Gesundheitsexperte Karl Lauterbach erklärt

Trotz Impfungen steigt die Inzidenz stark an - wie kann das sein?

Hohe Inzidenzen trotz vieler Impfungen – wie passt das zusammen?
Hohe Inzidenzen trotz vieler Impfungen – wie passt das zusammen?
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25. Juli 2021 - 9:26 Uhr

Hohe Inzidenzen trotz vieler Impfungen – wie passt das zusammen?

Die Impfpriorisierung ist längst aufgehoben, die Zahl der verspritzten Dosen steigt. Inzwischen sind 40,3 Millionen Menschen (48,5 Prozent) in Deutschland vollständig geimpft. 50,4 Millionen Personen (60,6  Prozent) haben mindestens eine Impfdosis erhalten (Stand 22.7.). Gleichzeitig schießt aber auch die Zahl der Neuinfektionen in die Höhe. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz liegt bei 13,2 (Stand 23.7.), vielerorts sollen die Coronamaßnahmen wieder verschärft werden. Hohe Inzidenzen trotz vieler Impfungen – wie passt das zusammen?

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Karl Lauterbach: "Delta-Variante so ansteckend, dass es von den Nicht-Geimpften fast alle treffen wird"

"Das kann man sehr einfach erklären", sagt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. "Zum einen, ein Teil derjenigen, die bereits geimpft sind, erkrankt trotzdem. Das sind die sogenannten Durchbruchsinfektionen. Das wird noch zunehmen, je länger die Impfung zurückliegt. Zum zweiten werden die Nicht-Geimpften, wenn es lange genug dauert, alle erkranken. Weil die Delta-Variante ist so ansteckend, dass man davon ausgehen muss, dass es von den Nicht-Geimpften fast alle treffen wird."

Und das sei das Problem. "Es gibt prozentual nicht so viele Nicht-Geimpfte. Aber selbst wenn wir eine Herdenimmunität nicht erzielen, aber 85 Prozent wären geimpft, sind 15 Prozent der Bevölkerung nicht geimpft. Das sind 10 Millionen Menschen. Das ist eine sehr große Zahl von Menschen, die sich dann infizieren werden – mehr als sich insgesamt in Deutschland bisher mit Covid infiziert haben", so Lauterbach weiter.

Aber ist der Inzidenzwert überhaupt noch aussagekräftig?

"Die Inzidenz ist nicht mehr so zeitgemäß, wenn man darauf schaut, wie viele Menschen sterben werden", so Lauterbach. "Das würde später wieder eine Rolle spielen, wenn es zu mehr Durchbruchinfektionen kommt, weil diese treffen auf Ältere, die daran sterben können. Jetzt ist die Inzidenz aber deshalb interessant, weil sie ein gutes Maß dafür ist, sich ein Bild davon zu machen, wie viele Menschen mit Long-Covid gefährdet sind. Die Long-Covid-Erkrankten fallen dann doch deutlich länger aus als der ein oder andere sich das vorstellen kann." (sli)

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