Gedeihstörung der Hüfte

Mit der Spreizhose: Behandlung einer Hüftdysplasie beim Baby

Neben der Spreizhose kann auch Physiotherapie helfen, um die Fehlstellung der Hüfte zu behandeln.
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28. Juli 2020 - 14:28 Uhr

Hüftdysplasie: Etwa 3 Prozent aller Babys sind betroffen

Die Spreizhose wird bei Babys eingesetzt, die an Hüftdysplasie leiden. Darunter versteht man eine Gedeihstörung, bei der die Hüftgelenke nicht ausreichend entwickelt sind. Die Hüftpfanne ist zu flach und kann dem Oberschenkelkopf nicht genügend Halt bieten. Dadurch drückt der Oberschenkelknochen auf die Hüftpfanne, was später zu Problemen führen kann. Gut drei Prozend der Babys kommen mit einer Hüftdysplasie zur Welt. Wodurch sie entsteht, ist noch nicht hinreichend geklärt, man weiß jedoch, dass Mädchen und Mehrlinge häufiger betroffen sind. Die Hüftdysplasie wird meist frühzeitig erkannt und kann mit Hilfsmitteln wie der Spreizhose gut behandelt werden.

Die Spreizhose: eine klassische Behandlungsmaßnahme

Die Behandlung der Hüftdysplasie bei Babys und Kleinkindern ist bis etwa zum 18. Monat möglich. Die Untersuchung der Hüfte mittels des Hüftscreenings gehört zum Vorsorgeplan für Babys und wird spätestens bei der U3 durchgeführt. Wird eine Gedeihstörung der Hüftpfanne diagnostiziert, kommt der sogenannte dritte Behandlungsabschnitt zum Einsatz, die Nachreifungstherapie. Ihrem Baby wird dann eine Orthese angepasst, wie die Spreizhose im Fachjargon genannt wird. Sie muss einige Wochen lang getragen werden. Bei schwereren Befunden, wie der Hüftluxation, finden auch andere Behandlungsmethoden Anwendung.

Maßnahmen bei einer leichten Hüft-Gedeihstörung

Bei einer geringen Hüftdysplasie, die frühzeitig erkannt wird, kann das "breite Wickeln" ausreichend sein. Dazu wird entweder eine zweite Windel über der eigentlichen Windel getragen oder eine Spreizung der Beinchen mithilfe eines gefalteten Handtuchs erzielt. Das Handtuch wird dann über der Windel, zwischen Body und Strampler, getragen.

Bei schwereren Fällen kommt die Spreizhose zum Einsatz, die es in unterschiedlichen Ausführungen gibt. Die "Idealspreizhose" fixiert die Beinchen fester als das "breite Wickeln", sitzt aber weniger fest als andere Spreizhosen. Eltern sollten wissen, dass die Behandlung einer Hüftdysplasie deutlich weniger aufwendig ist, je früher sie erkannt wird.

Handling und Nutzen der Spreizhose

Durch die Spreizhose werden Oberschenkel und Hüftpfanne in eine Beuge-Spreizstellung gebracht. Die Beuge-Spreizstellung bewirkt, dass der Druck des Oberschenkelkopfes auf das Hüft-Pfannendach nachlässt. Das Pfannendach wird entlastet und kann sich so dem Alter entsprechend entwickeln. Spreizhosen werden über der Kleidung des Babys getragen.

Außer beim Wickeln und Baden sollte das Baby die Spreizhose stets tragen, damit es sich schnell daran gewöhnt und eine erfolgreiche Behandlung gewährleistet wird. Die Hüfte reift beim konsequenten Tragen der Spreizhose gewöhnlich problemlos und schnell nach.

Die Spreizhose gibt es in verschiedenen Modellen

Bei schwereren Formen der Hüftdysplasie müssen Becken und Hüfte in der Beuge-Spreizstellung fixiert werden. Die heute gängigste Form der Orthese ist die sogenannte "Aktiv-Spreizhose". Sie ist aus Kunststoff und besitzt einen konischen Schnitt. Das Baby kann sich darin sehr gut bewegen. Je höher es die Beine hebt, desto weniger eingeschränkt ist es. Diese Bewegungsreize fördern die Reifung der Hüfte.

Ein unbeliebteres Modell ist die "Becker-Spreizhose". Die Spreizung der Beine wird hier durch gepolsterte Holz- oder Metallleisten erzielt. Das Baby schwitzt weniger als bei der "Aktiv-Spreizhose", Kritiker bemängeln jedoch, dass die Beine konsequent in der Froschstellung gehalten werden, was zu Störungen am Oberschenkelknochenkopf führen könne. Über das richtige Modell für ihr Baby informiert Sie der behandelnde Kinderarzt.