10 Thesen zur Formel-1-Saison

Hamilton hört mit der "8" auf, Seb lacht wieder, bei Mick und Haas rappelt's in der Kiste

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25. März 2021 - 8:20 Uhr

Von Emmanuel Schneider und Martin Armbruster

Am Sonntag gehen endlich wieder die Lichter aus, die Formel 1 startet mit dem Großen Preis von Bahrain (ab 16.50 Uhr live im RTL-Ticker) in die Saison. Vieles spricht dafür, dass in der Motorsport-Königsklasse 2021 ordentlich die Post abgeht. Wir schauen in die Kristallkugel und feuern zehn Thesen zur Saison ab.

1. Red Bull ärgert Mercedes (diesmal wirklich), aber es reicht nicht

Die Frage, die sich nach den Testfahrten in der Wüste von Bahrain unweigerlich stellt: Ist Red Bull näher an das Überteam Mercedes herangerückt? Fakt ist: Der Rennstall von Weltmeister Lewis Hamilton tat sich im Wüsten-Wind von Bahrain schwer, klagte über ein unruhiges Heck und legte Dreher hin – kurzum: Es lief (noch) nicht.

Bei den "Roten Bullen" jaulte unterdessen der Honda-Motor wie ein Leitwolf. Verstappen raste am dritten Testtag mit Bestzeit um den Kurs. Stand jetzt stapeln beide Teams tief. Die Ausgangslage für die Fans, die auf Spannung hoffen, ist allerdings gut: Bislang entpuppte sich Red Bull meist als Spätstarter, wurde im Laufe der Saison durch Updates und Arbeiten am Auto besser. In diesem Jahr wirkt der Abstand schon zu Beginn deutlich geringer, die Unterboden-Änderung macht Mercedes zu schaffen, wie Teamchef Toto Wolff im RTL-Interview einräumte.

Wenn es bei der alljährlichen Entwicklung bleibt, macht Red Bull den Schwarzpfeilen das Leben in diesem Jahr deutlich schwerer, vielleicht sogar bis zu den letzten Rennen. Dass sich Mercedes die Butter komplett vom Brot nehmen lässt, ist aber unwahrscheinlich. Dafür hat das Team zu oft bewiesen, dass es auch kurzfristig durch Anpassungen zurückschlagen kann. Schon zum Auftakt in Bahrain wird das Team wohl generalüberholt mit dem W12 wieder angreifen.

Video: Wolff erklärt Mercedes-Probleme

2. Obacht, Valtteri! Verstappen landet vor Bottas

Sollte Red Bull die Lücke zu Mercedes tatsächlich verringert haben, richten sich die Blicke auf das heißeste Eisen im Formel-1-Feuer. Max Verstappen presst schon seit Jahren mehr aus dem Red-Bull-Boliden als all seine Teamkollegen. Der Holland-Heißsporn hat sich längst zu einem routinierten Spitzenfahrer entwickelt. Wenn er also mit annähernd gleichen Waffen kämpft wie Mercedes, sollten bei den Silbernen die Alarmsirenen heulen.

Während Lewis Hamilton mit seiner Weltklasse und Erfahrung wohl nicht zu knacken ist, wird die Nummer zwei von Mercedes dran glauben müssen. Verstappen macht deutlich weniger Fehler als Valtteri Bottas und ist schneller. Wenn sich die Chance bietet, wird der Niederländer sie nutzen.

3. Britischer Klassiker im Kampf um Platz 3

Im Mittelfeld hinter Red Bull und Mercedes läuft alles auf ein hartes, britisches Duell hinaus. Momentan scheint McLaren die Nase vorne zu haben. Das Team aus Woking besticht mit hervorragender Frühform - und das, obwohl der Rennstall über den Winter eine neue Power Unit (Mercedes) in den MCL35M einbauen musste und Zugang Daniel Ricciardo noch Eingewöhnungszeit braucht. Bei den Testfahrten glänzte das Team in Papaya-Orange auf Anhieb, hatte kaum Probleme, wie Andreas Seidl im RTL/ntv-Interview bestätigte.

