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Künstliche Intelligenz ist schneller: Biontech hat Risiko-Varianten-Frühwarnsystem

Künstliche Intelligenz schneller als WHO

Wird die Pandemie jemals endemisch? Biontech entwickelt Risikovarianten-Frühwarnsystem

Coronaviren verändern sich ständig und müssen durch aufwendige Genanalysen beobachtet werden.
Forscher suchen weltweit täglich nach neuen Varianten und Mutationen des Corona-Virus., wie hier in der Universitätsmedizin Greifswald. Coronaviren verändern sich ständig und müssen durch aufwendige Genanalysen beobachtet werden.
Jens Büttner, picture alliance, dpa

von Ingo Jacobs

Wir alle hoffen gemeinsam, dass mit der Omikron-Welle in diesem Winter 2021/2022 die Corona-Pandemie ein Ende findet. Das Stichwort, das Hoffnung macht, heißt Endemie. Zwar ist das Virus nicht verschwunden, aber es verursacht nur noch saisonale Wellen, die gut in den Griff zu bekommen sind. Beim Mainzer Pharmaunternehmen Biontech rüstet man sich hingegen schon für kommende Varianten. Kommt der Übergang zur Endemie wirklich so bald?

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Flüssiger Wechsel von Endemie und Pandemie?

Viele Epidemiologen und Virologen glauben und hoffen, dass mit der Omikron-Variante eine Übergangszeit gekommen sein könnte: Das Coronavirus Sars-CoV-2 wird endemisch. Eine immer größer werdende Immunität durch Impfung oder Infektion sorgt dafür, dass es eher den Status eines saisonalen Grippe- oder gar nur Erkältungserregers bekommt. Die Pandemie – definiert durch die Konfrontation einer sogenannte „immunnaiven“, das heißt ungeschützten Bevölkerung mit einem Virus – wäre damit vorbei.

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Doch Kritiker mahnen: Weite Teile der Weltbevölkerung sind noch nicht geschützt und bilden ein Reservoir für viele neue mögliche Varianten. Varianten, die gefährlicher sein und den bisher entstandenen Immunschutz wieder umgehen könnten. In einer von globalem Austausch geprägten Weltwirtschaft könnte das bedeuten: Wir wechseln quasi ständig zwischen Endemie und Pandemie.

Biontech hat in Partnerschaft mit der britischen Firma Instadeep ein Frühwarnsystem für neue Varianten entwickeln.
Biontech hat in Partnerschaft mit der britischen Firma Instadeep ein Frühwarnsystem für neue Varianten entwickeln.
deutsche presse agentur

Künstliche Intelligenz analysiert blitzschnell

Bei Biontech in Mainz rüstet man sich wohl für ein solches Szenario. Das Pharmaunternehmen hat in Partnerschaft mit der britischen Firma Instadeep ein Frühwarnsystem für neue Varianten entwickeln, melden Nachrichtenagenturen. Die neue Berechnungsmethode analysiere mithilfe künstlicher Intelligenz weltweit verfügbare Sequenzierungsdaten und könne mögliche Hochrisikovarianten innerhalb von weniger als einem Tag erkennen, teilte das Mainzer Biotechunternehmen am Dienstag mit.

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Diese frühzeitige Erkennung von Virusvarianten könne „ein wirksames Instrument sein, um Forscher, Impfstoffentwickler, Gesundheitsbehörden und politische Entscheidungsträger zeitnah zu warnen“, erklärte Biontech-Mitgründer Ugur Sahin am 11. Januar in Mainz. Damit gäbe es mehr Zeit für entsprechende Maßnahmen gegen bedenkliche neue Virusvarianten.

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Wöchentlich zehntausend neue Sequenzvarianten

Das System arbeitet sogar schon sehr effizient: Im bisherigen Versuchszeitraum identifizierte es laut Unternehmensangaben durchschnittlich mehr als 90 Prozent der von der Weltgesundheitsorganisation WHO deklarierten Varianten zwei Monate vor deren offizieller Ausweisung. Als Grundlage dienen Daten über die Fähigkeit einer Variante, das Immunsystem zu umgehen, oder zu ihrer Fitness. Derzeit werden jede Woche mehr als zehntausend neue Sequenzvarianten entdeckt, was Experten kaum noch bewältigen können. „Zum ersten Mal können Hochrisikovarianten auf der Stelle erkannt werden, was Monate an wertvoller Zeit sparen kann“, erklärte Karim Beguir, Mitgründer und CEO von Instadeep.

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Auch im endemischen Zustand „heftige Infektionswellen“

Klingt nicht wirklich nach einem weichen Übergang ins Endemische. „Wenn sich das Virus bis dahin nicht sehr stark weiter verändert, werden wir wahrscheinlich einen relativ normalen Winter haben, vielleicht wie in einem normalen, schweren Influenza-Winter“, sagte Deutschlands Top-Virologe Christian Drosten Ende Dezember im ZDF im Hinblick auf den nächsten Winter in den Jahren 2022 und 2023.

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Andere Experten sind weniger optimistisch: „Dieses Virus wird die Welt noch eine Weile in Atem halten. Es wird nicht einfach verschwinden. Auch im ‘endemischen’ Zustand, so es diesen erreicht, wird es wahrscheinlich immer wieder heftige Infektionswellen verursachen, sofern die Impfraten nicht deutlich gesteigert werden“, beschrieben 35 Forscherinnen und Forscher aus ganz Deutschland, unter ihnen die Braunschweiger Virologin Melanie Brinkmann, die Situation im November 2021 in einem Brandbrief an die politischen Verantwortlichen.

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