Sie sind die Königsmacher der Bundestagswahl 2021

FDP und Grüne wollen zuerst miteinander sprechen

Grüne und FDP wollen zuerst miteinander sprechen.
Grüne und FDP wollen zuerst miteinander sprechen.
© AP, Sebastian Gollnow, wst

27. September 2021 - 0:50 Uhr

FDP und Grüne könnten "Zünglein an der Waage" sein

An der FDP und den Grünen führt auf dem Weg ins Kanzleramt sehr wahrscheinlich kein Weg vorbei. Eine große Koalition stößt nämlich bei keiner Partei auf große Begeisterung. Die beiden bisherigen Oppositionsparteien werden wohl die Königsmacher einer neuen Regierung. In der "Berliner Runde" der ARD macht die FDP den Grünen jetzt ein Gesprächsangebot.

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Christian Lindner: "75 Prozent haben nicht die Partei des künftigen Bundeskanzlers gewählt"

FDP-Chef Christian Lindner hat offenbar Selbstbewusstsein getankt. In der Elefantenrunde der Spitzenkandidaten nach der Wahl stellt er fest: Es könnte ratsam sein, dass die Parteien, die gegen den Status-Quo gekämpft hätten, zuerst miteinander sprechen. Denn 75 Prozent der Menschen in Deutschland hätten nicht die Partei des künftigen Bundeskanzlers gewählt, sagt Lindner. Grünen-Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock bezeichnete es als "mehr als sinnvoll", wenn unterschiedliche Parteien jetzt in unterschiedlichen Konstellationen miteinander redeten. Auch Grünen-Co-Chef Robert Habeck deutete Gespräche mit der FDP an. In der ARD sagte er - ohne die FDP namentlich zu nennen - es könne jetzt hilfreich sein, wenn eigentlich politisch sehr unterschiedliche Parteien miteinander redeten und ausloteten, ob Brücken gebaut und gemeinsame Projekte gefunden werden könnten.

Die FDP und die Grünen wären sowohl in einer Ampel- als auch in einer Jamaika-Koalition an der Regierung beteiligt. Das einzige Zweierbündnis, was nach aktuellen Zahlen möglich wäre, ist eine Große Koalition. Doch eine Neuauflage der GroKo, auch unter Führung der SPD,stößt bei niemandem auf Begeisterung.

Armin Laschet will "Neustart" statt GroKo

"Nach meiner Einschätzung ist jeder der Meinung, dass diese große Koalition, auch der Arbeitsstil dieser großen Koalition, nicht zukunftsträchtig ist", sagte Unions-Kanzlerkandidat Armin Laschet. Wir brauchen hier einen echten Neuanfang, der auch nicht so erzwungen wird", fügte er mit Blick auf die vergangene Koalitionsbildung an. "Und das, was jetzt beginnt, muss auch den Reiz haben, dass man sagt: Ja, da kommen unterschiedliche gesellschaftliche Strömungen zusammen. Da entsteht was, was vielleicht diesem Land einen neuen Schub geben kann, auch mit den Dingen, die man versöhnt: Wirtschaft und Ökologie noch stärker versöhnen als bisher."

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Olaf Scholz mit Spitze gegen Laschet

Einen echten Neuanfang, den möchte auch Olaf Scholz. Armin Laschet soll nach Meinung der SPD dabei aber keine Rolle spielen. Denn Scholz und die SPD untermauern ihren Führungsanspruch. "Das ist ein sehr, sehr eindeutiges Votum", sagt Scholz in der sogenannten Elefantenrunde der Spitzenkandidaten. Ein paar Parteien hätten Zuwächse erzielt und andere keine: "Auch das ist eine Botschaft."

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Naturgemäß sieht Armin Laschet das anders und betont: "Nicht immer war die Partei auf eins auch die, die den Kanzler stellte." Seine Hoffnung auf das Kanzleramt hat Laschet also noch nicht aufgegeben. Eine Koalition müsse man "gerne" miteinander bilden. "Das war in der großen Koalition am Ende so nicht mehr der Fall." Also wird es auf Jamaica, also schwarz-gelb-grün, oder eine Ampel, also rot-gelb-grün, hinauslaufen – und für beide Koalitionsmöglichkeiten braucht der nächste Kanzler sowohl Grüne, als auch FDP. Sie könnten jetzt also entscheiden, wer mit ihnen Kanzler werden darf.

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Spitzenkandidaten: Kein Verhandlungsmarathon

Nach der letzten Bundestagswahl dauerte die Regierungsbildung 172 Tage, also genau fünf Monate, zwei Wochen und 5 Tage – ein fragwürdiger Rekord. Wenn es nach Laschet und Scholz geht, wird es dazu nicht mehr kommen. Olaf Scholz will die Koalitionsverhandlungen vor Weihnachten zu einem Ende bringen. Dafür werde er "alles tun", sagt er. Er sei zuversichtlich, dass Angela Merkel nicht erneut eine Neujahrsansprache halten werde. Auch Armin Laschet sagt, man müsse deutlich schneller sein mit der Koalitionsbildung als bei der vorigen Bundestagswahl 2017. Am besten solle man noch vor Weihnachten ein Ergebnis erzielen.