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Warum erkranken vollständig Geimpfte noch an Corona?

16. August 2021 - 10:12 Uhr

Ansteckung trotz Corona-Impfung: Nicht unmöglich, aber selten

Mehr als jeder zweite Deutsche wurde inzwischen vollständig gegen Corona geimpft. Doch mit Blick auf die Delta-Variante und etwa Israel, wo die Infektionszahlen trotz der hohen Impfquote deutlich steigen, fragen sich viele: Kann das Virus gefährlich für mich werden – auch wenn ich vollständig geimpft bin? Die Antwort darauf und was Geimpfte jetzt wissen sollten, erklärt Dr. Georg-Christian Zinn, Direktor des Hygienezentrums Bioscientia, im Video.

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Effektivität der Impfung liegt bei 87 Prozent

Bislang sind knapp 11.000 Menschen in Deutschland trotz vollständigem Impfschutz an Covid-19 erkrankt. Das geht aus dem jüngsten Lagebericht des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor. Seit dem 1. Februar seien 10.827 sogenannte Impfdurchbrüche – also symptomatische Coronainfektionen mindestens zwei Wochen nach vollständiger Impfung – registriert worden. Die Effektivität der Im­pfung bewertet das RKI dennoch als hoch: Sie liege bei Erwachsenen bei rund 87 Prozent.

Wieso infizieren sich Geimpfte?

Von Anfang an ist bekannt, dass die Impfstoffe keinen 100 prozentigen Schutz gegen eine Corona-Infektion bieten. Hinzu kommt, dass Menschen mit einem geschwächten Immunsystem von Beginn an besonders anfällig für eine Infektion sind. Trotz Impfschutz können sie sich also noch infizieren, durchleben dann im besten Fall aber nur einen leichten Verlauf.

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Dass die Inzidenz aktuell so deutlich steigt, hängt auch mit der Delta-Variante zusammen. Denn die ist um einiges ansteckender, als die ursprüngliche Variante des Coronavirus.

Impfdurchbrüche: In der Regel nur leichte Symptome

11.000 klingt zunächst viel, es ist aber eine vergleichsweise niedrige Zahl, wenn man die Anzahl der vollständig geimpften Personen in Deutschland betrachtet: Inzwischen sind es über 46,6 Millionen Menschen.

Dennoch zeigen die Zahlen: Eine Ansteckung mit Corona trotz Impfung ist nicht komplett unmöglich – wenn auch sehr selten. "Das sind aber immer leichte Symptome: Halsschmerzen, bisschen Müdigkeit, Husten, et cetera", so Dr. Zinn. In den "allerallerseltensten Fällen" müssten Betroffene ins Krankenhaus. Laut RKI war das im untersuchten Zeitraum bei 757 Personen der Fall, die meisten davon waren über 60 Jahre alt.

Um Menschen über 60 noch nachhaltiger zu schützen, sollen diese in Israel jetzt eine dritte Auffrischungsimpfung erhalten. Auch Dr. Zinn hält eine dritte Impfung für bestimmte Alters- und Risikogruppen für "sehr, sehr wichtig".

Trotz Impfung anstecken: Wie hoch ist das Risiko?

Zwar ergeben die Daten des RKI, dass die Viruslast bei Menschen, die sich trotz Impfung infiziert haben, stark reduziert und die Virusausscheidung verkürzt ist. Dennoch bleibt ein geringes Restrisiko, dass sie infektiöse Viren ausscheiden können.

Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie (DGfI), erklärt: "Mit der Zahl der Impfungen steigt auch die Zahl der Durchbruchsinfektionen. Diese ist zwar reduziert, aber je nachdem, wie die Impfung bei mir gewirkt hat und je nachdem, welche Viruslast mein Gegenüber in sich trägt, kann es schon dazu kommen, dass ich mich als Geimpfter anstecke."

Experte rät: Weiterhin Corona-Tests machen

Bei einer Infektion mit der Delta-Variante sei die Virus-Last höher, so Watzl. Dadurch steige bei Kontakt mit einem Infizierten auch die Ansteckungsgefahr. Bei privaten Treffen, etwa auf einer Gartenparty, rät der Experte, sich weiterhin vorher zu testen. Denn immer, wenn sich Geimpfte und Nicht-Geimpfte treffen, steige das Ansteckungsrisiko auch für die Geimpften.

"Da nicht immer klar ist, wer etwa welche Vorerkrankung hat, ist es am einfachsten, wenn sich vorher alle testen lassen." Auch die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt, die allgemein empfohlenen Schutzmaßnahmen wie Alltagsmasken, Hygieneregeln, Abstandhalten und Lüften einzuhalten. (rka, dpa)