Lage besser geworden – aber längst nicht so entspannt wie der Inzidenzwert

Intensivbetten-Belegung bleibt hoch: Mediziner erklärt die Gründe dafür

Die Lage auf den Intensivstationen ist zwar besser geworden - aber längst nicht so entspannt, wie die niedrige Inzidenz vermuten ließe. (Foto: Archiv)
Die Lage auf den Intensivstationen ist zwar besser geworden - aber längst nicht so entspannt, wie die niedrige Inzidenz vermuten ließe. (Foto: Archiv)
© dpa, Jens Büttner, jbu jat fdt

07. Juni 2021 - 15:18 Uhr

Wie ist die Lage im Epizentrum Krankenhaus?

Ein großes Auf- und Durchatmen geht durch die Bevölkerung: Die Inzidenz in Deutschland sinkt weiter. Auch wenn wir wegen der Virus-Varianten immer noch sehr auf der Hut sein müssen: Allmählich macht sich Deutschland ganz schön locker. Doch wie ist eigentlich die Lage im Epizentrum der Corona-Pandemie: in den Krankenhäusern - und dort ganz besonders in den Intensivstationen? Intensivmediziner Prof. Dr. Uwe Janssens erzählt, wie es an der Virus-Front läuft.

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"Sind froh, dass die Zahlen jetzt endlich nach unten gehen"

Nachdem die Bundesnotbremse und die steigende Zahl der Impfungen endlich Wirkung gezeigt hat, sinkt die bundesweite Inzidenz seit mehreren Wochen fast konstant. Doch wie ist die Lage auf den Intensivstationen? Die Lage ist zwar besser geworden – aber längst nicht so entspannt, wie die niedrige Inzidenz vermuten ließe.

Trotzdem freut sich Prof. Dr. Uwe Janssens, Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V. (DIVI) – vor allem für die Kollegen: "Wir sind wirklich froh, dass die Zahlen jetzt endlich nachhaltig nach unten gehen", sagt er gegenüber RTL. "Das ist eine wirklich gute Nachricht für die ganzen Mitarbeiter auf den Intensivstationen, die jetzt über Monate wirklich am Rande der Erschöpfung gearbeitet haben."

Prof. Dr. med. Uwe Janssens ist Chefarzt für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin. Von 2019 bis 2020 war Janssens Präsident der DIVI.
Prof. Dr. med. Uwe Janssens ist Chefarzt für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin. Von 2019 bis 2020 war Janssens Präsident der DIVI.
© RTL, RTL NEWS

Intensivbetten-Belegung immer noch hoch: Warum ist das so?

Aber nach wie vor gibt es weiterhin viele Patienten auf Intensivstationen – 1796 sind es am 7. Juni. Und das hat auch einen einfachen Grund, erklärt Janssens: "Wir arbeiten jetzt das auf deutschen Intensivstationen nach, was an Operationen aufgeschoben worden ist, die kommen jetzt rein."

Ein weiterer Grund ist die Tatsache, dass Covid-19-Patienten eine hohe Verweildauer haben – teilweise bis zu 40 Tage. Deswegen wird die Anzahl an Intensiv-Patienten erst einmal gleich bleiben, so der Intensivmediziner. Aber durch die geringen Infektionszahlen und durch die bereits erfolgte Impfung der verletzlichsten Gruppen hat sich die Lage aber Deutschland entspannt – dank Bundesnotbremse und dank einer Bevölkerung, die tatkräftig mit geholfen hat, die Lage in den Griff zu bekommen. (ija)

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Patienten jünger, Sterberate immer noch sehr hoch

Die meisten Patienten, die jetzt auf den Intensivstationen betreut werden, sind zwischen 50 und 70 Jahren alt. Doch eine Auswirkung auf die Sterberate der Covid-19-Patienten hat das nicht. Die Sterblichkeit liege bei beatmeten Patienten immer noch zwischen 30 und 60 Prozent, je nach Alter, so Janssens. Der Professor ist sich sicher: "Wenn wir es schaffen, die Durchimpfung wirklich voranzutreiben mit allen Mitteln, dann werden wir einen entspannten Sommer haben."

Das Virus wird uns weiter begleiten

Allerdings müssen wir auf der Hut bleiben – denn ein entspannter Sommer bedeutet nicht, dass uns das Virus verlassen hat. "Dieses Virus wird uns weiter begleiten", ist sich der Intensivmediziner sicher, "weil es mutiert." Der Rest der Welt sei teilweise noch gar nicht geimpft und das bedeute, dass wir noch immer das Risiko haben werden, dass von außen wieder neue Mutationen kommen – Mutationen, bei denen die Impfung nicht so gut wirkt. "Und deshalb werden wir mit Sicherheit, davon können wir ausgehen, immer wieder Auffrischimpfungen benötigen, damit wir gegen diese neuen Mutationen geschützt werden."

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