Schutzmechanismen für den Körper

Gesundheitslexikon: Reflex

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26. November 2019 - 13:13 Uhr

Reflexe sind unsere unbewussten Beschützer

Ein Reflex ist eine rasche und immer gleiche Reaktion des Organismus auf einen Reiz, der neuronal vermittelt wird. Es gibt einfache und komplexe Arten von Reflexen, die zum Teil angeboren sind, zum Teil aber auch durch Konditionierung erworben werden können. Es handelt sich um Reaktionsweisen, die sich deshalb entwickelt haben, weil sie letztlich einen evolutionären Vorteil bringen.

Was sind Reflexe und was ist ein Reflexbogen?

Die Grundvoraussetzung für Reflexe ist es, auslösende Reize wahrnehmen zu können. Doch nur wenn diese automatisch verarbeitet und ohne bewusste Entscheidungen eine Aktion im Körper auslösen, spricht man auch wirklich von einem Reflex. Die Reflexe, die durch ein Zusammenspiel von Sinnesorganen, Muskeln und Nerven entstehen, ermöglichen vielen Lebewesen überhaupt erst ein eigenständiges Leben. Auch der Mensch hat einige Reflexe, die eine nicht unwichtige Rolle in seiner Überlebensstrategie einnehmen. Fast alle Arten von Reflexen werden neuronal über einen Reflexbogen durchgeführt. Es handelt sich dabei um die kürzest mögliche neuronale Verbindung zwischen Rezeptor und Effektor. Durch den Reflexbogen kann der Reflex besonders schnell ausgelöst werden.

Eigenreflexe und Fremdreflexe

Bei den zahlreichen Formen von Reflexen unterschiedet man zwischen Eigenreflex und Fremdreflex. Um einen Eigenreflex handelt es sich, wenn jenes Organ, das gereizt wurde, als Reflex selbst eine Reaktion auf den Reiz ausführt. Meist handelt es sich dabei um Muskelreflexe. Beispielsweise kennt man den Achillessehnenreflex oder auch den Adduktorenreflex. Wenn der Reflex nicht in jenem Organ erfolgt, in dem der Reiz ausgelöst wurde, spricht man von einem Fremdreflex oder auch einem "polysynaptischen Reflex". Physiologische Fremdreflexe sind habituierbar - sie können also beispielsweise bei Lähmungen gänzlich ausbleiben, weil die synaptische Verbindung nicht mehr besteht. Pathologische Fremdreflexe sind hingegen nicht habituierbar.

Weitere Formen von Reflexen

Angeborene Reflexe sind bereits bei der Geburt voll ausgebildet oder entwickeln sich bis spätestens zur Adoleszenz. Ein Beispiel dafür ist der Lidschlussreflex. Einige angeborene Reflexe gehen mit der Zeit verloren. Von bedingten oder konditionierten Reflexen spricht man, wenn diese erlernt werden. Solche konditionierten Reflexe wurden spätestens durch den "Pawlowschen Hund" berühmt. Dieser wurde in einem bekannten Experiment darauf konditioniert, bereits durch ein Signal, das die Fütterung ankündigt, einen Speichelfluss zu entwickeln. Wenn bei einem Reflex gleich mehrere Muskeln oder Organe koordiniert reagieren, spricht man von koordinierten Reflexbewegungen. Ein Beispiel dafür ist der Greifreflex bei Neugeborenen.

Reflexstörungen - verschiedene Formen

Da Reflexe eine überaus wichtige Aufgabe erfüllen, sind entsprechende Störungen oft mit Problemen verbunden. Meist werden solche Reflexstörungen durch Krankheiten ausgelöst. Bekannt ist beispielsweise, dass Morbus Wilson, eine Lebererkrankung bei Kindern, neben Muskelschwäche auch Reflexstörungen hervorrufen kann. Auch bei Schädigungen der Nerven und des Gehirns, wie bei einem Schlaganfall oder einer Hirnblutung, können Reflexe gestört werden oder verloren gehen. Von einer Areflexie spricht man, wenn ein oder mehrere Eigenreflexe nicht mehr vorhanden sind. Bei der Hyporeflexie sind diese nur abgeschwächt wirksam. Eine weitere Form der Reflexstörung ist die Hyperreflexie, bei der Reflexe abnorm verstärkt auftreten.

Wichtiger Hinweis: Dieser Artikel kann einen Besuch beim Arzt nicht ersetzen. Er enthält nur allgemeine Hinweise und darf daher keinesfalls zu einer Selbstdiagnose oder Selbstbehandlung herangezogen werden.