Das sagt Dr. Georg-Christian Zinn

Wie gefährlich ist die Lambda-Variante? Experte schätzt ein

Was Dr. Georg-Christian Zinn zu der Lambda-Variante sagt, die möglicherweise gegen die Impfstoffe resistent sein könnte.
Was Dr. Georg-Christian Zinn zu der Lambda-Variante sagt, die möglicherweise gegen die Impfstoffe resistent sein könnte.
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06. August 2021 - 13:00 Uhr

Japanische Forscher: Lambda-Variante könnte zu einem echten Problem werden

Aus dem Weg Delta, nun kommt Lambda: Aktuell warnen japanische Forscher vor der Virus-Variante namens Lambda, die zum ersten Mal im August 2020 in Peru entdeckt wurde. Noch wird sie auf der Webseite der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als "Variante unter Beobachtung" aufgeführt. Das Forscherteam aus Japan plädiert allerdings dafür, diese Einstufung aufzuheben und sie als "besorgniserregende Variante" zu bewerten. Der Grund: Die Mutation ist womöglich resistent gegen die Antikörper, die wir aktuell bei der Corona-Impfung verabreicht bekommen.

Was bedeutet das nun für die Impfkampagne? Müssen wir uns jetzt Sorgen machen? Dr. Georg-Christian Zinn, der Direktor des Hygienezentrums Bioscientia, hat die Antworten auf diese und weitere Fragen.

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Die Lambda-Variante bringt „keine richtig guten Nachrichten“ mit sich

Der leitende Forscher der Studie, Kei Sato, von der Universität Tokio, nennt die Virus-Variante "eine potenzielle Bedrohung für die menschliche Gesellschaft." Dr. Zinn nimmt die Studie und die Aussage der Forscher ebenfalls ernst: "Die neue japanische Preprint-Studie zur Lambda-Variante ist sehr, sehr glaubwürdig." Auch wenn es sich nur um eine vorläufige Veröffentlichung handelt, die aus wissenschaftlicher Sicht noch überprüft werden muss, ist der Direktor des Hygienezentrums Bioscientia von den Ergebnissen überzeugt. "Die Daten sind valide", da sich renommierte Forscher mit der Problematik auseinandergesetzt haben.

Die Lambda-Variante weist – im Vergleich zu anderen Virus-Mutationen – eine große Besonderheit auf, sie hat quasi zwei Spezialitäten: Zum einen trägt sie drei Veränderungen beziehungsweise. Mutationen in sich, weswegen Antikörper nicht so gut wirken und das Virus nicht inaktivieren können. Diese Tatsache könnte besonders für Geimpfte problematisch werden. Zum anderen beinhalte die Variante zwei zusätzliche Mutationen, was sie dadurch im Allgemeinen infektiöser mache, so Dr. Zinn. Daher sei es unabdinglich, dass die Lambda-Variante weiter beobachtet wird. Auch weitere Studien seien von Nöten.

Impfungen weiterhin das Sinnvollste und Wichtigste im Kampf gegen das Virus

Wuerzburg, Impfzentrum, 19.02.2021, Die Corona-Impfkampagne Bild: Eine Corona-Impfstoff-Ampulle wird in eine Spritze umgefuellt *** Wuerzburg, Impfzentrum, 19 02 2021, The Corona vaccination campaign Picture A Corona vaccine ampoule is transferred in
Hilft immer noch am besten gegen das Coronavirus und seine Mutationen: die Impfung.
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Auch wenn diese Nachrichten die Stimmung erstmal trüben dürften, gibt Dr. Zinn trotz alledem Entwarnung: "Die Corona-Impfung wirkt." Wenn man bereits durchgeimpft ist, gilt weiterhin, dass man vor schweren Krankheitsverläufen geschützt ist. Zunächst sei wichtig, die Lambda-Variante weiter im Auge zu behalten. Was ebenfalls Hoffnung macht: Die Mutation grassiert vor allem in Südamerika, wo sie erstmals entdeckt wurde. Weil das geografisch gesehen weiter von Europa entfernt ist, als es bei der Delta-Variante der Fall war, die vordergründig aus Großbritannien nach Deutschland herüber geschwappt ist, müsse man sich aktuell noch keine allzugroßen Sorgen vor einer Ausbreitung machen. Der Mediziner sieht dadurch kaum engen Kontakt mit der Virus-Mutation. Dies bestätigen auch Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Covid19-Expertin Maria van Kerhove sagte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: "Es geht nicht wirklich hoch, selbst in Peru nicht, wo die Variante zuerst entdeckt wurde." Bisher wurde die Lambda-Variante, laut WHO, in 40 Ländern nachgewiesen.

Für die Zukunft müssen womöglich die Impfstoffe entweder angepasst werden – oder es müssen neue, maßgeschneiderte Vakzine her. Biontech/Pfizer arbeiten bereits an einem für die Delta-Variante maßgefertigten Version ihres Impfstoffes, der gerade erprobt wird. Dies könnte auch eine schnelle Möglichkeit bei der Lambda-Variante sein, sollten sich immer mehr Menschen zu einem späteren Zeitpunkt mit ihr infizieren.

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Dr. Zinn: "Wir werden das griechische Alphabet noch auswendig lernen müssen"

Wieso entstehen überhaupt immer weitere Varianten? Laut Dr. Zinn macht die Menge der infizierten Menschen das Hauptproblem der Mutationen aus: Bei jeder Infektion entstehen Kopien der Coronaviren. "Die können dann – in seltenen Fällen, aber durch die Masse der Infizierten – zu Mutationen führen." Deswegen werden wir wahrscheinlich "das griechische Alphabet mit Delta, Lambda, Alpha – was auch immer – noch auswendig lernen müssen." Sein Fazit: "Die Pandemie ist eigentlich erst besiegt, wenn wir große Teile der Erdbevölkerung geimpft haben."

Eben weil die genaueren Untersuchungen zur Lambda-Variante noch ausstehen, ist aktuell noch unklar, ob diese Mutation gefährlicher ist als die Delta-Variante.

Ob und wann die WHO die Einstufung der Mutation ändern wird, ist vermutlich abhängig von der Entwicklung der Infektionszahlen in den nächsten Wochen und bleibt daher abzuwarten. (vdü)

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