Bild aus Ceuta geht um die Welt

Taucher rettet Baby vor Ertrinken – "Ich wusste nicht, ob es noch lebt oder schon tot ist"

20. Mai 2021 - 17:00 Uhr

Taucher Juan Francisco Valle in Spanien als Held gefeiert

Es ist ein Bild, das um die Welt geht: Ein spanischer Taucher umklammert ein wenige Monate altes Baby ganz fest mit seinen Händen, rettet es in den Mittelmeerfluten vor Ceuta vor dem Ertrinken. Das Kind sieht blass aus, scheint sich nicht zu bewegen. "Ich wusste nicht, ob es noch lebt oder schon tot ist", erzählte Juan Francisco Valle der Zeitung "El Pais". Der 41-jährige Polizist ist Mitglied einer Spezialeinheit für Unterwasseraktivitäten und wird in Spanien als Held gefeiert.

"Hunderte von verzweifelten Menschen" im Mittelmeer

Volle zwei Tage verbrachte Juan Francisco Valle mit seinem Team praktisch nur im Wasser. "Wir haben seit Sonntag insgesamt nur acht oder zehn Stunden geschlafen", sagte er der Zeitung. Sein Team sei darauf trainiert, "fast jede Situation auf See" zu meistern. Aber noch nie hätten sie "hunderte von verzweifelten Menschen" wie in diesem Fall erlebt, berichtete Valle, der auch schon Rettungstaucher bei der Marine war.

Ceuta: Polizist musste entscheiden, wen er zuerst rettet

Juan Francisco Valle Taucher
Juan Francisco Valle wird in Spanien als Held gefeiert.
© .

Der 41-Jährige musste nicht nur blitzschnell handeln, sondern auch Entscheidungen treffen – im Zweifel sogar über Leben und Tod. "Sonst besteht ein Großteil unseres Jobs darin, Leichen aus dem Meer oder einem Fluss zu bergen", sagte der 41-Jährige zu "El Pais". "Dieses Mal aber mussten wir Menschen retten. Und entscheiden, wer unsere Hilfe am dringendsten benötigt."

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Mutter trug Baby im Mittelmeer auf dem Rücken

Die im Wasser treibende Mutter habe das Baby auf dem Rücken getragen, erzählte der Taucher dem Radiosender "Cope". "Wir haben es uns geschnappt; das Baby war eiskalt, total blass", erinnert sich Valle. "Es hat sich überhaupt nicht bewegt." Dieser Einsatz sei "schon ein bisschen traumatisch" gewesen. Was die schwimmenden Migranten auf dem Rücken trugen, habe er oft nicht erkennen können – "ob Rucksäcke, Kleidung oder vielleicht kleine Babys", erklärte der 41-Jährige.

Ob es sich bei dem geretteten Kind um einen Jungen oder ein Mädchen handelt, wisse er nicht, sagte Juan Francisco Valle zu "El Pais". Nach Informationen der Zeitung ist das Baby in Sicherheit.

8.000 Flüchtlinge erreichten spanische Exklave Ceuta

Junge schwimmt von Marokko Richtung Ceuta
Ein Junge schwimmt von Marokko Richtung Ceuta.
© AP, Mosa'ab Elshamy

Die Helfer bargen bei der Rettungsaktion dutzende Kinder aus dem Mittelmeer. Diese hatten wie tausende andere Migranten versucht, mit ihren Eltern von der marokkanischen Stadt Fnideq in die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta zu gelangen – schwimmend oder in Gummibooten.

Innerhalb von nur 36 Stunden waren Montag und Dienstag mehr als 8.000 Flüchtlinge in Ceuta angekommen. Am Mittwoch beruhigte sich die Lage deutlich. Rund 5.600 Migranten seien schnell wieder nach Marokko abgeschoben worden, teilte die spanische die Regierung mit.

Juan Francisco Valle ist schon am Mittwoch an seinen Arbeitsplatz zurückgekehrt – das Wasser. Um auch beim nächsten Mal Menschen zu retten, die ohne den Einsatz des Tauchers und seines Teams vielleicht keine Chance hätten. (bst)