Streik an Universitätsklinikum Gießen und Marburg

Klinik-Angestellte kurz vorm Burnout: "Können Patienten nicht so helfen, wie wir wollen"

Klinik-Angestellte kurz vorm Burnout Streik an Universitätsklinikum
02:28 min
Streik an Universitätsklinikum
Klinik-Angestellte kurz vorm Burnout

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von Katrin Schmidt und Konstantin Müller

„Wir sind sehr gut ausgebildet, können mit der Personaldecke Patienten aber nicht so professionell betreuen, wie wir es eigentlich könnten“ - Anette Freitag arbeitet im Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) in der inneren Medizin. Am liebsten würde sie kranken Menschen helfen – allerdings sind ihr die Hänge gebunden. Aufgrund der prekären Situation haben sie und ihre Kolleginnen und Kollegen nun schon den dritten Tag in Folge die Arbeit niedergelegt. Im Video erzählen sie uns von ihren Problemen.

Streik im Sinne der Gesundheit

Tatsächlich geht es den nicht-ärztlichen Angestellten in erster Linie nicht darum, von der bereits geleisteten Arbeit verstärkt zu profitieren. Vielmehr wollen sie ihre Arbeit besten Gewissens erledigen können, ohne krank zu werden. Insgesamt 9.600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten hier – mehr als 7.000 nichtärztliche Beschäftigte sind von den Verhandlungen betroffen.

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„Wir wollen, dass unser Beruf weiterlebt, der stirbt gerade aus“, erzählt die medizinische Technologin Samira Brimah im RTL-Interview. Patienten würden entlassen, ohne dass sie eine sichere Diagnose gestellt bekommen. Mit der aktuellen Personallage sei das aber auch nicht anders zu bewerkstelligen.

Medizinische Technologin Samira Prima streikt am UKGM in Marburg.
Samira Brimah arbeitet als Medizinische Technologin im UKGM - aufgrund der angespannten Situation stirbt ihr Job allmählich aus, sagt sie.
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Forderung: Mehr Personal

Insgesamt möchte die Gewerkschaft Verdi gemeinsam mit den Streikenden 300 Vollzeitstellen neu besetzen. Saskia Jensch von Verdi führt die Verhandlungen am UKGM. Sie sagt: „Wir brauchen eine konkrete Personalbemessung für die jeweiligen Stationen und Bereiche, damit die Versorgung gut sichergestellt ist.“

Die Angestellten wollten lediglich ihren Dienst so gut ausüben, dass für das Wohlergehen der Patientinnen und Patienten gesorgt ist, ohne dass sie Burnout bekommen. „Meine Sorge ist, dass sich der Fachkräftemangel drastisch steigern wird und Kolleginnen und Kollegen gehen, weil sie es nicht mehr tragen können“, sagt Jensch.

Saskia Jensch von der Gewerkschaft Verdi im UKGM beim Streik in Marburg.
Saskia Jensch von Verdi betont, dass die Geschäftsführung bislang nicht erkannt habe, wie schlecht die Arbeitsbedingungen sind. Es brauche eine andere Form des Personalmanagements.
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Geschäftsführung hält Streik für unnötig

Die Geschäftsführung des Uniklinikums hält Streik laut einer Stellungnahme vom Freitag „für unnötig, weil es inzwischen konstruktive Verhandlungen gibt, und für unangemessen, weil er die Versorgung der Patientinnen und Patienten hochgradig gefährdet“. Um sowohl die Patientensicherheit als auch das Streikrecht der Beschäftigten zu garantieren, hat sich Verdi im Vorfeld mit dem UKGM auf eine Notdienstvereinbarung geeinigt, erklärte Gewerkschaftssekretär Fabian Dzewas-Rehm.

Die Verhandlungen betreffen die mehr als 7000 nicht-ärztlichen Beschäftigten des privatisierten Uniklinikums, das insgesamt rund 9600 Mitarbeiter hat. Der Streik soll noch mehrere Tage andauern und seinen Höhepunkt am Freitag mit einem Marsch durch die Marburger Innenstadt finden.