Schutzschild für KlinikpersonalKlinikum Dortmund testet Bodycams in der Notaufnahme – erste Bilanz fällt positiv aus

von Niklas Bönsch

Das Klinikum Dortmund setzt als erstes Krankenhaus in Deutschland auf Bodycams in der Notaufnahme. Seit vier Wochen können Mitarbeiter die Kameras freiwillig tragen und einschalten, wenn sich Konflikte zuspitzen – zur Deeskalation und falls nötig als Beweismittel.

Alltag mit Beleidigungen und Gewalt

Der Auslöser für das Projekt ist eine Entwicklung, die viele Kliniken kennen: Die Zahl der Übergriffe auf Pflegekräfte und Ärzte steigt. Gebissen, geschlagen, getreten und beleidigt zu werden, gehört für Beschäftigte in Notaufnahmen inzwischen viel zu oft zum Alltag. Wie brutal es werden kann, zeigte ein Fall aus September 2024. Dabei verwüsteten vorbestrafte Clan-Kriminelle nach dem Tod eines Angehörigen Teile der Klinik und griffen Mitarbeiter an. Sieben von ihnen wurden teils schwer verletzt. Christian Eggers, pflegerischer Leiter der Zentralen Notaufnahme, berichtet, wie häufig er grundlos beschimpft werde: Er sei schon oft als Rassist bezeichnet worden: Nur weil er Menschen abweisen musste, obwohl es dabei nicht um deren Sprache, sondern um fehlende Kapazitäten oder den falschen Klinikstandort gegangen sei.

Wie die Bodycams eingesetzt werden

Seit rund einem Monat stehen die Kameras in den Notaufnahmen des Klinikums Dortmund zur Verfügung. Mitarbeiter können sie am Kittel tragen und einschalten, sobald sich eine Situation erkennbar hochschaukelt. Ziel ist zunächst, durch die sichtbare Kamera und die Ankündigung der Aufnahme aggressives Verhalten zu bremsen. Während medizinischer Behandlungen oder vertraulicher Gespräche bleiben die Geräte ausgeschaltet, betont die Klinikleitung. Aufnahmen werden nur dann ausgewertet, wenn ein Vorfall gemeldet wurde; ansonsten werden die Daten nach sieben Tagen automatisch gelöscht.

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  Zwischen Zustimmung und Sorge um Intimsphäre

Die Reaktionen auf das Projekt fallen gemischt aus. Viele potenzielle Patienten bewerten die Bodycams positiv und sehen darin eine sinnvolle Möglichkeit, das Personal zu schützen. Eine Krankenschwester aus Köln, die die Idee unterstützt, verweist darauf, selbst häufig bedroht zu werden und findet den Einsatz „fantastisch“. Andere äußern Unbehagen: Sie empfinden es als erschreckend, im sensiblen Klinikbereich möglicherweise gefilmt zu werden und sorgen sich um ihre Intimsphäre. Kritiker warnen zudem, dass Kameras eine ohnehin angespannte Situation weiter anheizen könnten. Genau das, was eigentlich verhindert werden soll.

Jurist: Eigensicherung kann Vorrang haben

Rechtlich bewegt sich das Projekt nach Einschätzung von Juristen auf sicherem Boden. Rechtsanwalt Arndt Kempgens aus Gelsenkirchen hält das Filmen auch dann für zulässig, wenn einzelne Personen eigentlich nicht aufgenommen werden möchten. Entwickle sich eine brenzlige Lage, überwiege das Interesse an Eigensicherung und Beweisdokumentation, so Kempgens. In diesen Momenten gehe der Schutz von Mitarbeitern und anderen Patienten vor. Das Klinikum hatte das Vorhaben im Vorfeld prüfen lassen und mit dem Betriebsrat abgestimmt. Die Bodycams sind Teil eines größeren Sicherheitspakets, zu dem auch Sicherheitsdienst, Deeskalationstrainings und Notrufknöpfe gehören.

Erste Bilanz – Test läuft bis Ende Mai

Nach vier Wochen hat das Klinikum Dortmund eine erste Zwischenbilanz gezogen. Demnach haben die Bodycams bereits in mehreren Fällen geholfen: Oft reichte schon die Ankündigung, die Kamera einzuschalten, um eine Situation zu beruhigen. Einige Male wurde auch tatsächlich gefilmt, um Vorfälle zu dokumentieren. Die Testphase ist auf insgesamt drei Monate angelegt und läuft noch bis Ende Mai. Danach will die Klinik entscheiden, ob die Kameras dauerhaft in den Notaufnahmen bleiben und ob ein Einsatz auch in weiteren Bereichen des Hauses sinnvoll sein könnte.