Aktenzeichen XY berichtet über die Lüge in der Sendung von 2012

Maria Baumers Mörder saß bei Rudi Cerne im TV-Studio und trauerte: "Es muss irgendwie weitergehen"

Rudi Cerne führt seit 2002 durch die ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst".
© dpa, Sina Schuldt, ssd axs sab sja

19. Oktober 2020 - 9:47 Uhr

Mörder Christian F. war zu Gast bei Aktenzeichen XY

In einem kurzen Beitrag hat sich das ZDF am Mittwochabend in der Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" mit dem Fall Maria Baumer befasst. Die Frage "Hatten wir im XY-Studio tatsächlich einen Mörder sitzen?" könne seit vergangener Woche mit Ja beantwortet werden, sagte Moderator Rudi Cerne. Vergangenen Dienstag war der Verlobte Maria Baumers vor dem Landgericht Regensburg wegen Mordes schuldig gesprochen und zu lebenslanger Haft verurteilt worden.  Die Ermittler setzen damals bei der Suche nach dem Täter auch auf  "Aktenzeichen XY … ungelöst", und heute ist klar: Der Mörder saß seinerzeit bei Moderator Rudi Cerne im Fernsehstudio, inszenierte sich als trauernder Verlobter auf der Suche nach seiner großen Liebe.

Mörder bat in ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY" um Unterstützung

Urteil gegen Christian F.  im Mordprozess im Fall Maria Baumer
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der damals 27-jährige Christian F. seine Verlobte Maria Baumer mit Medikamenten vergiftete.
© dpa, Armin Weigel, awe

Der 36-Jährige war 2012 in der ZDF-Sendung aufgetreten und hatte um Hilfe bei der Suche nach seiner Verlobten gebeten. Diese galt damals als vermisst. Tatsächlich war die Frau zu diesem Zeitpunkt bereits seit einigen Monaten tot. Der Sender zeigte den Ausschnitt von damals, in dem Baumers Mörder mit besorgter Miene um Hilfe bat. "Man kann's nicht in Worte fassen. Es war die ersten Wochen schon schlimm" sagte der Verurteilte, als Cerne ihn in seiner Sendung vom 28. November 2012 nach dem "Grad seiner Verzweiflung" fragte. Schließlich wollten Marie Baumer und er im selben Jahr heiraten.

"Ich kann Ihnen sagen, die ganze Situation ging mir im Nachhinein natürlich ganz schön unter die Haut. Ich hätte es nie, nie für möglich gehalten, dass das alles eine glatte Lüge war. Auch wenn das Urteil noch nicht rechtskräftig ist, wollen wir hoffen, dass es den Angehörigen und Freunden von Maria Baumer jetzt gelingt, das Geschehene besser zu verarbeiten und vielleicht irgendwann auch damit fertig zu werden. Ich wünsche es Ihnen sehr." Das sagte Rudi Cerne im Anschluss.

Maria Baumer war im Mai 2012 von ihrem Verlobten als vermisst gemeldet worden. Christian F. trat damals in der Sendung auf und bat das Publikum um Unterstützung bei der Suche. Ende 2019 folgte die Wende: Der Verlobte wurde festgenommen und als Tatverdächtiger angeklagt. Nach einem Aufsehen erregenden Indizienprozess war für das Gericht klar: F. hat Maria Baumer getötet.

Pilzsammler fanden Maria Baumers Leiche

Die Leiche von Maria Baumer wurde im Wald gefunden
In diesem Wald fanden Pilzsammler die Leiche von Maria Baumer.
© dpa, Alexander Auer, sja

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der damals 27-Jährige seine Verlobte mit Medikamenten vergiftete, um für eine neue Beziehung frei zu sein. Die Tote vergrub er im Wald und erzählte den Angehörigen, die Frau sei verschwunden. Im Herbst 2013 fanden Pilzsammler ihre Leiche. Im Laufe des Prozesses gab der Mann zu, die Leiche verscharrt zu haben. Die Schuld am Tod der Frau wies er von sich. Sie habe die Tabletten wohl selber genommen.

Rudi Cerne: "Das gab es noch nie"

Wenige Tage vor dem Urteil bezeichnete Rudi Cerne die Entwicklungen im Fall Baumer als einzigartig. "Das gab es in der Geschichte von 'Aktenzeichen XY' noch nie", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Der 62-Jährige führt seit 2002 im ZDF durch die Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst", in der die Zuschauer den Ermittlern mit ihren Hinweisen helfen können, Verbrechen aufzuklären. Die erste Folge des Dauerbrenners wurde 1967 ausgestrahlt.

Suche nach Lamborghini-Raser bei "Aktenzeichen XY"

In der Folge am Mittwoch geht es auch um die Suche nach einem Lamborghini-Raser. Er soll an einem illegalen Autorennen auf der A66 teilgenommen haben, bei dem ein Unbeteiligter starb.