Immer mehr Corona-Erkrankungen in Kita und Schule

Sind Kinder und Jugendliche die neuen Pandemie-Beschleuniger?

26. März 2021 - 10:56 Uhr

Sind Kinder und Jugendliche schuld an den hohen Zahlen?

In allen Altersgruppen steigt die Zahl der Ansteckungen, laut Online-Lagebericht. Auffällig viele Fälle gebe es aber aktuell in Familien, aber auch in Kitas und Schulen steigen die Ausbrüche. Sind Kinder und Jugendliche die neuen Pandemie-Treiber? Wir haben mit Gesundheits-Experte Dr. Christoph Specht über die Rolle von Kindern und Jugendlichen in der Pandemie geredet. Zudem erklärt Virologe Prof. Helmut Fickenscher, warum Kinder jetzt erst einmal nicht geimpft werden können.

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Liegt das hohe Ergebnis nur an mehr Tests?

Warum sind die Zahlen der Kinder und Jugendlichen aktuell so hoch? Mediziner und Journalist Dr. Christoph Specht sagt uns dazu: "Es liegt vermutlich daran, dass sie wieder in die Schule gehen, also haben wir auch die Gelegenheit, dass sich das Virus von einem Kind auf das andere überträgt." Das sei, als die Kinder nicht in die Schule gehen durften, natürlich seltener der Fall gewesen.

Und zweitens: "Wir haben es inzwischen mit Mutationen zu tun und auch von denen wissen wir, dass sie sich gerade bei Kindern gut verbreiten. Das ist momentan das dominierende Geschehen." Wenn es jetzt so wäre, dass es bei den Kindern bleibe, dann wäre das nicht mal so schlimm, weil die Kinder auch mit den Mutationen zumindest keine dramatisch erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheits-Verlauf haben. "Aber leider bleibt das ja eben nicht so. Immer neue Virusvarianten machen es schwerer und schwerer."

Weiter erklärt Specht: "Dass jetzt vermehrt Kinder und Jugendliche positiv auf Corona getestet werden, mag auch daran liegen, dass bei Kindern jetzt viel mehr getestet wird, als das vorher getan wurde. Das ist ein Faktor." Aber man könne es sich leider nicht so einfach machen, dass man sagt: Das ist nur die Testerei. Denn: "Wenn man mehr testet, sind jetzt auch mehr Infizierte bei Kindern und Jugendlichen dabei", so Specht. Nur gilt da auch: "Da hat man wegen der vielen Tests jetzt eher die richtigen Zahlen."

Mehr Schutz - damit Schulen nach Ostern nicht wieder schließen müssen

Auch CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt äußerte sich zu der kritischen Zahl unter den jungen Menschen. Er sieht einen besseren Corona-Schutz als zwingend an, wenn die Schulen nicht nach Ostern bald wieder geschlossen werden sollen. "Fast 20.000 Neuinfektionen ist eindeutig zu viel. Ein dynamisch steigendes Inzidenzwachstum, das ist eindeutig zu schnell. Eine Virusvariante, die besonders in jüngeren Bevölkerungsgruppen aktiv ist, das ist eindeutig die falsche Entwicklung", sagte Dobrindt am Donnerstag im Bundestag mit Blick auf die vorherrschende britische Virusvariante.

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Inzidenz von 500: Blick auf die Zahlen in Österreich ist erschreckend

In Teilen Österreichs sei zu sehen, was auch in Deutschland drohe. Die Fünf- bis 40-Jährigen würden dort eine Inzidenz von 500 aufweisen. "Das Infektionsgeschehen wird aus der Schule, aus den jungen Menschen heraus getrieben", sagte Dobrindt. Deswegen gingen die entsprechenden Bundesländer dort in einen harten Lockdown mit einer digitalen Fortsetzung des Unterrichts nach Ostern.

Dobrindt sagte mit Blick auf Deutschland: "Nach Ostern brauchen wir auch entsprechende Konzepte in den Schulen, sie sind noch nicht ausreichend. Es geht um die fehlenden Luftfilter, es geht um die Tests, die noch nicht stattfinden. Wer die Schulen nicht schließen will, der muss sie auch besser schützen."

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Kinder und Corona-Infektionen

Eine Corona-Studie aus Rheinland-Pfalz von Anfang März behauptete noch: Kinder seien weniger ansteckend als Erwachsene. Nur wenige Tage später gab es dann die Meldungen, dass vor allem die britische Virusmutante B.1.1.7. schuld an vielen Neuansteckungen sei, laut Robert-Koch-Institut. Diese Variante sei auch für Kinder extrem ansteckend.

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Quelle: DPA, RTL.de