Diese Risiken gibt es bei der Periduralanästhesie

Nadel bleibt stecken: Junge Mutter nach PDA gelähmt

9. Juli 2019 - 10:59 Uhr

„Der PDA-Katheter steckte in meinem Rücken fest“

Es sollte der schönste Tag in ihrem Leben werden, doch die Geburt von Töchterchen Serenity wurde für die 18-jährige Amerikanerin Selena Gray zum Horror-Trip. Die junge Frau aus Pensacola, Florida, wollte mit einer PDA die starken Schmerzen während der Geburt lindern. Als die Ärzte den Katheter entfernen merken sie, dass dieser sich in Selenas Rückgrat verhakt hat. Was dann passiert, sehen Sie im Video.

Was ist eine PDA?

Die Periduralanästhesie, kurz PDA, bezeichnet ein Verfahren zur Betäubung des Unterleibs, das vor allem bei der Geburt zur Erleichterung der Schmerzen zum Einsatz kommt. Bei der PDA werden bestimmte Nerven für eine gewisse Zeit in ihrer Funktion gehemmt. In dieser Region werden dann keine Schmerzen empfunden und die Patientin kann die betäubte Körperpartie nicht bewegen - allerdings nur, während die PDA andauert.

Wie funktioniert eine PDA?

Bei einer PDA wird ein Schmerzmittel in den Wirbelsäulenkanal weit unterhalb des Rückenmarks gespritzt, das die Schmerzempfindlichkeit unterhalb des Nabels unterdrückt. Der Arzt tastet nach dem Lendenwirbel ab, um dort die Nadel einzustechen. Zunächst spritzt er ein Betäubungsmittel. Anschließend dringt er mit der Nadel bis in den Hohlraum der harten Rückenmarkshaut (nicht zu verwechseln mit dem Rückenmark) vor.

Die Spritze ist mit Kochsalzlösung gefüllt, die, sobald die richtige Stelle gefunden wird, in den Hohlraum gespritzt und danach entsorgt wird. Die Nadel bleibt allerdings im Lendenbereich stecken. In diese wird jetzt ein weiches Kunststoffschläuchlein eingefädelt und weiter in die Haut geschoben bis es im Hohlraum steckt. Daraufhin wird die Nadel herausgezogen und der Schlauch mit einem Pflaster an Ihrem Rücken befestigt. So kann das Schmerzmittel in den Körper gelangen und nach Bedarf dosiert werden: Nach circa zehn bis fünfzehn Minuten beginnt die PDA zu wirken.

Kann es bei einer PDA tatsächlich zu schwerwiegenden Komplikationen kommen?

Das sagt Prof. Dr. Wolfgang Henrich, Direktor von der Geburtsmedizin Charité dazu:

"Schwere Komplikationen im Rahmen einer regionalen Betäubung sind in der Geburtshilfe sehr ungewöhnlich. Die PDA gilt als eine hochsichere Methode, die in der Regel nur von erfahrenen Narkoseärzten durchgeführt wird. Eine Vollnarkose als Alternative zur Narkose, zum Beispiel bei einem Kaiserschnitt, ist riskanter als eine Regionalanästhesie. Daher werden die allermeisten Kaiserschnitte in PDA oder Spinalanästhesie durchgeführt. In ein bis zwei Prozent können nach der Operation oder nach der natürlichen Geburt Kopfschmerzen als Nebenwirkung auftreten, die nach medikamentöser Therapie oder in selten Fällen nach Gabe eines Blutpatches (hier wird Eigenblut in den Bereich der Einstichstelle gegeben) wieder vollständig verschwinden. Seltene Komplikationen sind ein Bluterguss oder Druckschmerz an der Einstichstelle. Schädigungen des Rückenmarks oder dauerhafte Störungen des Gefühls durch Nervenirritationen oder gar Lähmungen sind nahezu ausgeschlossen. Da keine Einzelheiten zu dem Fall aus den USA bekannt sind, sollten Spekulationen darüber unterbleiben."