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Coming-out im Büro - Wertvolle Tipps von Matthias Herzberg

Experte: "Je länger du wartest, desto schwieriger wird es."

Coming-out im Job: Ein queerer Coach erklärt, wie das gelingt

Tipps fürs Coming-Out im Job Das rät ein Coach
01:17 min
Das rät ein Coach
Tipps fürs Coming-Out im Job

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von Svenja Hoffmann, Natalia Höppner und Antonia Galád

„Wenn wir nicht mit dem ganzen Ich zur Arbeit gehen, können wir auch nicht die ganze Leistung abrufen“, sagt Experte Matthias Herzberg im Interview. Der 45-jährige queere Sozialpädagoge spricht aus eigener Erfahrung, denn diese waren während seiner beruflichen Laufbahn nicht immer positiv. Mobbing, Anfeindungen, Kündigung aufgrund seiner sexuellen Orientierung – er hat schon viel erlebt. Heute klärt er als selbstständiger Coach Führungskräfte über den Umgang mit Belangen zum Thema LGBTIQ+ in der Arbeitswelt auf. Im Video gibt er wertvolle Tipps, wie man sein Coming-out und den Alltag im Beruf meistert.

Homophobe Erfahrungen im Berufsalltag

Matthias Herzberg hat schon in vielen unterschiedlichen Branchen gearbeitet und kann nicht pauschalisieren, welche besonders queer-feinlich oder -freundlich ist. Im Video berichtet er über seine homophoben Erfahrungen in der Justizvollzugsanstalt – ein Arbeitsumfeld, in dem der Umgang rau ist und man möglichst wenig Angriffsfläche bieten möchte.

In einer Branche, in der er es überhaupt nicht erwartet hätte, wurde ihm am letzten Tag seiner bis dato gut laufenden Probezeit gekündigt. Zehn Jahre nach dem Vorfall kontaktierte Matthias Herzberg die Unternehmensberatung und wollte den Kündigungsgrund erfahren. Schließlich stellte sich raus, dass ein damaliger Kollege Angst hatte, dass ihn der „Schwulimo-Kollege“ überholen könnte, weswegen ihm gekündigt wurde.

Generelle Probleme für LGBTIQ+ in der Arbeitswelt

Ob ein Unternehmen eher LGBTIQ+-feindlich oder -freundlich ist, hat in Herzbergs Augen weniger mit der Branche, sondern eher mit den Hierarchieebenen zu tun. „Je höher du kommst, umso dünner wird die Luft. Es ist, als ob es eine gläserne Decke gibt. Irgendwann kommst du nicht mehr weiter aus fadenscheinigen Gründen. Beispielsweise gibt es meines Wissens nach keinen queeren DAX-Vorstand oder Manager im Profifußball.“

Um so wichtiger ist es für queere Menschen, Verbündete im Job zu haben. Ihnen helfen „Straight Allies“, heterosexuelle Kolleginnen und Kollegen, die ihre Partei ergreifen – auch in Abwesenheit.

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Der Experte machte selbst in seinen Seminaren die Erfahrung, dass sich von 10.000 Menschen, die er gecoacht hat, gerade einmal 15 Personen für ein Coming-out entschieden haben. Das entspricht nicht Mal einem Prozent. Herzberg vermutet, dass in Wirklichkeit eher acht bis zwölf Prozent seiner Coaching-Kundschaft queer ist, das aber (bislang) für sich behält.

Zudem ist nachgewiesen, dass es ein „Gender-Pay-Gap“ nicht nur im klassischen Sinn mit geschlechtsbezogenen Gehaltsunterschieden gibt. Auch die sexuelle Orientierung spielt eine Rolle. So verdienen etwa schwule Männer weniger als ihre heterosexuellen männlichen Kollegen.