Neue Studie bestätigt

Blutgruppe beeinflusst Anfälligkeit für schweren Covid-19-Verlauf stark

Coronavirus-Bluttest im Krankenhauslabor
© iStockphoto, iStock, valentinrussanov

12. Juni 2020 - 16:31 Uhr

Blutgruppe beeinflusst Corona-Krankheitsverlauf

Hat meine Blutgruppe einen Einfluss auf mein Risiko, an Covid-19 zu erkranken? Eine neue Studie aus Norwegen bestätigt die Ausgangsfrage nicht nur. Die Forscher haben sogar herausgefunden, dass Menschen mit einer bestimmten Blutgruppe ein höheres Risiko für einen besonders schweren Krankheitsverlauf haben.

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Bereits im März erste Studie zu Blutgruppen

Die Studie von Dr. Tom H. Karlsen vom Osloer Universitätsklinikum zeigt, dass Menschen mit der Blutgruppe A ein höheres Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 haben. Unter der Blutgruppe versteht man die spezifische Beschaffenheit des Blutes bei Menschen und Tieren. Man unterscheidet beim Menschen vier verschiedene Blut-Hauptgruppen: A, AB, B und 0. Die Studie bestätigt dadurch die frühere Studie eines Forscherteams aus den chinesischen Metropolen Wuhan und Shenzen.

Bereits zu einem frühen Zeitpunkt der Corona-Pandemie, ausgelöst durch den neuartigen Sars-CoV-2-Virus, beschäftigten sich chinesische Wissenschaftler mit der Frage, ob die Blutgruppe eine Rolle bei der Anfälligkeit für einen schweren Verlauf der Lungenkrankheit Covid-19 haben könnte. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass Personen mit der Blutgruppe A am anfälligsten gegen Sars-CoV-2 sind – das Risiko einer schweren Erkrankung sei für diese Personengruppe am höchsten.

Blutgruppe 0 hat weitaus geringeres Covid-19-Risiko

In der neuen Studie, die von Dr. Tom H. Karlsen vom Osloer Universitätsklinikum initiiert und von der Kieler Christian-Albrechts-Universität unterstützt wurde, kommen nun zu demselben Ergebnis. Sie untersuchten die Blutgruppen von 835 Patienten und  aus Italien sowie 775 Patienten aus Spanien und kamen zu dem Schluss, dass Menschen mit Blutgruppe A ein 50 Prozent höheres Risiko haben, schwer an Covid-19 zu erkranken. Damit haben sie ein doppelt so hohes Risiko wie Menschen mit der Blutgruppe 0. Die B-Blutgruppen liegen dabei in der Mitte.

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Experte: "Blutgruppen-Studie ist noch kein Grund zur Besorgnis"

Müssen Menschen mit Blutgruppe A sich nun also noch größere Sorgen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus machen? Bislang noch nicht, meint Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia. Denn die Studie sei noch im Preprint-Stadium. "Das heißt, sie ist noch nicht richtig gegengeprüft von Experten. Insofern sind die Erkenntnisse eine interessante Information, aber noch kein Grund zur Besorgnis." Die Ergebnisse der Studie würden zum aktuellen Zeitpunkt lediglich einen Trend anzeigen. "Das ist bisher nichts, was in den Medizinbüchern schon in Stein gemeißelt ist", so der Mediziner.

Bestimmte Blutgruppen schützen vor bestimmten Krankheiten

Was jedoch schon als wissenschaftlich gesichert gilt: Das Blut eines Menschen enthält Antikörper, die unliebsame Eindringliche wie Viren und Bakterien unschädlich machen sollen. Die Immunantwort auf eine Infektion ist teilweise abhängig von der Blutgruppe. Bereits seit längerem ist zum Beispiel bekannt, dass Menschen mit  Blutgruppe 0 kaum an schwerer Malaria erkranken, während Blutgruppe A eher gegen die Pest gefeit ist, Träger der Blutgruppe AB leiden im Alter oft unter Gedächtnisverlust und Menschen mit Blutgruppe A, B und AB haben ein höheres Thromboserisiko.

Blutgruppen-Häufigkeit: Welche sind besonders selten?

37 Prozent der Menschen in Deutschland haben die Blutgruppe "A+". Etwa 35 Prozent tragen die Blutgruppe "0+".  Die Blutgruppe "B+" kommt bei 9 Prozent der Menschen in Deutschland vor, die Blutgruppe "A-" und "0-" bei jeweils 6 Prozent. Am seltensten sind die Blutgruppen "AB+" mit 4 Prozent, "B-" mit 2 Prozent und "AB-" mit 1 Prozent.

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