Tragödie in HessenFünfter Toter nach Unglück in Lederfabrik

Er kämpfte 14 Tage um sein Leben.
Zwei Wochen nach dem schweren Arbeitsunfall in einer Gerberei in Runkel (Hessen) ist jetzt auch der letzte Verletzte gestorben. Damit steigt die Zahl der Opfer auf fünf. Was genau in der Fabrik passierte, erschüttert weiter.
Fünfter Mann stirbt im Krankenhaus
Ein 60-jähriger Arbeiter ist seinen schweren Verletzungen erlegen, teilen Polizei und Staatsanwaltschaft am Freitag (1. Mai) mit. Der Mann lag seit dem Unfall am 16. April im Krankenhaus. Am Donnerstag (30. April) stirbt er an den Folgen des Unglücks. Damit erhöht sich die Zahl der Todesopfer auf fünf.
„Damit sind alle fünf Beteiligten tot”, sagte ein Polizeisprecher der Deutschen Presse-Agentur. Der fünfte Tote war ein Mitarbeiter einer Rohrreinigungsfirma aus dem rheinland-pfälzischen Montabaur.
Lese-Tipp: Vierter Toter nach Arbeitsunfall in Lederfabrik
Drama begann in einer Grube
Rettungskräfte hatten am 16. April fünf Männer aus der Grube auf dem Gelände des Betriebs geholt. Drei von ihnen im Alter von 38, 58 und 59 Jahren starben noch vor Ort, die beiden anderen waren mit lebensgefährlichen Verletzungen ins Krankenhaus gebracht worden. Einer von ihnen, ein 35 Jahre alter weiterer Mitarbeiter des Betriebs, starb vor gut einer Woche im Krankenhaus.
Video-Tipp: Wanderer entdecken abgestürztes Flugzeug – beide Insassen tot
Die Ermittler stehen weiterhin vor vielen Fragen. Klar ist laut Obduktion jedoch die Ursache: Schwefelwasserstoff. Dieses Gas ist hochgiftig und kann schon in kurzer Zeit zum Kollaps führen. In hoher Konzentration löst es Bewusstlosigkeit, Atemstillstand und Herzversagen aus. Genau das wird den Arbeitern offenbar zum Verhängnis.
Ermittlungen laufen weiter
Es steht der Vorwurf der fahrlässigen Tötung im Raum. Entsprechende Ermittlungen würden gegen Unbekannt geführt, hatte zuvor ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Limburg der dpa mitgeteilt. Fragen wie die, ob die Arbeiter beim Einstieg in die Grube Atemschutz und Schutzkleidung getragen hätten und ob und in welcher Form zu diesem Zeitpunkt Gasmessungen in der Grube durchgeführt worden seien, seien Gegenstand der Ermittlungen.
Lese-Tipp: 21-Jähriger überlebt Unfall - und stirbt dann tragisch
Warum sich das tödliche Gas in der Grube ansammelte, ist ebenfalls weiterhin unklar. Fest steht nur: Ein Routine-Arbeitstag endet in einer der schlimmsten Arbeits-Tragödien der Region. Der folgenschwere Arbeitsunfall hatte in der 9.500-Einwohner-Stadt Runkel große Bestürzung und Anteilnahme ausgelöst.(dpa/afp/ajo)
Verwendete Quellen: dpa, AFP


