Gewerkschaften schlagen AlarmProteste gegen Aufhebung des Acht-Stunden-Tags
Mehr Flexibilität oder eine zu hohe Belastung?
Gewerkschafter kämpfen gegen die geplante Lockerung des Acht-Stunden-Tags. Die Bundesregierung möchte offenbar das Arbeitszeitgesetz ändern, Verdi und Co. wehren sich.
„Wir stehen klar zum Arbeitszeitgesetz”
„Wir stehen klar zum Arbeitszeitgesetz, wie es jetzt ist“, wird der Verdi-Vorsitzende Frank Werneke schon vor rund zwei Wochen in einem Beitrag auf der Gewerkschafts-Website zitiert. Unter dem Motto „Mit Macht für die 8!“ positionieren sich er und seine Kollegen gegen die Regierungs-Pläne.
Stellvertreterin Andrea Kocsi: „Viele Beschäftigte arbeiten bereits jetzt an der Belastungsgrenze oder auch darüber hinaus. Mit einer Verlängerung der täglichen Arbeitszeit über acht Stunden hinaus bleibt keine Zeit mehr für Erholung und Regeneration, die Gesundheitsgefährdungen nehmen massiv zu.”
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Schon jetzt ist Flexibilität möglich
Die Sorge: Die Änderung, die hohe Flexibilität verspricht, könnte zu Lasten von Ruhezeiten gehen. In der nationalen Tourismusstrategie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie heißt es: „Die Bundesregierung will im Einklang mit der europäischen Arbeitszeitrichtlinie die Möglichkeit einer wöchentlichen anstatt einer täglichen Höchstarbeitszeit schaffen – auch und gerade im Sinne einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf.”

Länger am Stück arbeiten und dafür an anderen Tagen früher Feierabend machen? Das könnte ausgenutzt werden, warnt Werneke jetzt: In Bild spricht er davon, dass Arbeitgebern „ein Freibrief ausgestellt“ würde, um aus überlasteten Arbeitnehmern „das Letzte rauszuholen“. Flexibilität ließe das Arbeitszeitgesetz auch jetzt schon zu. Unter bestimmten Voraussetzungen darf schon jetzt mehr als acht Stunden pro Tag gearbeitet werden.
Lockerung des Acht-Stunden-Tags: Chaos oder Fortschritt?
Die Gewerkschaften drohen mit Protesten und Streiks. Der Bundesvorsitzende der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Robert Feiger, spricht sich in dem Blatt ebenfalls gegen Änderungen am Arbeitszeitgesetz aus. „Der Acht-Stunden-Tag ist kein Relikt vergangener Zeiten, sondern ein Grundpfeiler sozialer Gerechtigkeit”, sagt Feiger. Wer daran rüttele, riskiere Chaos statt Fortschritt. Eine Aufweichung bringe Nachteile vor allem für Beschäftigte ohne Tarifbindung. „Für sie hieße das: längere Arbeitstage, weniger Erholung, mehr Druck.”
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Christoph Ploß (CDU), Koordinator für Maritime Wirtschaft und Tourismus sieht darin vielmehr eine Chance, sagt: Die Neuregelung „wird vor allem den kleinen und mittelständischen Betrieben sehr helfen.” Die Änderung soll noch in diesem Jahr beschlossen werden. (sis)
