Weniger gut lief es bei den F1-Comebackern von Aston Martin, die sich mit vielen technischen Problemen an Hydraulik und Ladedruck herumplagten. Dennoch sollten alle das Team auf der Rechnung haben. Team-Mitbesitzer Lawrence Stroll und Teamchef Otmar Szafnauer bringen Geld, Know-how und Erfahrung mit, zudem fährt Aston Martin wie McLaren mit dem Weltmeister-Antrieb von Mercedes im Heck. Und wenn bei Vettel der "Spaß am Fahren" zurückkommt, wie es Szafnauer beschrieb, dann schimmert der F1-Horizont hoffnungsvoll grün. Es sei denn, Aston Martin erlebt sein blaues Wunder in Form von Alpine. Auch das Werksteam ist gut drauf und hat mit Alonso ebenfalls einen früheren Champion in seinen Reihen. Möglich, dass die Franzosen den Briten in die Suppe spucken.

4. Wir sehen den alten Seb wieder

"Er lacht wieder", stellte jüngst Ex-Formel-1-Pilot Timo Glock mit Blick auf seinen hessischen Landsmann Sebastian Vettel fest. Und genau das ist die Hoffnung aller Vettel-Fans. Das zurückliegende Jahr bei Ferrari, das sowohl sportlich als auch zwischenmenschlich einen Karrieretiefpunkt markierte, setzte dem 33-Jährigen sichtlich zu.

Vettel hechelte völlig unterlegen hinterher, dementsprechend lustlos wirkte er zu Ende der Scuderia-Zeit. Aston Martin wird hingegen nicht müde zu betonen, dass man ein Umfeld kreieren will, um Vettel wieder richtig Lust aufs Rennfahren zu machen. Und im Gegensatz zu Charles Leclerc sind von Besitzersohn und Stallrivale Lance Stroll weniger Spielereien auf und neben dem Asphalt zu erwarten.

Vettel wird ein paar Rennen brauchen, um sich mit dem neuen Auto vertraut zu machen. Nach der Test-Flaute fehlen wichtige Kilometer, in diesem Jahr standen jedem Piloten nur eineinhalb Tage zur Verfügung. Sobald es aber "Klick" macht, die Atmosphäre stimmt, und momentan spricht alles dafür, können wir uns auf den alten, gut gelaunten Seb freuen, der auch ab und an aufs Podium rast. Das bewies er schon nach seinem Wechsel 2015 von Red Bull zu Ferrari, als er im neuen Gewand rasch aufblühte.

Video: Das erwartet Vettel von Aston Martin

5. Sprintrennen bringen mehr Action

Offiziell bestätigt ist es noch nicht, aber die Formel 1 wird wohl an gleich drei GP-Wochenenden (Silverstone, Monza, Sao Paulo) sogenannte Sprint- respektive Qualirennen ausprobieren. Das bedeutet: Am Freitag gibt es das eigentliche Qualifying, am Samstag dann ein Rennen über 100 Kilometer, das über die Startaufstellung am Sonntag entscheidet.

Dass die F1 neue Wege geht ist gut, bringt Abwechslung und verspricht schon am Samstag mehr Rennaction. Die Idee des "Reverse Grid", also der Start in umgekehrter Reihenfolge in Bezug auf den WM-Stand, ist vom Tisch. Eine künstliche Verschiebung, die einige Teams befürchteten, ist somit nicht zu befürchten.

Die ersten drei des Quali-Rennens sollen sogar WM-Punkte bekommen, ein langweiliges Tuckern und Cruisen um den Kurs ist also nicht möglich. Überholmanöver, Taktik, Rennaction – ein Teaser auf das große Feuerwerk am Sonntag.

6. Bei Titel Nummer 8 ist Schluss

HAMILTON Lewis Team Mercedes AMG FIA Formel 1 Testfahrten 2021 in Bahrain 1.Tag Am 12.03.2021 Bahrain International Circuit As-Sachir *** HAMILTON Lewis Team Mercedes AMG FIA Formula 1 Test 2021 in Bahrain 1 day On 12 03 2021 Bahrain International Ci
Mann mit einer Mission: Lewis Hamilton peilt 2021 seinen achten WM-Titel an.
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Dass Lewis Hamilton bei Mercedes nur noch einen Einjahresvertrag bekam, verwunderte viele Formel-1-Kenner. Zwar sollen Hamilton und Toto Wolff eine weitere Zusammenarbeit per Handschlag schon beschlossen haben. Am Ende zählt aber immer noch die Tinte auf dem Papier. Und da kann man Hamiltons kurze Vertragsdauer auch anders interpretieren. Der 36-Jährige will diese Saison bewusst noch einmal alles geben, um sich Ende des Jahres als acht- und einmaliger Rekord-Champion aus der F1 zu verabschieden.

