Er soll seine Verlobte eiskalt ermordet haben

Mordfall Maria Baumer: Christian F. muss lebenslang in den Knast

Urteil im Mordprozess im Fall Maria Baumer: Angeklagter Christian F. muss lebenslang ins Gefängnis
© dpa, Armin Weigel, awe

08. Oktober 2020 - 16:45 Uhr

Von Rebekka Kaiser

Nach außen waren Christian F. und Maria Baumer ein glückliches Paar, beide planten sogar ihre Hochzeit. Doch dann verschwindet die 26-jährige Frau spurlos, ihr Verlobter tritt im TV auf, trauert und hofft auf die Unterstützung der Öffentlichkeit bei seiner angeblichen Suche nach seiner großen Liebe. Dann wird plötzlich Maria Baumers Leiche gefunden und für die Polizei ist Christian F. dringend tatverdächtig.

Perfide: Verurteilter Mörder Christian F. inszenierte sich im TV als Opfer

Die schwere Holztür einer Kirche öffnet sich, Christian F. tritt ein, bekreuzigt sich ehrfürchtig – und schreitet dann gesenkten Hauptes auf den Altar zu. Der damals 27-jährige Krankenpfleger wirkt in dieser Szene der Sendung "Aktenzeichen XY" aus dem Jahr 2012 wie ein gebrochener Mann – ein Mann, der nicht begreifen kann, dass seine Verlobte Maria verschwunden ist. In der Kirche zündet Christian F. stumm eine Kerze an – als hoffe er, dass seine Liebste nach dieser Geste genauso plötzlich wieder auftaucht, wie sie verschwunden ist. "Ich versuche ihr, durch Wünsche und man kann es schon Gebete nennen, Kraft zu schicken und den Wunsch zu schicken, dass sie sich meldet. Das ist der Hauptwunsch, den wir alle haben", sagt Christian F. in die Kamera. Zu dieser Zeit ahnt noch niemand, wie tief der Krankenpfleger offenbar in das mysteriöse Verschwinden seiner langjährigen Freundin verstrickt ist.

Maria Baumer ist an Pfingsten 2012 aus dem oberpfälzischen Muschenried verschwunden. Zu diesem Zeitpunkt war sie schon seit vier Jahren mit Christian F. in einer Beziehung, beide wohnten zusammen und planten ihre Hochzeit. Morgens – so behauptete es Christian F. später immer wieder – sei er joggen gegangen und als er zurückgekehrt sei, sei Maria weg gewesen. Einfach so, von einem Moment auf den anderen. Der Spiegel zitiert einen Ermittler, der schon bei der ersten Vernehmung irritiert war, dass sich Christian F. kurz nach Maria Baumers Verschwinden nicht mehr daran erinnern konnte, wann er an dem Tag aufgestanden und wie lange er joggen war. Mal sprach er von zwei Stunden, mal von drei Stunden im Verhör.

Keine Gründe für freiwilliges Abtauchen

Bayern, Regensburg: Mit Flatterband hat die Polizei den Fundort einer Frauenleiche absgesperrt. Ein Pilzsucher hatte dort die sterblichen Überreste der vermissten Maria Bauer gefunden. Die Staatsanwaltschaft hat am 03.03.2020 Ank
Mordfall Maria Baumer: Hier wurde die Leiche der jungen Frau gefunden.
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Gründe sich abzusetzen gab es bei der 26-Jährigen aber nicht – sie hatte gerade den ersten Job nach dem Studium angetreten. Sie war in der Katholischen Landjugendbewegung aktiv. Warum sollte Maria Baumer also abtauchen? Christian F. behauptet damals, dass sie ihn von Nürnberg aus angerufen und nach Hamburg habe fahren wollen. Die Polizei glaubt heute, dass es diese Anrufe nie gegeben hat.

Ein Jahr nach ihrem Verschwinden finden Pilzsammler Maria Baumers Leiche in einem Waldstück – und ihr Verlobter Christian F. wird für die Polizei zum Verdächtigen. Der Leichnam von Maria Baumer ist stark verwest, aber es werden durch Laboranalysen Beruhigungsmittel nachgewiesen, Lorazepam und Tramadol. Als Krankenpfleger hat Christian F. Zugang zu Medikamenten.

Christian F. im Visier der Behörden

Maria Baumer wurde mit 26 Jahren ermordet.
Maria Baumer wurde mit 26 Jahren ermordet.
© Mittelbayerische/Andrea Rieder

Die Ermittlungen der Polizei dauern jahrelang. In dieser Zeit bröckelt das Bild des gewissenhaften Krankenpflegers – denn er steht immer wieder im Fokus der Justizbehörden. 2014 steht Christian F. vor Gericht, weil er einer früheren Patientin Lorazepam untergemischt haben soll. Angeblich soll Christian F. für die junge Frau geschwärmt haben. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtet, ist er deswegen wegen Körperverletzung verurteilt worden. 2016 dann der nächste Prozess – zwischen 2003 und 2011 soll Christian F. zwei frühere Schüler des Domspatzen-Gymnasiums sexuell missbraucht haben – von den Taten machte er angeblich sogar Fotos und Filme. Der Krankenpfleger wird wegen sexuellen Missbrauchs zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt.

Jahrelang gilt Christian F. für die Polizei im Fall Maria Baumer als dringend tatverdächtig. Aber erst 2020 wird er vor dem Landgericht Regensburg wegen Mordes an seiner Verlobten angeklagt. Die Staatsanwaltschaft glaubt, dass Christian F. von seiner früheren Patientin regelrecht besessen war, für sie frei sein wollte und sich deswegen Maria entledigte. In dem Indizienprozess sagten 65 Zeugen und 18 Sachverständige aus. Das Gericht glaubte laut "Regensburg digital" nicht, dass Maria Baumer selbst die Medikamente nahm – dagegen spricht auch, dass kein Arzt sie ihr verschrieben hatte. Am Fundort der Leiche hatten die Beamten einen Spaten entdeckt, der baugleich mit jenem war, den Christian F. kurz zuvor in Regensburg gekauft hatte. Tage vor dem angeblichen Verschwinden seiner Verlobten soll Christian F. im Netz zudem die Worte "perfekter Mord", "perfektes Mordgift" gegoogelt haben.

Der aufwändige Indizienprozess

Vor Gericht ließ Christian F. durch seinen Anwalt ein Geständnis vortragen. Darin behauptete er, dass er Maria Baumer morgens tot im Bett aufgefunden habe, nachdem sie Tabletten aus seinem Medikamentenvorrat genommen habe. Aus Angst, dass bei einem Todesermittlungsverfahren herauskommen würde, dass er auf seiner Station Medikamente gestohlen habe, habe er Maria Baumers Leiche im Wald verscharrt. Dieser Version schenkte das Landgericht in Regensburg bei der Urteilsverkündung am 6. Oktober 2020 keinen Glauben. Christian F. wurde wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt.