Teil des zentralen Nervensystems

Gesundheitslexikon: Rückenmark (Medulla spinalis)

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22. November 2019 - 13:11 Uhr

Das Rückenmark - zentrale Schaltstelle zwischen Gehirn und Körper

Das Rückenmark (Medulla spinalis) bildet gemeinsam mit dem Gehirn das zentrale Nervensystem. Es versorgt Rumpf, Arme und Beine mit motorischen sowie sensiblen Nervenfasern und dient damit der Reizleitung zum und vom Gehirn. Auch die Reflexe laufen über das Rückenmark. Diese ausgeklügelte Schnittstelle ist eine der vielen Voraussetzungen für menschliches Leben, denn ohne sie wären Bewegung und sensible Empfindungen nicht möglich.

Wie ist das Rückenmark aufgebaut?

Das Rückenmark ist ein langer, dünner Strang mit einer durchschnittlichen Breite von acht bis zehn Millimetern und einer durchschnittlichen Dicke von fünf bis sieben Millimetern. Es verläuft im Wirbelkanal, der von den übereinanderliegenden Löchern jedes Wirbelkörpers gebildet wird. Dabei ist es so flexibel, dass es selbst bei extremen Verformungen wie bei Akrobatik oder Gymnastik nicht abgedrückt oder abgescheuert wird. Das Rückenmark erstreckt sich aber nicht über die gesamte Länge der Wirbelsäule, sondern reicht nur bis etwa zum ersten Lendenwirbelkörper, wo es spitz endet und sich nach unten als weitgehend funktionsloser Bindegewebsstrang fortsetzt.

Wie steht das Rückenmark mit dem Körper in Verbindung?

Wie die Wirbelsäule ist auch das Rückenmark in einzelne Segmente eingeteilt, von denen jedes einen bestimmten Teil des Körpers versorgt. Sie gliedern sich in acht Halssegmente, zwölf Brustsegmente, je fünf Lenden- und Kreuzbeinsegmente sowie ein bis zwei Steißsegmente. Jedem Segment entspringt rechts und links ein Spinalnerv, der sowohl afferente (zum Hirn hinführende, sensible) als auch efferente (vom Hirn wegführende, motorische) Fasern besitzt. Die Nerven treten an den Zwischenwirbellöchern aus und ziehen von dort in Rumpf und Extremitäten. An der unteren Halswirbelsäule und am Ende des Rückenmarks sind Anschwellungen zu erkennen, da an diesen Stellen besonders viele Nervenfasern für die Versorgung von Armen und Beinen entspringen bzw. einmünden.

Wer schützt das Rückenmark?

Die Wirbelsäule bietet zwar einen guten knöchernen Schutz gegen Stöße, allerdings ist das für den empfindlichen Nervenstrang noch nicht genug. Für zusätzliche Stoßdämpfung sorgt zum einen der Liquor, eine dünne, flüssige Schicht, in der Gehirn und Rückenmark eingebettet sind. Zum anderen ist das Rückenmark von mehreren Häuten umgeben, welche für eine gut gepolsterte Lagerung sorgen. Vom Wirbelkanal zum Rückenmark hin findet sich hier zuerst das Periost (Knochenhaut), gefolgt von einer harten und einer weichen Rückenmarkshaut. Dieser Aufbau entspricht auch der Anordnung der Hirnhäute.

Was passiert bei Verletzungen des Rückenmarks?

Es gibt verschiedene Faktoren, die das Rückenmark schädigen und damit seine Funktion einschränken können. Tumore im Wirbelkanal sind zwar sehr selten und meist gutartig, üben durch ihr Wachstum aber Druck auf das Rückenmark aus und lösen so Lähmungen oder Gefühlsstörungen aus. Auch Entzündungen, degenerative Prozesse und Durchblutungsstörungen können derartige Symptome zur Folge haben. Eine Durchtrennung des Rückenmarks resultiert in einer kompletten oder inkompletten Querschnittslähmung. Je höher die Lokalisation der Durchtrennung ist, desto mehr Körperregionen sind von der sensiblen und motorischen Lähmung betroffen. Die Querschnittslähmung ist mit heutigen medizinischen Methoden noch nicht reparabel.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.