„Es ist unbeschreiblich, was da eigentlich passiert ist“

Junger Syrer in Erfurter Straßenbahn verprügelt - 4 Jahre und 9 Monate Haft für Schläger (41)

26. Oktober 2021 - 19:18 Uhr

Erfurt (Thüringen): Mann muss nach Prügelattacke in den Knast

Mit Schlägen und Tritten gegen den Kopf hat ein 41-jähriger Mann einen damals 17 Jahre alten Syrer in einer Erfurter Straßenbahn verletzt. Dafür wurde der Schläger vom Landgericht Erfurt wegen gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und Sachbeschädigung zu vier Jahren und neun Monaten Haft verurteilt.

„Sie haben Pech gehabt, dass es eine junge Frau mit Zivilcourage gab“

"Es ist unbeschreiblich, was da eigentlich passiert ist", sagte der Richter nach der Urteilsverkündung am Dienstag vor Gericht. "Sie haben Pech gehabt, dass es eine junge Frau mit Zivilcourage gab", sagte er weiter zu dem Mann, der seit Donnerstag vor Gericht stand.

Ein Video, das über soziale Netzwerke bundesweit Aufsehen erregte, habe im Laufe des Prozesses eindeutig gezeigt, dass der Angriff in der Straßenbahn von besonderer Intensität und rassistisch motiviert gewesen sei.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Mann im April mit Schlägen und "gezielten Tritten gegen den Kopf" auf den jungen Mann eingewirkt hatte sowie ihn "menschenverachtend" beleidigte. Dass der 18-Jährige keine schwereren Verletzungen als ein Schädel-Hirn-Trauma und Prellungen erlitt, sei pures Glück gewesen - für beide. Das Ausmaß der psychischen Folgen sei aber immens.

Mann (41) entschuldigt sich für die Attacke

Der Mann hatte die Tat bereits zu Beginn des Prozesses gestanden und sich entschuldigt. Bis zum Ende bestritten er und sein Verteidiger jedoch, dass die Tat rassistisch motiviert gewesen sei.

Die "vermehrte Streitlust und Aggressionen" seien alleine auf den Mischkonsum von Alkohol und Kokain zurückzuführen. Zudem habe der junge Mann ihn provoziert.

Der Richter bezog die Entschuldigungen mit ein, sagte jedoch auch: "Wir als Vertreter der Justiz sind nicht bereit, solche Taten als Lappalien abzuhandeln." Eine Provokation von der Seite des jungen Mannes, habe es "ganz offensichtlich nicht gegeben". Er habe "wirklich gar nichts falsch gemacht".

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Schläger war zur Tatzeit auf Bewährung

Die Staatsanwaltschaft hatte fünf Jahre und drei Monate Haft gefordert. Während sich der Anwalt des Nebenklägers der Forderung der Staatsanwaltschaft anschloss, erklärte die Verteidigung das Strafmaß für überzogen und hielt ein Jahr Freiheitsstrafe und ein Schmerzensgeld von 3.000 Euro für die angemessene Strafe.

Das Strafmaß des 41-Jährigen stufte der Richter mit vier Jahren und neun Monaten höher ein: Zum einen sei der mittlerweile 41-Jährige, der zur Tatzeit auf Bewährung war, kein unbeschriebenes Blatt. Zum anderen gleich wegen mehrerer Taten schuldig. Er habe demnach auch die Prozesskosten zu tragen und ein Schmerzensgeld von 5.000 Euro zu zahlen.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft zeigte sich zufrieden mit dem Schuldspruch. Der Verteidiger kündigte kurz nach der Urteilsverkündung an, Revision einlegen zu wollen. (dpa/mor)