Mutmaßlicher Mörder war offenbar in Querdenken-Szene vernetzt

Familienmord in Königs Wusterhausen: "Vorstellungen des Mannes waren völlig verquer"

12. Dezember 2021 - 12:09 Uhr

Impf-Zertifikat der Ehefrau gefälscht

Nach und nach werden neue Details zu dem Mann bekannt, der in Königs Wusterhausen im Stadtteil Senzig seine Familie ermordet hat. Der Arbeitgeber von dessen Ehefrau wollte einem angeblich gefälschten Impfzertifikat der 40-Jährigen nachgehen. Aus dem vorgelegten Dokument ergaben sich Nachfragen, zu denen die Mitarbeiterin der Technischen Hochschule Wildau schriftlich um Stellungnahme gebeten wurde. Das teilte das Wissenschaftsministerium Brandenburg mit.

Familienvater hatte angeblich Angst davor, seine Kinder zu verlieren

ARCHIV - 05.12.2021, Brandenburg, Königs Wusterhausen: Das Einfamilienhaus in Senzig, einem Ortsteil der Stadt Königs Wusterhausen im Landkreis Dahme-Spreewald, ist abgesperrt. Die Polizei hat dort fünf Tote in einem Wohnhaus gefunden. Im Fall der fü
Das abgesperrte Einfamilienhaus in Senzig, einem Ortsteil der Stadt Königs Wusterhausen, in dem die Leichen gefunden wurden
© dpa, Fabian Sommer, som kno alf

Darin heißt es: "Die TH Wildau hat nach Einschätzung des MWFK alles richtig gemacht. Nach dem aktuellen Infektionsschutzgesetz des Bundes gilt seit dem 24. November 2021 eine 3G-Regelung am Arbeitsplatz. Die Einhaltung dieser Regelung müssen die Arbeitgeber sicherstellen. Das hat die TH Wildau in diesem Fall getan."

Laut einem Abschiedsbrief des mutmaßlichen Familienmörders - der laut Ermittlern als verantwortlich für die Tat gilt und danach Suizid beging - habe er das Impf-Zertifikat seiner Frau fälschen lassen. In dem Brief hatte der Mann angegeben, dass er Angst vor einer Verhaftung habe - und davor, dass man ihm die Kinder wegnehme.

Brief des mutmaßlichen Familienmörders deutet auf psychische Probleme hin

Fünf Tote in Wohnhaus in Königs Wusterhausen gefunden
Ein Kriminaltechniker bei der Tatortarbeit in einem Zimmer des Einfamilienhauses der Familie
© deutsche presse agentur

"Die Vorstellungen des Mannes waren völlig verquer", sagte Oberstaatsanwalt Gernot Bantleon hierzu. Der 40-Jährige war weder polizeilich bekannt, noch war die Familie beim Jugendamt aufgefallen. "Eine Haftstrafe bei einem Ersttäter, das ist völlig undenkbar. Ebenso die Wegnahme der Kinder." Es komme in dem Brief zum Ausdruck, dass der Mann vermutlich eher psychische Probleme gehabt haben müsse, da seine Vorstellungen mit den Tatsachen nichts mehr zu tun hätten, so Bantleon.

Unterdessen wurden auch über die Beschäftigung des mutmaßlichen Täters mit dem Thema Corona-Impfung weitere Details bekannt. Nach Berichten des Berliner "Tagesspiegel" und des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND) war der Mann beim Messengerdienst Telegram in Chatgruppen der Querdenken-Szene vernetzt. Auch die Deutsche Presse-Agentur konnte ihm die Mitgliedschaft und Nachrichten in mehreren Gruppen zuordnen, in denen Falschbehauptungen über die Corona-Impfung verbreitet wurden.

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Zeugen sahen Leichen und riefen Polizei

Die Polizei hatte die fünf Toten am Samstag in einem Einfamilienhaus im brandenburgischen Königs Wusterhausen südöstlich von Berlin gefunden. Zeugen hatten leblose Körper in dem Haus gesehen und die Polizei alarmiert. Nach dem Ergebnis der Obduktion sollen die Leichen vermutlich bereits seit der Nacht zum Donnerstag dort gelegen haben. Der Vater soll erst die drei Kinder im Alter von vier, acht und zehn Jahren sowie seine Frau und anschließend sich selbst mit einer Schusswaffe getötet haben. (dpa; uvo)

Hilfe bei Suizidgedanken

Haben Sie suizidale Gedanken oder haben Sie diese bei einem Angehörigen/Bekannten festgestellt? Hilfe bietet die Telefonseelsorge: Anonyme Beratung erhält man rund um die Uhr unter den kostenlosen Nummern 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222. Auch eine Beratung über das Internet ist möglich unter https://www.telefonseelsorge.de.