ranst hatte sich am Sonntag erleichtert über die wahrscheinliche Aufklärung des Falls geäußert. Es sei aber noch nicht klar, wann er mit seiner Familie sein staatlich gesichertes Versteck verlassen könne, hatte er der Nachrichtenagentur Belga am Telefon gesagt. Die Anti-Terror-Behörde Ocam erklärte: "Auf Basis der neuen Informationen, die jetzt aus den Ermittlungen verfügbar sind, besteht keine unmittelbare Bedrohung mehr."

(dpa/mst)