Auch für Singles und lesbische Paare

Frankreich: Künstliche Befruchtung bald für alle Frauen möglich

Frankreich erlaubt die künstliche Befruchtung nun auch Singles und lesbischen Paaren.
Frankreich erlaubt die künstliche Befruchtung nun auch Singles und lesbischen Paaren.
© iStockphoto, ugurhan

30. Juni 2021 - 15:55 Uhr

Neues Bioethik-Gesetz in Frankreich

Gute Nachrichten für lesbische Paare und unverheiratete Frauen mit Kinderwunsch: Auch sie dürfen sich zukünftig in Frankreich künstlich befruchten lassen. Dafür hat sich der französische Senat am Dienstagabend (29. Juni) ausgesprochen. Der von der Opposition dominierte Senat stimmte einem entsprechenden Artikel zu, der Teil eines neuen Bioethik-Gesetzes ist. 160 Senatoren des Oberhauses des französischen Parlaments sprachen sich dafür aus, 116 dagegen.

Neuer Beschluss mit großem Haken

Bisher war die künstliche Befruchtung mit Hilfe von Spendersamen in Frankreich nur heterosexuellen Paaren erlaubt, die keine Kinder zeugen können. Nun ist sie allen Frauen erlaubt, unabhängig von ihrer Sexualität oder ihrem Familienstand.

Der neue Beschluss hat jedoch einen großen Haken: Denn der Senat will – anders als vorgesehen – die Rückerstattung der Kosten durch die Sozialversicherung auf Fälle beschränken, in denen eine medizinische Notwendigkeit besteht. Und das würde lesbische Paare und alleinstehende Frauen von der Kostenerstattung größtenteils ausschließen.

Gegenwind von katholischen Verbänden und rechten Politikern

Die Reform war ein großes Versprechen von Präsident Emmanuel Macron. Gegen sie gibt es viel Kritik von katholischen Verbänden und Politikern aus dem rechten Spektrum. Am Wochenende hatte es eine Großdemonstration der Gegner in Paris gegeben.

Am 4. Februar will der Senat nun über den gesamten Gesetzestext abstimmen, danach geht er wieder zurück in die Nationalversammlung. Diese hatte ihn bereits im vergangenen Herbst gebilligt.

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Künstliche Befruchtung: Das ist in Deutschland erlaubt

In Deutschland sieht es ähnlich aus wie nun in Frankreich: Auch hier dürfen sich sowohl Singles als auch gleichgeschlechtliche Paare mit Hilfe einer Samenspende den Kinderwunsch erfüllen. Bezahlt wird dieses teure Unterfangen von den Krankenkassen jedoch nur für heterosexuelle Paare. "Eine Kostenerstattung kommt allenfalls in Betracht, wenn die Frau empfängnisunfähig ist", heißt es auf der Webseite des Lesben- und Schwulenverbandes in Deutschland (LSVD). Hinzu komme, erklärt der LSVD weiterhin, dass einige Samenbanken und Reproduktionsmediziner die Behandlung von Frauenpaaren ablehnen, weil diese sich vor möglichen Unterhaltsansprüchen oder Schadensersatzforderungen fürchten.

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Im Video: Gleichgeschlechtliche Eltern kämpfen um Anerkennung

Auch bei den frisch gebackenen Mamis Lydia und Dehlia aus Hannover trübt die Gesetzeslage in Deutschland das Babyglück. Denn nur eine der beiden Frauen darf die rechtliche Mutter sein. Die andere muss ihr eigenes Kind adoptieren. Ihre Geschichte ist kein Einzelfall – ein anderes Paar kämpft sogar vor Gericht gegen diese Form der Diskriminierung und für eine Reform des Abstammungsrechts. Wie Lydia und Dehlia mit ihrer schwierigen Situation umgehen, sehen Sie im Video. (dpa, dhe)