"Eklatanter Regelverstoß"

Im Islam verboten: Krankenhaus äschert muslimischen Patienten ein

Das Katharinen-Krankenhaus liegt im Frankfurter Stadtteil Bornheim. (Archivfoto)
Das Katharinen-Krankenhaus liegt im Frankfurter Stadtteil Bornheim. (Archivfoto)
© RTL, RTL Hessen, Fritz Demel

22. Januar 2022 - 0:48 Uhr

Ein Frankfurter Krankenhaus hat am Freitag die Einäscherung eines verstorbenen muslimischen Patienten bedauert. Zuvor hatte der SWR berichtet, dass ein Marokkaner dort ohne Verständigung seiner Angehörigen eingeäschert worden sei. Das marokkanische Generalkonsulat sieht darin einen "eklatanten Regelverstoß". Eine Einäscherung widerspricht den Bestattungsvorschriften des Islam.

Keine Informationen zur Glaubensrichtung oder Nationalität des Verstorbenen

"In unserem Haus ist der Umgang mit Verstorbenen unterschiedlicher Religionen klar geregelt", hieß es in einer Stellungnahme des "St. Katharinen-Krankenhauses". Im Falle eines muslimischen Verstorbenen würden islamische Seelsorger informiert, sofern keine Angehörigen ermittelt werden könnten, betonte die Frankfurter Klinik. "Voraussetzung ist aber, dass der Patient entsprechende Angaben macht", hieß es weiter.

Allerdings hätten in dem konkreten Fall keine Informationen zur Glaubensrichtung oder Nationalität des Verstorbenen vorgelegen. Es sei auch nicht möglich gewesen, Angehörige zu ermitteln, so die Klinik

Lebensbedrohlich erkrankter Mann lehnte Not-OP ab

Der 45 Jahre alte Patient sei am 20. Dezember ohne Papiere durch den Rettungsdienst eingeliefert worden, erklärte die Klinik. Er habe keine Angaben zur Nationalität, Konfession oder Angehörigen gemacht und ausdrücklich darauf hingewiesen, dass seine Eltern nicht von dem Krankenhausaufenthalt erfahren sollten. Der lebensbedrohlich erkrankte Mann habe eine dringend erforderliche Notfall-OP gegen ärztlichen Rat abgelehnt und sei am selben Tag entlassen worden, hieß es. Unmittelbar vor der Klinik sei der Mann zusammengebrochen und sofort wieder stationär aufgenommen worden. Am folgenden Tag sei er aber verstorben. Versuche, über die zuletzt bekannte Adresse des Mannes und über das Ordnungsamt Angehörige ausfindig zu machen, seien gescheitert.

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In solchen Fällen muss nach Angaben der Klinik das Krankenhaus die Bestattung innerhalb von 96 Stunden vornehmen lassen. "In der Regel wird für Verstorbene, zu denen keinerlei Informationen über Nationalität, religiöses Bekenntnis oder Angehörige vorliegen, die Feuerbestattung gewählt, da diese Kosten später auch von staatlichen Stellen übernommen werden. Ausdrücklich in Auftrag gegeben haben wir diese aber nicht", hieß es in der Erklärung des Krankenhauses.

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Turgut Yüksel: Einäscherung des Toten „nicht akzeptabel“

Turgut Yüksel, der integrationspolitische Sprecher der SPD im hessischen Landtag, kritisierte den Vorfall. "Es ist nicht akzeptabel, ohne Nachfrage, Nachforschung und Erlaubnis der Familienangehörigen die Einäscherung eines Toten anzuordnen", betonte er am Freitag. Der Fall müsse lückenlos aufgeklärt werden, um in Zukunft weitere Vergehen gegen die Totenfürsorge zu verhindern. "Es ist ein wichtiges Zeichen für das gemeinsame Zusammenleben, den zahlreichen Angehörigen muslimischer Minderheiten in Frankfurt zu zeigen, dass ihre Rechte bei der Totenfürsorge in Zukunft umfassend und überall geachtet werden", sagte Turgut Yüksel. (dpa/ csp)