Bald auch Verlegungen ins EU-Ausland?

Kleebatt-Konzept: Knapp 50 Covid-Patienten in andere Bundesländer verlegt

Einer von zwei Corona-Patienten wird in der Nacht auf dem Flughafen Dresden International von Rettungskräften in ein ADAC Ambulanz Flugzeug vom Typ Dornier 328Jet verladen, um nach Bremen ausgeflogen zu werden.
Einer von zwei Corona-Patienten wird in der Nacht auf dem Flughafen Dresden International von Rettungskräften in ein ADAC Ambulanz Flugzeug vom Typ Dornier 328Jet verladen, um nach Bremen ausgeflogen zu werden.
© dpa, Robert Michael, ert sei

28. November 2021 - 20:45 Uhr

Überlebenskampf mit Ambulanz-Flieger

Sie kämpfen um ihr Leben – und damit sie diesen Kampf noch gewinnen können, müssen sie jetzt deutschlandweit in andere Krankenhäuser verlegt werden: Knapp 50 Schwerkranke sind bei der bisher größten Aktion zur Verlegung von Intensivpatienten am Wochenende aus den Ländern Bayern, Thüringen und Sachsen in andere Bundesländer geflogen worden.

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"Dramatische Lage": Kleeblatt-Systems soll entlasten

Die Intensivstationen entlasten – das soll diese Verlegungsaktion im Rahmen des sogenannten Kleeblatt-Systems in den drei von der vierten Corona-Welle besonders hart getroffenen Bundesländern. Absolut dramatisch – so beschreiben Mediziner die derzeitige Situation auf den Intensivstationen in den Corona-Hotspots. Mehr als 1000 Covid-Patienten lagen allein in Bayern nach Angaben des Intensiv-Registers am Sonntag auf den Intensivstationen. Über die Hälfte davon unter Beatmung.

IM VIDEO: So funktioniert das Kleeblattkonzept

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Bald auch Verlegungen ins Ausland notwendig

Aber was passiert, wenn in ganz Deutschland keine Intensivbetten mehr zur Verfügung stehen?Dann sind auch Verlegungen ins Ausland möglich, sagte Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen der "Welt am Sonntag". "Anhand der Neuinfektionszahlen müssen wir davon ausgehen, dass Hunderte Intensivpatienten verlegt werden müssen", sagte Dahmen der Zeitung. "Weil der Bedarf so eklatant ansteigen könnte, werden möglicherweise auch Verlegungen in EU-Nachbarstaaten notwendig", fügte der Bundestagsabgeordnete hinzu.

"Fliegende Intensivstation" der Bundeswehr im Einsatz

Aus Bayern seien bis zum Sonntag 29 Patienten verlegt worden, teilte Hermann Schröder, seit Mai 2021 Vorsitzender des Arbeitskreises Rettungswesen, Katastrophenschutz und zivile Verteidigung der Innenministerkonferenz, am Sonntag in Stuttgart mit. Im Einsatz dafür waren nach seiner Auskunft neben Intensivtransportwagen (ITW), ein Großraum-Intensivtransportwagen, Ambulanzflugzeuge und ein A 310 MedEvac Flugzeug der Bundeswehr.

Dieser Spezial-Airbus, der auch als "fliegende Intensivstation" beschrieben wird, hatte bereits am Freitag sechs Patienten von Memmingen aus nach Nordrhein-Westfalen gebracht. Am Sonntag flog er fünf schwerkranke Corona-Patienten von München nach Hamburg. Sie sollten dann in Krankenhäuser in Schleswig-Holstein weiterverlegt werden. Zudem wurden laut Schröder sechs Patienten aus Thüringen sowie 14 aus Sachsen in andere Länder gebracht.

Verlegung von Nicht-Covid-Patienten nur ausnahmsweise

Zur Aufnahme der Intensivpatienten hatten sich durch Vermittlung der Länder Krankenhäuser in Niedersachsen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Bremen, Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland bereit erklärt. Eine Verlegung von Patienten mit anderen Erkrankungen ist nach einem Kriterienkatalog der Intensivmedizinervereinigung Divi nach dem Kleeblatt-System nur in Ausnahmefällen vorgesehen. Das Konzept war im Frühjahr 2020 unter dem Eindruck der ersten Corona-Welle ins Leben gerufen worden. (dpa/ija)