Migranten-Krise in spanischer Nordafrika-Enklave

Drama in Ceuta: Spanischer Polizist rettet ertrinkendes Baby aus dem Mittelmeer

Ein spanischer Polizist der Guardia Civil rettet aus dem Mittelmeer vor Ceuta ein Baby.
Ein spanischer Polizist der Guardia Civil rettet aus dem Mittelmeer vor Ceuta ein Baby.
© twitter/guardiacivil

21. Mai 2021 - 10:17 Uhr

Foto gibt dem Drama vor Ceuta ein Gesicht

Juan Francisco, ein Polizist der spanischen Einheit "Guardia Civil", hält ein Kind in Händen, kaum drei Monate alt, völlig durchnässt, fast ertrunken, ganz blass. Ein Foto, das um die Welt geht, gibt es doch dem ganzen Drama, das sich derzeit vor der spanischen Nordafrika-Enklave Ceuta abspielt, ein Gesicht. Es zeigt: Hinter den nackten Zahlen, stehen reale Schicksale. Menschliche Dramen.

Mindestens 4.800 Menschen wurden nach Marokko abgeschoben

Die Retter bargen Dutzende Kinder aus dem Mittelmeer. Sie hatten wie Tausende andere Migranten auch versucht, gemeinsam mit ihren Eltern von der marokkanischen Stadt Fnideq aus die spanische Nordafrika-Exklave Ceuta zu erreichen. In Gummibooten oder schwimmend. Fotos von drei geretteten Kindern gehen durch die Weltpresse, geben sie der Krise doch ein Gesicht. Die Mutter des Babys war mit ihrem Sohn auf dem Rücken ins Meer gesprungen, um das Festland zu erreichen. Dabei sei das Kind ins Wasser gestürzt, so berichtet es die "Guardia Civil". Der kleine Junge konnte gerettet werden, hat überlebt.

Unter den 8.000 Migranten, die binnen 36 Stunden zwischen Montag und Dienstag in Ceuta ankamen, sind viele minderjährige Kinder. Mittlerweile hat sich die Lage in der Enklave relativ entspannt. Die Zahl der wieder nach Marokko abgeschobenen Menschen erhöhte sich auf circa 4.800, wie ein Vertreter des spanischen Innenministeriums in Ceuta weiter mitteilte. Viele seien freiwillig zurückgekehrt, hieß es. Diesen amtlichen Angaben zufolge belief sich die Zahl der neuen Ankünfte unterdessen "praktisch auf Null". Die Menschen waren Montag und Dienstag in Ceuta und damit faktisch in die EU eingedrungen. So viele Menschen waren innerhalb so kurzer Zeit (ca. 36 Stunden) noch nie nach Ceuta gekommen. Zuvor hatte Marokko die Grenzkontrollen zur Enklave gelockert.

Lockerung der Grenzkontrollen in Marokko als Vergeltungsaktion?

18.05.2021, Spanien, Ceuta: Ein Mitglied des Spanischen Roten Kreuzes tröstet einen Migranten, und umarmt ihn am Strand in der spanischen Enklave Ceuta. Spanien soll bereits 2700 der gut 6000 vom Gebiet Marokkos aus in Ceuta eingedrungenen Menschen w
Ein Mitglied des Spanischen Roten Kreuzes tröstet einen Migranten, und umarmt ihn am Strand in der spanischen Enklave Ceuta.
© dpa, Bernat Armangue, BA bsc

Beobachter in Spanien sind davon überzeugt, dass ein Streit über die Westsahara, die bis 1975 spanische Kolonie war, die Krise ausgelöst hat. Marokko beansprucht große Teile des dünn besiedelten Gebiets an der Nordatlantikküste. Rabat ist verärgert, weil der Chef der dortigen Unabhängigkeitsbewegung Polisario, Brahim Ghali, in einem spanischen Krankenhaus behandelt wird. Die Lockerung der Grenzkontrollen sei eine Art Vergeltungsaktion gewesen, hieß es.

Obwohl Marokko 1956 die Unabhängigkeit von Frankreich und Spanien erlangte, hat Spanien in Nordafrika weiterhin zwei Exklaven: Ceuta an der Meerenge von Gibraltar und das 250 Kilometer weiter östlich gelegene Melilla. Beide werden von Rabat beansprucht. In der Nähe beider Gebiete harren Zehntausende Afrikaner vorwiegend aus Ländern südlich der Sahara auf eine Gelegenheit, in die EU zu kommen. Meistens versuchen mehrere hundert Menschen auf einmal, über die Grenze zu kommen. Mutmaßlich wegen der Corona-Pandemie hatte es zuletzt vergleichsweise nur wenige solcher Aktionen gegeben.