Wohnsiedlungen statt Natur

Naturschützer warnt: Hier könnte bald die nächste Hochwasser-Gefahr drohen!

23. August 2021 - 13:09 Uhr

Täglich wird in Hessen eine Fläche von vier Fußballfeldern versiegelt

In Hessen wird fleißig gebaut: Das klingt zunächst einmal nach einer sinnvollen Maßnahme gegen den vorherrschenden Wohnungsmangel, doch Naturschützer warnen: Die fortschreitende Versiegelung von Flächen – täglich im Schnitt etwa die Größe von 2,6 Hektar – birgt große Gefahren: Regen kann durch Asphalt und Beton nicht mehr versickern und es könnten auch hier Überschwemmungen drohen. Angesichts des katastrophalen Ausmaßes in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Bayern Mitte Juli ist es umso wichtiger, die Lage vor Neubauten zu prüfen. Welches Gebiet in Hessen betroffen ist und wie man die Situation entschärfen könnte – sehen Sie im Video.

Projekt Lachgraben-Quartier: Leben hier bald 40.000 Menschen?

Noch plätschert der Steinbach nordwestlich von Frankfurt friedlich vor sich hin. Doch genau das kann sich bald ändern, befürchtet Rüdiger Hansen vom Bund Umwelt & Naturschutz Denn hier am Steinbach soll das Projekt Lachgrabenquartier mit Wohnungen für 40.000 Menschen entstehen. Heißt: Natürlicher Boden wird mit Asphalt und Beton versiegelt – Starkregen kann nicht mehr im Boden versickern - er fließt in die zunehmend belastete Kanalisation oder sucht sich anderswo einen Weg. Und die Bilder von solchen unbändigen Wegen des Regenwassers kennen wir leider aus der jüngsten Vergangenheit.

"Frankfurtbaut" - Die Stadt informiert in den Sozialen Medien über den Fortschritt ihrer Bauvorhaben. Auch in der Innenstadt gibt es Projekte, die auch schon umgesetzt werden. "Die Post-Corona-Innenstadt wird anders sein" schreiben die Verantwortlichen auf der Website des Planungs­dezernates der Stadt Frankfurt am Main. Corona habe viele Entwicklungsprozesse in der Innenstadt beschleunigt, verstärkt und verändert.

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Alternative Bebauung als vorbeugende Maßnahme

In der Öko-Neubausiedlung in Friedrichsdorf setzen Planer auf Grünflächen am Boden und Bepflanzung auf Hausdächern.
In der Öko-Neubausiedlung in Friedrichsdorf setzen Planer auf Grünflächen am Boden und Bepflanzung auf Hausdächern.
© RTL

Das Dilemma: Wohnraum wird dringend benötigt, doch die Natur leidet – und die Neubauten könnten durch fehlende Versickerung des Regenwassers ebenso leiden. Die Lösung: Alternative Bebauung – so wie in der Öko-Neubausiedlung Friedrichsdorf zum Beispiel. Hier wachsen Pflanzen auf den Dächern der Häuser – und ein Großteil des Regens kann hier versichern und wieder verdunsten. So kommt es gar nicht erst in den gefährlichen Kreislauf auf die versiegelten Böden und die angrenzenden Bäche. Auch das Bauen in die Höhe statt auf breiter Fläche ist eine weitere vorbeugende Maßnahme.
Ob diese Maßnahmen auch für das Projekt Lachgraben-Quartier infrage kommen, ist noch offen. Die Stadt Frankfurt führt derzeit Voruntersuchungen durch. (gmö)