Völlig überlastet!

Berliner Kita sendet Hilferuf: Erzieher am Ende ihrer Kräfte

Die Erzieherinnen seien am Limit ihrer Kräfte und Kapazitäten.
Die Erzieherinnen seien am Limit ihrer Kräfte und Kapazitäten.
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24. April 2021 - 9:45 Uhr

Belastungen seien zu stark

"Wir sind am Limit!" Das ist die Botschaft der Kita KiKu Kinderland aus Berlin Mahlsdorf an Familienministerin Franziska Giffey und die Berliner Bildungssenatorin Sandra Scheeres. Denn die Erzieher dort haben Angst, durch die Belastung krank zu werden oder auszubrennen. Schuld sind schwammige, widersprüchliche und realitätsferne Vorgaben aus der Politik.

„Man kann nicht mehr von einer Notbetreuung sprechen"

In der Berliner Kita gilt Notbetreuung. Das heißt, sein Kind abgeben darf nur, wer selber in einem systemrelevanten Beruf arbeitet oder im Rahmen von Sonderregelungen einen besonderen Betreuungsbedarf hat. Das klingt in der Theorie sinnvoll, hilft in der Praxis aber nicht. Im KiKu Kinderland-Mahlsdorf sind von 70 Kindern gerade mal 5 NICHT anspruchsberechtigt. Heißt, die Kita befindet sich mit 92,9% fast in der Vollauslastung – mitten in der Pandemie. "Die Liste der systemrelevanten und anspruchsberechtigten Eltern wird immer mehr erweitert und damit kann man nicht mehr von einer Notbetreuung sprechen. Der Schutz der Erzieher und ihrer eigenen Familien bleibt hier einfach auf der Strecke", beklagt Jenny Sonnenstädt, Einrichtungsleiterin der Kinderzentren Kunterbunt in Berlin. Und damit ist sie nicht die erste Erzieherin, die in der Pandemie Alarm geschlagen hat.

Impfungen laufen schleppend

"Alle Mitarbeiter setzen täglich ihre Gesundheit und die der Familienmitglieder aufs Spiel", heißt es in dem Brief. Denn um trotzdem Vorgaben einzuhalten, wie stabile gleichbleibende Gruppen mit festem Personal, müssen selbst Mitarbeiter aus Risikogruppen in vollbelegten Gruppen durcharbeiten. Zwar hätten inzwischen alle eine Einladung zur Impfung erhalten, allerdings müssen sie noch wochenlang auf ihre Termine warten. "Auch wenn sich schon ein Großteil des Teams die erste Impfung abholen konnte, so arbeiten wir mit ungeimpften Kindern, die von ungeimpften Eltern gebracht werden. Außerdem gibt es keinen hundertprozentigen Schutz bei der Impfung, weshalb man auch bei zwei Impfungen keinen vollen Impfschutz hat", so Sonnenstädt.

„Man vergisst uns schlichtweg"

Hygienemaßnahmen einzuhalten sei unmöglich! Weder hat jede Gruppe ein eigenes Bad zur Verfügung, noch reichen die Kapazitäten, um Kinder zu unterschiedlichen Zeiten zu wickeln. "Das hat zur Folge, dass improvisierte Wickelkommoden in den Gruppenräumen eingerichtet werden, die jeglichem Arbeitsschutz für die Mitarbeiter widersprechen und auf dem zweijährige Kinder kaum noch Platz finden", heißt es in dem Brief.

So gern die Erzieher alle Hygienemaßnahmen einhalten würden, allein schon um sich selbst zu schützen: In der Praxis sei das einfach nicht möglich. Von der Politik wünschen sich die Erzieherinnen, endlich gehört zu werden: "Wir wünschen uns, dass die Regierung endlich einmal einen Blick auf die aktuellen Zustände in den Kitas wirft. Immer wieder wird in den Nachrichten von den Schulen berichtet, doch wir werden viel zu oft vergessen. Gerade bei uns können eben keine Mindestabstände eingehalten werden. Hier bestehen noch mehr Kontakte, da die Kinder nicht allein kommen können. In der neuen Beschlussvorlage wird davon gesprochen, dass Schulen nun schon bei einem Wert von 165 wieder schließen sollen. Über Kitas wird erneut kein einziges Wort verloren. Man vergisst uns schlichtweg", appelliert die Einrichtungsleiterin.

Im Video: Erzieherin schlug schon im Dezember 2020 Alarm

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