17. Juni 2019 - 14:04 Uhr

Wir begleiten Katja in ihrem Klinik-Alltag in Moskau

Katja Schmollack leidet unter multipler Sklerose. Wenn die Krankheit weiter fortschreitet könnte sie in wenigen Jahren bereits im Rollstuhl sitzen. Deswegen ist Katja nach Russland in die Pyrogov Klinik gefahren um sich dort behandeln zu lassen. Mit einer Chemo- und Stammzelltherapie möchte sie ihre MS stoppen - eine Behandlung, von der ihr jeder Arzt in Deutschland abgeraten hat.

Sieben Tage Isolation nach zwei Wochen Behandlung

Katjas Alltag ist eintönig. Die einzige Ablenkung sind die Ärzte und das Pflegepersonal, die immer mal wieder nach ihr schauen - sonst ist sie alleine in ihrem Zimmer. Und das hat auch seinen Grund: Nach zwei Wochen Behandlung beginnt für Katja die Isolation.

Ihr Immunsystem ist komplett zerstört, sie hat keine Abwehrkräfte mehr und muss vor Bakterien geschützt werden. Nun darf sie eine Woche lang ihr Zimmer nicht verlassen. Ihre Zeit in der Klinik hat sie in einem Videotagebuch festgehalten.

Katjas Immunsystem wird neu gestartet

Bei der Behandlung wurde Katjas Immunsystem mit einer Chemotherapie zerstört - eine Therapie, die sonst bei Krebs eingesetzt wird. Anschließend wird ihr Immunsystem mit zuvor entnommenen eigenen Stammzellen wieder aufgebaut. Das körpereigene Abwehrsystem wird quasi neugestartet.

In Katjas Fall greift das neue Immunsystem die Nervenzellen im Gehirn nicht mehr an. Im besten Fall wird so das Fortschreiten der Mutliplen Sklerose blockiert. Bereits entstandene Schäden bleiben aber bestehen.

Nach drei Wochen Behandlung und Isolation dann endlich die Erlösung: Katja darf wieder unter Menschen. Wie es ihr heute geht und wie das Ergebnis der Behandlung aussieht, erfahren Sie im dritten Teil.

Was sagen deutsche Ärzte zu der Therapie?

Weil die Behandlung nicht ungefährlich ist, raten viele deutsche Ärzte von ihr ab. "Die Chemotherapien müssen vertragen werden, die haben Nebenwirkungen und es gibt ein gewisses Risiko, dass man innerhalb dieser Therapie auch Schaden nimmt. Im schlimmsten Fall auch stirbt", erklärt uns Neurologe Christoph Mayer. Katja ist sich der Gefahren durchaus bewusst. Dennoch ist sie davon überzeugt, dass die Klinik in Moskau das Richtige für sie ist.

Aktuelle Studien geben ihr Recht. Das "Ärzteblatt" berichtet im Januar, dass die Stammzelltherapie eine gute Wirkung zeigt. So soll es "nur bei drei von 55 Patienten zu einer erneuten Progression" der MS, also zu einer Verschlechterung, gekommen sein. Bei der medikamentösen Therapie verschlechterte sich die Krankheit bei 34 von 55 Patienten.

Krankenkasse zahlte ihre Behandlung nicht

Trotz positiver Studienergebnisse wird diese Therapie in Deutschland nur in Ausnahmefällen angewendet und die Kosten von Krankenkassen übernommen. Welche Therapien Krankenkassen zahlen, legt der sogenannte Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) fest, ein Gremium aus Vertretern von Krankenhäusern und Krankenkassen.

Auf unsere Nachfrage teilt uns der Ausschuss schriftlich mit: "Seit dem Jahr 2004 befindet sich […] die Stammzelltransplantation für den Einsatz in der stationären Versorgung im Bewertungsverfahren des G-BA. Die Indikation der Multiplen Sklerose wird nicht geprüft." Deshalb musste Katja damals selbst die 50.000 Euro für die Therapie aufbringen. Wie sie das geschafft hat, erfahren Sie im ersten Teil.