Auto im Fokus der Ermittlungen

Fall Madeleine McCann: Das sagt der Mitbewohner von Christian B. über den Maddie-Verdächtigen

05. Juni 2020 - 19:55 Uhr

Christian B. soll in Augsburg als Untermieter gelebt haben

Christian B. (43) soll die kleine Madeleine "Maddie" McCann im Jahr 2007 aus einer Ferienwohnung im portugiesischen Praia da Luz entführt und ermordet haben. Nun kommen immer mehr Details über den Verdächtigen ans Licht. RTL-Reporter haben mit Alexander Bischof gesprochen. Er hat B. vor Jahren über einen gemeinsamen Bekannten kennengelernt. Der Jaguar – mit dem B. in Portugal unterwegs gewesen sein soll – sei sogar auf ihn Zugelassen gewesen. Wie es dazu kam, erzählt er im Video.

„Das ist nach wie vor unvorstellbar“

Seit 13 Jahren wird die "Maddie" vermisst. Jetzt könnte der Fall kurz vor der Aufklärung stehen: Ermittler konzentrieren sich auf den 43-jährigen Deutschen Christian B., der laut dem Bundeskriminalamt (BKA) wegen Sexualstraftaten mehrfach vorbestraft ist. Er soll sich auch an Kindern vergangen haben. Momentan sitzt er im Knast – wegen Vergewaltigung einer 72-jährigen Amerikanerin. Dass er Maddie umgebracht hat, soll er einem Bekannten bereits 2017 in einer Bar gestanden haben.

"Das ist nach wie vor unvorstellbar", sagt Alexander Bischof aus Augsburg. Er hatte B. vor zwölf oder dreizehn Jahren durch einen gemeinsamen Bekannten kennengelernt. Er habe damals Hilfe gebraucht und sei auf der Suche nach einer Wohnung gewesen. Er fuhr einen Jaguar, den er von dem Bekannten gekauft haben soll. "Weil ich auch ein Jaguar-Liebhaber bin, hatten wir da gleich ein Gesprächsthema", so Bischof. Gemeinsam schraubten sie an ihren Wagen in der Garage, erzählt er. Irgendwann einmal habe er ihm angeboten, bei ihm und seiner Frau zu übernachten.

Christian B. soll eine Freundin in Portugal gehabt haben

B. sei oft unterwegs gewesen, "mal reiste er nach Portugal, mal nach Sylt, nach München", so Bischof. "Zwischendurch hat er bei mir auf dem Dachboden genächtigt", sagt er, "für zwei oder drei Wochen." Sonst habe er in seinem VW-Bus übernachtet. Meistens sei er nach Portugal gefahren, dort soll er eine Freundin gehabt haben. Ein Mal habe er sie sogar mit nach Augsburg genommen, so Bischof, "sie haben sich auf Englisch unterhalten". Er dachte, sie sei der Grund, warum er immer dorthin gefahren sei. 

"Irgendwann habe ich dann festgestellt, dass er in Sachen Drogen unterwegs ist", so Bischof. In Portugal sei er deswegen im Gefängnis gewesen, für etwa zwei oder drei Monate, schätzt er. In der Zeit habe Bischof seinen Jaguar auf sich umschreiben lassen. "Als er dann raus kam, war er auch dann schnell wieder hier, mehr wusste ich damals auch nicht", erzählt er. Später habe er den Wagen auf einen Bekannten in München umschreiben lassen. "Er hat immer überraschend schnell Entscheidungen getroffen", so der Augsburger. 

„Das hätte ich ihm niemals zugetraut“

Nach einiger Zeit habe Bischof von B. Abstand genommen. "Er nutzt meine Wohnräume und dann macht er da einen auf Drogen, das geht gar nicht, dachte ich mir", so Bischof. Nach einigen Jahren hätten dann Ermittler bei ihm vor der Tür gestanden. Die Polizei habe die Wohnräume durchsuchen wollen, in denen B. übernachtet hatte. Damals habe er erfahren, dass er so "einiges an der Backe hat." Wegen was, habe er nicht gewusst. Nur, dass es um ein "Kapitalverbrechen" ginge. Bei einer erneuten Vernehmung, hätten die Beamten auch nach dem Namen "Maddie" gefragt.

Als Bischof das erste Mal vom Mordverdacht gegen B. im Fall Maddie McCann gehört hat, sei er schockiert gewesen. "Das hätte ich ihm niemals zugetraut", sagt er. Dass er was mit Mädchen zutun hat, hätte er niemals für Möglich gehalten. Über so etwas habe B. nie ein Wort verloren. "Wir haben nie über kleine Kinder gesprochen, unsere Unterhaltungen gingen über Autos, Fußball und Portugal, Männersachen."

Doch Christian B. wurde bereits mehrfach wegen sexuellen Missbrauchs an Kindern verurteilt. Wie die "Volksstimme" berichtet, könnte Christian B. auch im Zusammenhang mit der seit 2015 verschwunden Inga G. aus Schönebeck stehen.

Fall Maddie McCann: BKA schaltet Hinweisportal

Ob der 43-Jährige neben seinem langen Vorstrafenregister wirklich auch die damals dreijährige Maddie McCann umgebracht hat, müssen jetzt die weiteren Ermittlungen des BKA zeigen. Die Behörde hat zur Zeugensuche eine eigene Seite inklusive Hinweisportal geschaltet, auf der sich mögliche Zeugen melden können.