SPD-Gesundheitsexperte im RTL-Interview

Karl Lauterbach über Delta-Variante: "Gefährdet auch diejenigen, die schon geimpft sind“

26. Juli 2021 - 10:24 Uhr

Im Video: Lauterbachs Einschätzung zur Delta-Variante

Die Delta-Variante des Coronavirus breitet sich weltweit aus. Die Weltgesundheitsorganisation WHO zitierte am Mittwoch Studien aus China und Kanada, die die hohe Gefährlichkeit der Variante untermauern. Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach schätzt die Gefahr der Delta-Variante des Coronavirus deutlich höher ein als bislang vermutet: "Die Delta-Variante hat sich auf der ganzen Welt durchgesetzt. Wir haben die Krise nicht überwunden", sagt der Politiker im RTL-Interview. Mehr zu seiner Einschätzung zeigen wir im Video.

Studie aus Kanada: Risiken bei Covid-19-Erkrankung deutlich höher mit Delta-Variante

Der kanadischen Studie zufolge waren bei einer Covid-19-Erkrankung mit Delta-Variante auch die gesundheitlichen Risiken deutlich höher als bei frühen Corona-Typen: Das Risiko, ins Krankenhaus zu müssen, war um etwa 120 Prozent erhöht. Die Gefahr, Intensivpflege zu benötigen, um etwa 287 Prozent. Das Sterberisiko war demnach um etwa 137 Prozent höher.

Zuvor wurde gehofft, dass die Delta-Variante zwar ansteckender sei, aber leichter verlaufe – diese Annahme ist durch die Studien widerlegt. "Jetzt bestätigt es sich, dass die Delta-Variante zum einen wesentlich ansteckender ist, aber auch zu schwereren Verläufen führt. Und wahrscheinlich wegen der höheren Viruslast noch zu mehr Long-Covid-Fällen führen wird", erklärte Lauterbach im RTL-Interview.

Lese-Tipp Corona-Ausbreitung in Flutgebieten – Lauterbach: Delta-Variante große Gefahr für die Helfer

Lauterbach: „Selbst bei denjenigen, die geimpft sind, werden wir mehr Durchbruch-Infektionen sehen"

Dass die Delta-Variante ansteckender ist, war schon länger bekannt. Nur nicht der Grund dafür. Lauterbach erklärt: "Die Studien wiesen alle in die Richtung für eine höhere Viruslast. Wenn Sie mit einem gefährlichen Virus infiziert sind und eine höhere Viruslast haben, dann ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass Sie schwer erkranken und dass die Organe Schaden nehmen. Und genau das konnte jetzt – leider – in der kanadischen Studie gezeigt werden", fasst er zusammen.

Der Politiker befürchtet: "Selbst bei denjenigen, die geimpft sind, werden wir mehr Durchbruch-Infektionen sehen. Diejenigen, die erkranken, haben ein höheres Risiko zu versterben. Das gefährdet auch diejenigen, die schon geimpft sind."

RTL.de empfiehlt

Anzeigen:

WHO nennt vier Gründe für den Anstieg der Corona-Neuinfektionen

Die WHO nennt vier Gründe für den Anstieg der Neuinfektionen:

  • Die neuen hochansteckenden Virusvarianten
  • Die Lockerung von Corona-Schutzmaßnahmen
  • Mehr soziale Kontakte
  • Und die hohe Zahl von Menschen, die noch nicht geimpft werden konnten, weil Impfstoffe zwischen reichen und armen Ländern ungleich verteilt sind

Weltweit ist die Zahl der gemeldeten Corona-Neuinfektionen in der Woche bis zum 18. Juli um zwölf Prozent auf rund 3,4 Millionen gestiegen. Die größte Zahl erfasster neuer Fälle verzeichneten demnach Indonesien (plus 44 Prozent) und Großbritannien (plus 41 Prozent).

Biontech, AstraZeneca und Co.: Wie gut schützen die Corona-Impfstoffe vor der Delta-Variante?

(dpa, jti)

Auch interessant