Es wäre ein filmreifer Abgang – auf dem absoluten Höhepunkt. Dafür spricht, dass Hamilton mittlerweile auf sehr vielen Gebieten abseits des Rennsports aktiv ist. Die Sport-Ikone hat sich vor allem dem Kampf gegen Rassismus verschrieben. Als achtmaliger Weltmeister könnte er diesen 2022 mit noch mehr Kraft führen – und sich dabei ein Hintertürchen für ein späteres Comeback immer offenhalten.

7. Bei Haas rappelt's in der Kiste

Zwei hungrige Rookies im Team – Haas-Teamchef Günther Steiner weiß, auf was er sich mit der Fahrerpaarung Mick Schumacher/Nikita Mazepin eingelassen hat. Die beiden Greenhorns müssen sich in der Königsklasse beweisen. Erster und wichtigster Gegner ist dabei nun einmal der Stallkollege. Schumacher und Mazepin werden es sich 2021 im unterlegenen Boliden des US-Teams so richtig geben – kompromisslose Rad-an-Rad-Duelle und Crashs inklusive.

Der besonnenere und reifere Schumacher wird dabei auf Dauer die bessere Figur abgeben, als der russische Heißsporn Mazepin.

Video: Steiner verspricht Chancengleichheit für Schumi jr.

8. Williams gibt endlich die Rote Laterne ab

F1-Traditionalisten werden dieses Jahr beim Blick aufs Tableau aufatmen. Denn: Das legendäre Williams-Team – neunmaliger Konstrukteurs-Weltmeister – wird nach einigen Abo-Jahren auf die letzten Plätze die Rote Laterne an Haas abgeben.

Mit dem neuen CEO Jost Capito und den Investoren ist Schwung in den ehrwürdigen Rennstall gekommen. Bei den Tests in Bahrain machte Williams einen stabilen Eindruck. 2021 wird Supertalent George Russell sogar das ein oder andere Pünktchen für die Briten einfahren.

Video: Williams-CEO Capito sieht in Russell künftigen Weltmeister

9. Ferrari besser, aber weiterhin nur im Mittelfeld

Dass Ferrari diese Saison besser abschneidet als im Vorjahr, ist zugegebenermaßen keine steile These. Die Roten haben beim Motor den erwarteten Sprung nach vorne gemacht, auch aerodynamisch macht der SF21 einen besseren Eindruck als das Vorgängermodell SF1000 a.k.a "Rote Gurke".

Aber: Ferraris Konkurrenz schläft auch nicht: McLaren und Aston Martin werden der Scuderia weiterhin die Rücklichter zeigen. Mehr als Platz 5 ist für Ferrari in der Team-WM nicht drin, zumal die Truppe aus Maranello schon viele Ressourcen in das Projekt 2022 steckt. Der Kampf gegen Alpine, AlphaTauri und womöglich gar den kleinen "Fratello" Alfa Romeo wird für Ferrari 2021 hart.

10. Ricciardo schlürft wieder Schampus aus seinem Müffel-Schuh

Daniel Ricciardo (hier nach Platz 3 beim Imola-Rennen 2020) schlürft bei Podest-Besuchen gerne Schampus aus seinem Rennschuh
Daniel Ricciardo (hier nach Platz 3 beim Imola-Rennen 2020) schlürft bei Podest-Besuchen gerne Schampus aus seinem Rennschuh
© Imago Sportfotodienst

Noch hat er so seine Mühe mit der Bremse des McLaren. Wenn aber einer weiß, wie man auf der letzten Rille bremst und Gegner spektakulär überholt, dann ist es Daniel Ricciardo. Der "Honigdachs" wird auch dieses Jahr wieder einige Male seinen "Shoey" auf dem Siegertreppchen zelebrieren.

Mit dem Mercedes-befeuerten McLaren hat Ricciardo das nötige Material, um wieder zu glänzen – und das wird er. Stallrivale Lando Norris dürfte den 31-Jährigen zwar ordentlich fordern. Dennoch zeigt Ricciardo dem aufstrebenden Engländer 2021 noch, wo der Aussie-Bartel den Most holt.

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