Knapp 37.000 Unterschriften für ein unbefristetes Bleiberecht

Intensivkrankenschwester Farah Demir will endlich in Deutschland bleiben können

Farah Demir lebt seit 35 Jahren in Deutschland
Intensivkrankenschwester Farah Demir kämpft um eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung
RTL

Die 37-Jährige arbeitet als Intensivkrankenschwester auf der Corona-Intensivstation

Farah Demir gibt nicht auf: Sie kämpft weiter für eine unbefristete Aufenthaltsgenehmigung in ihrem „Mutterland“, wie sie ihre Heimat nennt. Freitagvormittag um 8:30 Uhr überreichte die 37-Jährige eine Petition an Bundesinnenminister Horst Seehofer in Berlin – um für ihr unbefristetes Bleiberecht zu kämpfen. Das Ergebnis: Knapp 37.000 Unterschriften. Unterzeichner sind unter anderem der Personalrat und die Ver.di-Betriebsgruppe der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Die gebürtige Libanesin lebt seit 35 Jahren ohne Pass in Deutschland und arbeitet in der Medizinischen Hochschule Hannover als Fachpflegekraft für Intensivpflege auf der Covid19-Intensivstation. Doch obwohl sie systemrelevant und vorbildlich integriert ist, droht ihr permanent die Abschiebung.

Petition für die Intensivkrankenschwester

Die Medizinische Hochschule Hannover – übrigens eine staatliche Einrichtung – machte sich in einer eigens ins Leben gerufenen Petition nun für ihre Intensivkrankenschwester stark. Die Forderung der Klinik: "Migranten in systemrelevanten und sozialen Berufen brauchen eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland, denn wir sind auf sie angewiesen."

Dass sich ihre Kollegen und ihr Arbeitgeber so für sie einsetzen, berührt Farah Demir, die seit 15 Jahren gegen die Behörden kämpft – bisher chancenlos: "Ich habe alleine gebrüllt, aber es hat mich niemand gehört. Jetzt brüllen meine Kollegen für mich und diese ganzen Stimmen brüllen für mich und jetzt wird gehört."

Farah Demir ist systemrelevant

„Krankenpflegekräfte, vor allen Dingen im intensivmedizinischen Bereich, sind ein absoluter Mangelberuf. Das hat sich gerade in der Corona-Pandemie gezeigt. Wir kämpfen um jede Pflegekraft. Vor allen Dingen, wenn sie diese Spezialausbildung einer Intensivpflegekraft hat“, erzählt der Leiter der Medizinischen Hochschule Hannover, Michael Peter Manns, im RTL-Interview. Und mit der Meinung steht er nicht alleine: Inzwischen haben 36.751 Menschen die Petition unterschrieben. Farah Demir ist von dem Ergebnis überwältigt: „Also die haben von mir gehört und haben sich gedacht: Ach, das scheint ein guter Mensch zu sein, für die unterschreibe ich. Ich bin so dankbar, man unterschreibt ja nicht einfach für fremde Menschen. Und das ist ein unglaublicher Beistand, den ich wirklich zu schätzen weiß.“

Anzeige:

Empfehlungen unserer Partner

Gebraucht - aber nicht geduldet?

Farah Demir reiste am 24. Juni 1986 als kleines Mädchen über die DDR in die Bundesrepublik Deutschland ein. Sie machte Abitur und absolvierte ihre Ausbildung zur Fachkrankenschwester. Geboren wurde sie in Beirut und ist 1986 im Alter von zwei Jahren mit ihrer Familie aufgrund des Krieges im Libanon nach Deutschland geflüchtet. Die 37-Jährige besitzt zwar eine Geburtsurkunde, diese sei im Libanon allerdings nicht offiziell registriert worden, da die staatlichen Strukturen hierfür zum Zeitpunkt ihrer Geburt ebenfalls vom Krieg betroffen waren. Die Geburtsurkunde sei durch die deutsche Kriminalpolizei jedoch auf Echtheit überprüft worden.

Im Jahr 2000 erhält Farah Demir dann eine Niederlassungserlaubnis und im Anschluss deutsche Reisedokumente sowie einen deutschen Staatenlosenpass. Die Unterlagen wurden ihr kurze Zeit später aber wieder entzogen. Seitdem wurde ihre Duldung immer nur zwischen zwei Wochen und sechs Monaten verlängert. Jetzt hofft die 37-Jährige, endlich dauerhaft bleiben zu dürfen. (fst)