Schulleiter: "Jeder Tag Schule zählt. Wir bringen die Kinder in Richtung Normalität"

Endlich wieder alle da! NRWs Schüler zurück im Präsenzunterricht

31.05.2021, Nordrhein-Westfalen, Essen: Kamuran Turan, Grundschullehrerin der Klasse 3a der Maria-Kunigunda-Grundschule, unterrichtet mit all ihren Schülern im Klassenzimmer Deutsch. In den nordrhein-westfälischen Kommunen mit einer stabilen Inzidenz
Die 3a der Essener Maria-Kunigunda-Grundschule zurück im Präsenzunterricht - die Schüler freuen sich nach vielen einsamen Monaten über die sozialen Kontakte.
rw fdt, dpa, Roland Weihrauch

Präsenzunterricht in Nordrhein-Westfalen nach Monaten wieder gestartet

Endlich wieder Unterricht mit der ganzen Klasse: Die Drittklässler einer Essener Grundschule haben gejubelt. Und das soll bis zu den Sommerferien so bleiben, wie Schulministerin Yvonne Gebauer versprochen hat. Schulleiter Udo Moter befürchtet nach Monaten im Wechselunterricht allerdings massive Defizite - nicht nur im Unterrichtsstoff.

Vor allem die Psyche der Kinder hat im monatelangen Homeschooling gelitten

10.05.2021, Nordrhein-Westfalen, Essen: Kamuran Turan, Lehrerin der Klaase 3a der Maria-Kunigunda-Grundschule erklärt ihren Schülern den "Lolli-Test. Nordrhein-Westfalen führt am Montag sogenannte Lolli-Tests flächendeckend an allen Grund- und Förder
Grundschullehrerin Kamuran Turan aus Essen sieht endlich all ihre Schüler aus der 3a wieder - vor dem Unterricht müssen sich allerdings alle einmal einem Schnelltest unterziehen.
rwe fdt, dpa, Roland Weihrauch

„Ich find's toll, dass man endlich die ganze Klasse wieder sieht“, sagt ein Essener Drittklässler. Vor allem sein bester Freund hat ihm gefehlt - er sitzt zwei Bänke weiter. In der Essener Maria-Kunigunda-Grundschule mit 14 Klassen und 340 Kindern war am Montagmorgen nach Monaten des Wechselunterrichts der Schulhof wieder voll. Klassenlehrerin Kamuran Turan (34) kam morgens beim Durchzählen in der 3a auf 25 Mädchen und Jungen - keine A- und B-Gruppen mehr, und an den Tischen saßen wieder zwei Kinder nebeneinander.

Volle Klassenzimmer hat es in der Schule im Essener Norden seit Dezember nicht gegeben - mit teils katastrophalen Folgen für die Vermittlung des Stoffs und vor allem für die Psyche der Kinder, wie Schulleiter Udo Moter sagt. „Da müssen wir jetzt viel aufholen und reparieren“, sagt der 51-Jährige. „Die sozialen Bindungen untereinander fehlten, der gemeinsame Sport - das kann keine Online-Stunde ersetzen.“

Kinder reagierten mit lautem Jubel, Erleichterung und Tränen auf Rückkehr zum Stück Normalität

Als Schulleiter Moter den Kindern die Rückkehr zum Präsenzunterricht verkündete habe, sei „lauter Jubel ausgebrochen, Erleichterung, Tränen flossen“, berichtet er. Besonders freut die Kinder am Montag, dass sie auch Schwimmunterricht bekommen.

Jetzt seien die Lehrerinnen und Lehrer sensibilisiert, genau hinzuschauen, so Moter. Vereinsamung der Kinder bis hin zu möglichen Depressionen, Gewichtszunahme, Rückschritte bei der Motorik - all das sei möglich. Im Englisch-Wechselunterricht hätten manche Kinder in der Fremdsprache nicht mehr bis zehn zählen können.

Damit die Kinder sich nicht völlig aus den Augen verloren, hatte Klassenlehrerin Turan für ihre 3a in den vergangenen Monaten jede Woche eine zusätzliche einstündige Zoom-Konferenz abgehalten - nur reden, kein Unterricht. „Aber da habe ich alle nur aus dem Handy gesehen, das war nicht so schön“, sagt ein anderer Schüler. Was ihm dabei fehlte, kann er noch nicht klar formulieren - es ist schlicht Kontakt.

Den versucht die Lehrerin jetzt wieder aufzubauen. Während die Kinder einen Arbeitsbogen zu Frage- und Aussagesätzen beantworten, geht sie von Platz zu Platz. Sie spricht mit jedem Kind und streicht manchen übers Haar. „Für Grundschulkinder ist die Lehrerin als Kontaktperson unglaublich wichtig“, sagt Moter. Für Skepsis und Sorgen mancher Lehrerkollegen und Wünsche nach einer Verlängerung des Wechselunterrichts bis zu den Sommerferien hat Moter wenig Verständnis - zumindest nicht in der Grundschule.

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Udo Moter, Schulleiter der Maria-Kunigunda-Grundschule, zeigt die Sammelbehälter der "Lolli-Tests". Zweimal pro Woche müssen sich die Schüler testen lassen.
rwe fdt, dpa, Roland Weihrauch

Voraussetzung für den dauerhaften Präsenzunterricht sind Corona-Neuinfektionszahlen an fünf Werktagen in Folge unter einer Inzidenz von 100. Das gelte für alle 53 NRW-Kommunen mit Ausnahme von Hagen und Remscheid, hatte das NRW-Gesundheitsministerium am Sonntag mitgeteilt. In den beiden Städten werde es vorerst beim Wechselunterricht bleiben.

Setzt sich der Trend fort, können Schülerinnen und Schüler immerhin noch fünf Wochen bis zum Beginn der Sommerferien (2.7.) in den Klassenräumen unterrichtet werden. „Jeder Tag Schule zählt. Wir bringen die Kinder in Richtung Normalität“, sagt Moter. Die Maskenpflicht und die Testpflicht zwei Mal pro Woche für Schüler und Lehrer gilt aber weiter. (dpa/lha)