„Ich werde nicht zusehen, wie mein Kind stirbt“

Fürs Klima im Hungerstreik - Das denken die Eltern über die gefährliche Aktion ihrer Kinder

Am Donnerstag war Tag 18 des Hungerstreiks der Klimaaktivisten.
Am Donnerstag war Tag 18 des Hungerstreiks der Klimaaktivisten.
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17. September 2021 - 12:39 Uhr

Berlin: Tag 18 im Hungercamp

Am Donnerstag ist Tag 18 des unbefristeten Hungerstreiks von sechs Jugendlichen angebrochen. Die Klimaaktivisten fordern eine Aussprache mit der Politik über den Klimawandel: Annalena Baerbock, Armin Laschet und Olaf Scholz sollen an einem Gespräch mit den Hungerstreikenden teilnehmen. Noch gibt es keine Zusage für den Termin am 23. September und so lange befinden sich die Jugendlichen weiter in Lebensgefahr. Sieben bis neun Kilo ihres Körpergewichts haben sie bereits verloren, ein Aktivist wurde bereits ins Krankenhaus eingeliefert.

Doch was halten Eltern von dem extremen Verhalten ihrer Kinder: Können sie einfach so zusehen. wie ihre Kinder regelrecht verhungern?

Aktivist in Krankenhaus eingeliefert

"KLIMA RETTEN", "Wir streiken, bis ihr handelt!", "Hungerstreik für Klimagerechtigkeit" – prangt es auf bunten Plakaten im Camp der Klimaaktivisten im Berliner Regierungsviertel. In improvisierten Zelten schlafen die Aktivistinnen und Aktivisten schon seit über zwei Wochen. Auch Rettungssanitäter sind vor Ort. An Tag 16 war es bereits einmal kritisch geworden: Ein Aktivist wurde ohnmächtig in die Berliner Charité eingeliefert.

Der 27-jährige Jacob Heinze ist mittlerweile wieder im Camp, er hat das Krankenhaus verlassen –gegen ärztlichen Rat. "Ich tue das, denn, wenn ich das jetzt nicht tue, um klar zu machen, es geht um Leben und Tod, dann wird sich nichts ändern."

Eltern sorgen sich um ihre Kinder

Den körperlichen Verfall und die akute Lebensgefahr müssen auch die Eltern der Hungerstreikenden mit ansehen. Alle Eltern würden hinter dem Streik ihrer Kinder stehen, heißt es aus dem Camp.

Trotzdem: Der Abschied war schwer und die Sorgen der Eltern bleiben groß. Jacob Heinze kämpft mit den Tränen, als er im Interview vom Abschied von Zuhause erzählt: "Es war ein sehr harter Schritt für mich, mich von den Menschen zu verabschieden, weil eben eine Chance besteht, dass ich sie nicht wiedersehe." Aber auch seine Mutter wüsste, dass es notwendig ist, dass jetzt endlich gehandelt wird.

Ein Mutter berichtet in einem persönlichen Brief im Klimacamp: "Meinen Sohn weinen zu sehen und seine Verzweiflung und Wut zu erleben, ist kaum auszuhalten. [...] Und wenn sie scheitern mit diesem Streik, was kommt dann?", fragt sie sich voller Sorge.

In der "Ostsee-Zeitung" erzählt ein Vater, er wolle eingreifen, wenn sich akute Lebensgefahr abzeichne: "Ich werde nicht zusehen, wie mein Kind stirbt", sagt er.

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Bisher keine Einigung mit der Politik

Auch die 19-Jährige Nina aus Dortmund erzählt, wie sehr Freunde und Familie besorgt sind. Sieben Kilo hat sie mittlerweile abgenommen, einfache Dinge wie Laufen oder Aufstehen fallen ihr von Tag zu Tag schwerer, erzählt sie im Interview mit RTL.

Sorgen soll sich ihre Familie aber nicht um sie, sondern eher "was jetzt in Zukunft noch auf uns zukommen wird und was wir in Zukunft hier erleben und was jetzt schon viele Millionen Menschen auf der Erde erleben. Die Folgen der Klimakrise."

Bis die Spitzenkandidaten der Parteien zu einem Gespräch bereit seien soll weiter gestreikt werden. Die vorerst gesetzte Deadline dafür ist nächsten Donnerstag, drei Tage vor der Bundestagwahl. Bisher waren die Kanzlerkandidaten nur zu privaten Einzelgesprächen nach der Wahl bereit. Dies lehnten die sechs Hungerstreikenden ab – man wolle sich nicht mit privaten Gesprächen "abspeisen" lassen – so lange wird weiter gestreikt. Auch über den nächsten Donnerstag hinaus. (khe)