Sie merken nicht mal, wenn es regnet

Kein Durchblick für Studenten: Wohnheim jahrelang von Plane verhüllt

23. März 2021 - 17:54 Uhr

Ärger um Studentenwohnheim der Kölner Sporthochschule

Den Durchblick zu behalten, ist mitunter nicht leicht. Für rund 350 Studenten der Kölner Sporthochschule gilt das sogar im wörtlichen Sinne: Sie leben in einem Wohnheim, das komplett von einer Plane verhüllt ist – für unglaubliche zwei Jahre. Sie sind darüber alles andere als amüsiert, wie ein Student in unserem Video erzählt.

Steine bröckelten von Fassade des "Turms"

Studentenwohnheim Sporthochschule Köln verhüllt
Der "Turm" der Kölner Sporthochschule ist komplett verhüllt.
© RTL

Dass der in die Jahre gekommene "Turm" der Sporthochschule saniert werden soll, ist nachvollziehbar. Aber weshalb wurde das Studentenwohnheim schon zwei Jahre vor dem geplanten Baubeginn eingepackt wie einst der Berliner Reichstag von Künstler Christo? "Es gab herabbröckelnde Steine", erklärt Klaus Wilsberg vom Kölner Studierendenwerk. Gemeinsam mit der Bauaufsicht habe man entschieden, das Gebäude abzuhängen. "Als reine Sicherungsmaßnahme", betont er.

Studenten leben in einem "großen, stickigen Zelt"

Studentenwohnheim der Kölner Sporthochschule verhüllt
Der Ausblick für die Studenten der Kölner Sporthochschule ist mehr als nur trist: Es gibt gar keinen.
© RTL

Der Vermieter hätte zumindest eine durchsichtige Plane verwenden können, aber das war ihm zu teuer. Und deshalb sehen die Studenten beim Blick aus dem Fenster – nichts. Immerhin erkenne man noch, ob die Sonne überhaupt scheint oder nicht, erzählt Student Florian Dahmen. Aber vom Regen bekomme man nur etwas mit, wenn er extrem stark sei.

Ein anderer Student berichtet, es fühle sich an, "als würden wir in einem sehr großen, stickigen Zelt leben, in dem leider der Reißverschluss fehlt". Durch die Plane komme so gut wie keine Luft, deshalb könne man nicht mehr lüften, sagt Ole Sudmann. "Ich hab das Gefühl, dass wir nicht ernst genommen werden."

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Anwalt: Mietkürzung um die Hälfte ist angemessen

Klaglos hinnehmen müssen die Bewohner den Zustand aber nicht, erklärt Rechtsanwalt Arndt Kempgens. Er hält es für angemessen, die Miete um ein Drittel oder sogar die Hälfte zu kürzen. Denn: "Je länger so ein Mangel andauert, desto stärker kann die Kürzung vorgenommen werden", sagt der Anwalt. Um auch dem Vermieter zu zeigen, dass es so nicht geht. Der habe den Studenten gerade mal zehn Prozent angeboten – "abspeisen" nennt Kempgens das.

Schon seit 15 Monaten sehen die Kölner Studenten aus ihren Zimmern nichts von der Domstadt. Und müssen wohl noch bis April 2022 durchhalten, denn erst dann soll mit der Sanierung begonnen werden.