Heute ist Europäischer Depressionstag

Depressionen durch Corona: Experten erwarten Anstieg an psychischen Erkrankungen

Durch Corona steigt das Risiko, eine Depression zu entwickeln.
© Getty Images/iStockphoto, kitzcorner

04. Oktober 2020 - 11:08 Uhr

Mehr psychische Erkrankungen wie Depressionen erwartet

Die Corona-Pandemie bedeutet psychischen Stress: Angst vor der Ansteckung, aber auch Angst vor dauerhaftem Abstand und Einschränkungen im täglichen Leben. Und noch ist kein Ende der Pandemie in Sicht, die Bedrohung bleibt. Experten erwarten daher einen Anstieg an psychischen Erkrankungen wie Depressionen. Schon bei ersten Anzeichen für eine solche Erkrankung sollten auch Angehörige Wachsamkeit und Zuwendung zeigen.

Depressionen können sich ganz unterschiedlich äußern

Bei Depressionen denken die meisten vor allem an Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit. Doch das Erscheinungsbild einer Depression sowie die Ursachen und Auslöser können vielfältig sein. Das sorgt häufig dafür, dass die psychische Erkrankung nicht erkannt oder nicht ernst genommen wird. Statistisch gesehen erkrankt mindestens jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens an einer Depression.

Unter den Bedingungen der Corona-Pandemie wird damit gerechnet, dass vermehrt und verstärkt Depressionen auftreten. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer. Etwa sieben Prozent der Bevölkerung leiden jahrelang unter anhaltenden leichten depressiven Symptomen (einer sogenannten Dysthymie), ein Großteil davon bereits seit dem jungen Erwachsenenalter. 

Wie entstehen Depressionen überhaupt?

Bis heute ist die Entstehung von Depressionen wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. Als sicher gilt, dass zur Entstehung einer Depression immer mehrere Faktoren beitragen: "Bis zu 50 Prozent des Risikos für affektive Störungen sind genetisch veranlagt oder in früher Kindheit erworben. Dazu kommen im Laufe des Lebens weitere Belastungen, die Depressionen auslösen können. Auch ungünstige Arbeits- und Lebensumstände - wie eine weltweite Belastungssituation durch die aktuelle Pandemie - erhöhen das Risiko für Depressionen", erklärt Prof. Dr. Dr. Matthias J. Müller, CEO, Ärztlicher Direktor und Medizinischer Geschäftsführer der auf Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie spezialisierten Oberberg Kliniken.

Was Auslöser für eine Depression sein kann und wie sie sich schließlich zeigt, kann ganz verschieden sein. So kann eine Depression zum Beispiel in der Folge eines belastenden Ereignisses, wie dem Verlust eines nahestehenden Menschen oder nach einer Geburt (Wochenbettdepression), aber auch durch den Jahreszeitenwechsel (Herbstdepression) in Erscheinung treten.

Symptome für eine Depression

Female doctor listening to patient Female doctor listening to patient. PUBLICATIONxINxGERxSUIxHUNxONLY SCIENCExPHOTOxLIBRARY F019/3364
Für Depressionen kann es körperliche und seelische Anzeichen geben.
© imago images / Science Photo Library, via www.imago-images.de, www.imago-images.de

Für eine Depression kann es sowohl seelische als auch körperliche Anzeichen geben. Welche Symptome das sein können, haben wir hier zusammengefasst. 

Entstehung einer Depression nach Corona-Erkrankung möglich

Auch nach einer durchgemachten Corona-Infektion (auch bei milden oder mittelschweren Verläufen) können - wie auch nach anderen schweren Infektionserkrankungen - depressive Verstimmungen auftreten. Diese können sich zusammen mit anderen psychischen und somatischen Beschwerden, insbesondere einer ausgeprägten Ermüdung und Erschöpfung (Fatigue), Kurzatmigkeit und Muskelschmerzen auftreten. Die Experten der Oberberg-Gruppe bezeichnen diese als "Post-/Long-Covid-Syndrom" (PSCS) und haben dafür ein speziell darauf ausgerichtetes Therapieprogramm entwickelt.

"Aus unseren Erfahrungen mit der Behandlung von psychosomatisch und psychisch erkrankten Patienten haben wir auch für das PSCS einen multimodalen Therapieansatz entwickelt. Noch gibt es hier keine Leitlinien, aber unsere Behandlung leiten wir aus den Therapieempfehlungen zu Erschöpfungs- und Schmerzsyndromen sowie relevanten psychischen Störungen ab", erklärt Prof. Dr. Dr. Müller.

Mehr Depressionssymptome auch bei Kindern und Jugendlichen

Auch bei Kindern und Jugendlichen treten Depressionen nicht immer mit typischen Symptomen auf. Unspezifische körperliche Beschwerden wie Kopf- und Bauchschmerzen und Übelkeit und Verhaltensänderungen wie Rückzug, Unlust und Reizbarkeit stehen häufig im Vordergrund.

Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass durch die Corona-Pandemie und die damit verbundenen Beschränkungen gerade Kinder und Jugendliche in verstärktem Maße Angst- und Depressionssymptome entwickeln. Schon der Kinder- und Jugendreport 2019 der DAK zeigte, dass bereits 24 Prozent der Schulkinder psychische Auffälligkeiten zeigen. Zwei Prozent leiden unter einer diagnostizierten Depression, zwei Prozent unter Angststörungen – insgesamt sind das rund 238.000 Betroffene. Laut einer Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) habe sich das Risiko für psychische Auffälligkeiten bei Kindern und Jugendlichen durch die Corona-Krise nun fast verdoppelt.

Depression muss professionell behandelt werden

"Wer dauerhaft antriebslos und niedergeschlagen ist und unter anhaltender Lust- und Interesselosigkeit sowie Schlaf- und Appetitstörungen leidet, sollte professionellen Rat und Hilfe in Anspruch nehmen", rät der Experte der Oberberg Gruppe. Auch Angehörige und Freunde sollten solche Veränderungen und Stimmungsschwankungen ernst nehmen und das Gespräch mit dem Betroffenen suchen.

Denn den meisten Menschen, die unter einer Depression leiden, kann durch eine professionelle Behandlung geholfen werden.