„Violence as a Service“ - Gewalt auf BestellungJugendliche Straftäter werden online gesucht - krimineller Trend in NRW

von Vanessa Brodka

Kriminelle nutzen das Internet, um dort gezielt Jugendliche für Straftaten anzustiften. Das klingt wie ein düsterer Film, ist aber Realität – auch in NRW. Der Trend nimmt zu.

Das steckt hinter dem Phänomen „Violence as a Service“

Im Juli 2024 wurden in einer Villa in Köln ein Mann und eine Frau gefoltert. Ein Spezialeinsatzkommando befreite die Geiseln. Zwei Monate später kam es zu Explosionen in der Innenstadt. Eine Drogenbande soll dahinterstecken, die für die Straftaten Kriminelle im Netz engagiert hat - für Geld. Davon geht die Staatsanwaltschaft aus. „Violence as a Service“ heißt dieses Phänomen. Also sinngemäß: Gewalt auf Bestellung. Es wird noch für große Probleme sorgen, meint Oliver Huth vom Bund Deutscher Kriminalbeamter NRW.

So viele Fälle sind schon in NRW bekannt

2025 gab es 61 solcher Fälle. 2026 sind es laut Landeskriminalamt NRW schon nach den ersten drei Monaten 25 gewesen. Es geht unter anderem um Waffen, Entführung und Körperverletzung. Die Täter sind männlich und zwischen 15 und 25 Jahre alt. Oft sind es Nordafrikaner, mittlerweile aber auch Deutsche. Alle Nationen sind vertreten, so Oliver Huth. Es gibt den Verdacht, dass die sogenannte „Mocro-Mafia“ dahintersteckt. Klar ist das aber nicht. Die Hintermänner im Netz sind anonym. Das macht es besonders schwierig sie zu erwischen, so Heiko Teggatz (Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft). Er fordert: Opferschutz vor Datenschutz. Ermittler brauchen mehr Befugnisse nach richterlicher Anordnung, wie: Länger auf IP-Adressen zu greifen, Daten mit Künstlicher Intelligenz auswerten und Sicherheitsbehörden sollen sich weltweit vernetzten. Das Ganze ist am Donnerstag (30.04.) auch Thema im Innenausschuss in Düsseldorf gewesen. Die NRW-FDP hat den Antrag gestellt, denn für die Liberalen macht die Landesregierung nicht genug, um an die Hintermänner zu kommen.

Anzeige:
Empfehlungen unserer Partner

Im Video: Interview mit NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU)

Wie erkenne ich, ob mein Kind betroffen ist?

Warnzeichen für Eltern sind:

  • Wenn eure Kinder plötzlich andere und verschlüsselte Messenger Apps nutzen

  • Wenn sie erwachsene Freunde haben

  • Wenn sie plötzlich viele neue Dinge besitzen

  • Wenn sie nicht mehr nach Geld fragen

Dann empfiehlt Europol: Das Gespräch suchen oder Hilfe holen - bei Lehrern, Sozialarbeitern und der Polizei.