Woran genau das liegt

Corona-Hotspot Thüringen: Besonders hohe Werte bei Kindern und Jugendlichen

Corona-Zahlen im Osten steigen (Symbolbild Einkaufsstraße).
Corona-Zahlen im Osten steigen (Symbolbild Einkaufsstraße).
© imago images/Michael Gstettenbauer, Michael Gstettenbauer via www.imago-images.de, www.imago-images.de

14. Oktober 2021 - 12:16 Uhr

Die höchste Inzidenz in Deutschland hat aktuell Thüringen

In vielen westlichen Bundesländern erkennt man aktuell einen Abwärtstrend, die Corona-Fallzahlen scheinen langsam aber sicher zu stagnieren, im besten Fall sogar zu sinken. Im Osten hingegen steigen sie weiter an. Wie zum Beispiel in Thüringen: Dieses Bundesland weist jetzt die höchste Inzidenz Deutschlands auf, wie ntv berichtet. Woran das liegt? Vor allem an den teils extrem hohen Werten bei Jugendlichen und Kindern.

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So hoch ist die Inzidenz in Thüringen

Trotz Impfungen liegt die 7-Tage-Inzidenz in Deutschland momentan bei 67 (Stand: 14.10.2021). Längst werden aber auch weitere Faktoren, wie zum Beispiel die Hospitalisierungsinzidenz, hinzugezogen, um die aktuelle Corona-Lage besser einschätzen zu können. Ein Blick auf die Neuinfektionen lohnt aber allemal, so wie zum Beispiel in Thüringen. Das östliche Bundesland verzeichnet den höchsten Inzidenzwert in Deutschland. Schon seit Mitte August steigen die Fallzahlen dort stetig und immer schneller nach oben. Innerhalb von drei Wochen haben sie sich sogar verdoppelt, aktuell liegt das Bundesland bei rund 104 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner die Woche – ein Wert, den viele West-Bundesländer schon vor Monaten hinter sich gelassen haben.

Dabei sind vor allem Ungeimpfte, also Menschen, die sich gegen eine Covid-19-Impfung entschieden haben, betroffen. Der Freistaat gibt die 7-Tage-Inzidenz der vollständig Geimpften mit nur 20,7 an, die der Ungeimpften betrifft 155. Man erkennt: Der Unterschied ist groß.

Neben Sachsen hat Thüringen die schlechteste Impfquote in Deutschland

Eine Klinik-Mitarbeiterin zieht den Covid-19 Impfstoff von Biontech/Pfizer für eine Impfung auf eine Spritze. (zu dpa "Biontech/Pfizer beantragen US-Notfallzulassung für jüngere Kinder") Foto: Sven Hoppe/dpa +++
Wenn sich mehr Erwachsene für eine Corona-Impfung entscheiden würden, könnten so mehr Menschen vor dem Coronavirus geschützt werden.
© dpa, Sven Hoppe, shp exa fdt jai fra wst

In Thüringen haben sich bisher erst wenige Menschen für eine Corona-Impfung entschieden, viele haben gar nicht vor, sich in Zukunft impfen zu lassen. Nur 61,2 Prozent der Bevölkerung in Thüringen hat – nach offiziellen Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) – immerhin eine Dosis eines Impfstoffes erhalten. Vollständig geschützt sind etwa 59,5 Prozent. Statistisch gesehen macht das – nach der Impfquote im Nachbar-Bundesland Sachsen – die schlechtesten Gesamtquoten in ganz Deutschland aus.

Für das Gesundheitssystem ist die aktuelle Entwicklung schwierig: Weil von den über 60-Jährigen in Thüringen nur 81,2 Prozent durchgeimpft sind, bleiben viele Menschen dieser besonders anfälligen Gruppe weiterhin ohne Schutz. Und: Nach Sachsen-Anhalt hat Thüringen das höchste Durchschnittsalter. Hier leben also viele ältere Menschen, was bedeutet, dass sich noch einige für die Impfung entscheiden müssten, damit ein höherer Schutz für alle besteht.

Lese-Tipp: Corona-Impfquote im Überblick – So ist der Stand in Ihrem Bundesland

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Infektionsgeschehen spiegelt sich in Schulen wider

Schüler und Schülerinnen einer 4. Klasse sitzen im Unterricht an der Grundschule Russee in Kiel zusammen an einem Tisch und tragen dabei einen Mund-Nasen-Schutz. Trotz weiterhin verschärfter Kontaktbeschränkungen
Trotz hoher Ansteckungsgefahr in den Schulen stecken sich Kinder wohl eher außerhalb und bei Älteren an.
© dpa, Gregor Fischer, fis tba

Dass die Inzidenz in Thüringen überhaupt so hoch ist, liegt vor allem an den jüngeren Menschen. In dieser Bevölkerungsgruppe herrscht zum Teil eine extrem hohe Ansteckungsgefahr, an einer Covid-19-Infektion mit schwerem Verlauf erkranken aber die 5- bis 14-Jährigen beispielsweise nur selten. Schaut man sich in dieser Altersgruppe die Fallzahlen an, liegen diese in einigen Teilen des Freistaats bei über 300. Im Kyffhäuserkreis kommen die 0- bis 14-Jährigen sogar auf knapp 883 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner die Woche! Besonders brisant: Tests müssen an Schulen, auch bei Präsenzunterricht, nur zweimal pro Woche angeboten werden, sind aber nicht verpflichtend. Erst bei Warnstufe 3, also wenn etwa die Inzidenz drei Tage lang über 200 liegt, dann müssen sie verpflichtend durchgeführt werden.

Bisherige wissenschaftliche Erkenntnisse deuten aber darauf hin, dass sich die Kinder nicht während des Unterrichts oder in der Schule anstecken, sondern außerhalb bei Älteren. Das Infektionsgeschehen in der Gesellschaft spiegele sich eben nur in den Bildungseinrichtungen wider. Damit sich weniger Kinder und Jugendlich anstecken, müssen vor allem mehr ältere, impfberechtigte Personen impfen lassen. (vdü)

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