Weil ihr eine Ampulle zerbrochen ist

Impfzentrums-Mitarbeiterin ersetzt Biontech durch Kochsalzlösung

27. April 2021 - 13:27 Uhr

Keine Gesundheitsgefahr durch Kochsalzlösung

Sie wollte vertuschen, dass ihr ein Malheur passiert ist. Eine Mitarbeiterin des Impfzentrums Friesland hat eingeräumt, sechs Spritzen statt mit Biontech-Impfstoff nur mit Kochsalzlösung gefüllt zu haben. Für die sechs Betroffenen besteht nach Behördenangaben keine Gesundheitsgefährdung. Die Kochsalzlösung diene zum Verdünnen des eigentlichen Impfstoffes und sei als Substanz unschädlich, sagte der Präsident des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Matthias Pulz.

Frau wird ihren Job verlieren

Frieslands Landrat Sven Ambrosy (SPD) nannte den Fall "zutiefst schockierend". Nach dem Bekanntwerden am Samstag sei sofort das Vier-Augen-Prinzip eingeführt worden. "Niemand wird mehr mit einem Impfstoff allein gelassen, dass solche Vertuschungen nicht mehr möglich sind."

Die Beschuldigte ist examinierte Krankenschwester im Alter von etwa 40 Jahren und war beim DRK-Kreisverband Jeverland angestellt. Nach DRK-Angaben ist ihre Kündigung auf dem Weg. Die Polizei nahm in Absprache mit der Staatsanwaltschaft Oldenburg Ermittlungen wegen eines möglichen Körperverletzungsdelikts auf.

Niedersachsens Gesundheitsministerin "fassungslos und erschüttert"

Die Frau hatte am Samstag einer Kollegin im Vertrauen von dem drei Tage zurückliegenden Vorfall erzählt. Sie war in der Frühschicht für das Vorbereiten der Spritzen zuständig, impfte aber nicht selbst. Die Kollegin informierte sofort ihre Vorgesetzten. Die Beschuldigte habe vollständig ausgesagt, sagte der Leiter der Polizeiinspektion Wilhelmshaven/Friesland, Heiko von Deetzen. "Sie wirkte sehr authentisch und sehr betroffen." Die Ermittler gehen derzeit von einem Einzelfall aus.

"Ich bin fassungslos und erschüttert über die Handlungen dieser Frau. Es handelt sich um ein schweres Vergehen", sagte Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD). Das Land unterstütze den Landkreis bei der Aufklärung.

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Betroffene bekommen am 12. Mai eine neue Impfung

Der Leiter des Impfzentrums Friesland, Uwe Nitsche, geht davon aus, dass der Beschuldigten am Mittwoch kurz vor 8.00 Uhr die Ampulle herunterfiel. Um sicherzugehen, sollen alle 200 Personen, die am 21. April bis 13.00 Uhr geimpft wurden, einen Antigentest erhalten.

Mit dem Antigentest am 5. Mai kann geklärt werden, wer kein Biontech erhielt und bei wem die Impfung deshalb am 12. Mai nachgeholt werden muss.