Manager-Urgestein Wolfgang Reitzle empört über das Hauruck-Verfahren

Continental-Chef wettert gegen Klimaschutzgesetz

Wolfgang Reitzle hat sein Lachen verloren: Auf das neue Klimaschutzgesetz der Bundesregierung ist er nicht gut zu sprechen.
Wolfgang Reitzle hat sein Lachen verloren: Auf das neue Klimaschutzgesetz der Bundesregierung ist er nicht gut zu sprechen.
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12. Mai 2021 - 13:54 Uhr

von Andreas Kock

Deutschland soll bis 2045 klimaneutral werden und bekommt verbindliche Emissionsziele für die 20er und 30er Jahre. Das ist der Kern des überarbeiteten Klimaschutzgesetzes, das das Bundeskabinett beschlossen hat. Aber schon regt sich Widerstand. Der Aufsichtsratschef des Automobilzulieferers Continental wettert gegen ehrgeizige Ziele und das Gesetzgebungsverfahren im Eiltempo.

Zu viel Hektik

Continental-Aufsichtsratschef Wolfgang Reitzle hat das Verfahren zur Überarbeitung des Klimaschutzgesetzes scharf kritisiert. "Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, dass das jetzt im Hauruck-Verfahren in weniger als zwei Wochen verabschiedet wird", sagte Reitzle im Interview mit RTL/ntv.

Niemand im Parlament könne sich damit befassen und die Auswirkungen seien gravierend für Gesellschaft, Industrie und die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. Reitzle weiter: "Ich kann es nicht nachvollziehen, dass man ein so extrem tief eingreifendes Gesetz, was die ohnehin schon scharfen Klimaziele nochmal weiter verschärft, ohne überhaupt überschauen zu können, was das alles für Implikationen hat, wie man so etwas ohne Expertenanhörung nur im Hauruck-Verfahren beschließen kann." Er sei entsetzt.

„Wer hat das durchdacht?“

Zudem seien die Implikationen für einzelne Branchen wie die Autoindustrie, die Energiewirtschaft und die Gebäudewirtschaft nicht abzuschätzen. Viele Auflagen, wie etwa die erzwungene Elektromobilität, können die erhofften Klimaziele gar nicht erreichen.

Reitzle sorgte sich weiterhin um den vorgezogenen Ausstieg aus der Kohle-Verstromung. 2030 müssten wahrscheinlich schon Kohlekraftwerke "abgeschaltet" werden. "Bis Ende nächsten Jahres schalten wir die Atomkraftwerke ab, die CO2-freien grundlastfähigen Strom geliefert haben. Der fehlt uns auch gerade für die Elektromobilität", so Reitzle. Darauf folge die Kohle-Abschaltung. "Woher kommt bitteschön der Strom", fragte der Industriemanager. Wer habe das durchdacht? "Ich kann das nicht nachvollziehen, wie man so ein gravierendes, einschneidendes Gesetz, ohne es zu durchdenken und zu durchplanen, verabschieden kann."