Damit macht sie anderen Mut

Brigitta (60) ist nach Schlaganfall halbseitig gelähmt: „Ich fühle mich super“

10. Mai 2022 - 18:16 Uhr

von Merle Upmann-Schiller und Kristina Hoffmann

2016 erleidet Brigitta Wolters einen Schlaganfall. Sie ist eine von jährlich rund 270.000 Betroffenen, die diese belastende Diagnose erhalten. Sie muss bei Null anfangen, ist halbseitig gelähmt und lernt alles neu: Sprechen, Laufen, Leben. Trotz allem hat Brigitta nie aufgegeben. Ihr Leben ist sogar besser geworden, sagt sie heute. Wodurch, das erfahren Sie im Video.

"Ich wusste sofort, dass ich einen Schlaganfall habe"

Nachdem sie bereits 2003 eine erste Hirnblutung ohne Einschränkungen überlebte, hatte Brigitta Wolters bei ihrem Schlaganfall 13 Jahre später leider nicht mehr so viel Glück. "Ich wusste sofort, dass es eine Blutung war. Ich habe das gefühlt, denn ich konnte plötzlich überhaupt gar nichts mehr auf der linken Seite. Ich bin dann gelähmt gewesen. Ich habe das gemerkt, weil mir etwas aus der Hand gefallen ist und Sprachstörungen waren auch da." Sie bittet ihren Freund, einen Krankenwagen zu rufen. "Es war ganz schlimm am Anfang, weil ich bin ja total aus meinem Leben rausgerissen worden. Ich konnte nicht mehr arbeiten gehen, ich konnte kein Auto mehr fahren, ich konnte mich nicht bewegen," erzählt die heute 60-Jährige im Gespräch mit RTL.

Brigitta ist auf Therapien angewiesen

Foto: RTL Nord
Brigitta Wolters lebt ein gutes Leben - trotz eines Schlaganfalls.
© RTL Nord

Rund 60 Prozent der Betroffenen bleiben, wie Brigitta, nach dem Schlaganfall auf Therapien, Hilfsmittel oder Pflege angewiesen. In unterschiedlichsten Anwendungen lernen sie alltägliche Dinge. "Da ist gibt es die Ergotherapie, wo man die normalen Haushaltsdinge lernt, ob es ein Brot schneiden ist, oder ob es eine Handbewegung ist." Aber auch Physiotherapie und eine Therapie nach der sogenannten Feldenkrais-Methode macht die heute 60-Jährige. "Ich erinnere mich da immer an das Baby-Leben, wenn man wieder anfängt etwas zu erlernen", erklärt Brigitta Wolters im Gespräch mit RTL.

In kleinen Schritten kämpft sie sich wieder zurück ins Leben. Heute kann sie wieder Sport machen, ohne Hilfsmittel Treppen steigen und sogar Autofahren. Mit ihrer Selbsthilfegruppe will sie anderen Betroffenen Mut machen, das Leben neu zu entdecken.

Lese-Tipp: Mit diesen Tricks senken Sie ihr Schlaganfall-Risiko.

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Mit einer Selbsthilfegruppe zurück ins Leben

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In der Selbsthilfegruppe sind es vor allem Gespräche, die die Teilnehmer aufbauen.
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Da Brigitta Wolters weiß, wie schwierig es ist, den Lebensmut zu behalten und ihre Erfahrungen teilen möchte, gründet sie eine Selbsthilfegruppe. Hier wird Zusammenhalt großgeschrieben: Durch Gespräche, Ratschläge oder einfach nur Beisammensein können Betroffene und Angehörige neue Kraft schöpfen. Auch Ullrich Weber, Vorsitzender des Schlaganfall Landesverbands Niedersachsen, weiß, wie wichtig ein solcher Rückhalt ist: "Das macht eine Menge aus, weil man sich nicht erklären muss untereinander. Man muss nicht erst sagen, ich habe einen bestimmten Bedarf, sondern der andere weiß eigentlich, dass er ähnlich oder gleich betroffen war. Und das macht sehr viel aus. Die Menschen unterstützen sich dann auch mehr untereinander oder wissen eher an einer Stelle mal zuzugreifen und zu helfen", erklärt er im Interview.

Für viele ändert sich so die Sicht auf das eigene Leben und wendet sich zum Positiven. Damit es bald noch mehr kraftvolle Geschichten wie die von Brigitta Wolters gibt.

Lese-Tipp: Test: Wie hoch ist ihr Schlaganfall-Risiko?

Ursachen für einen Schlaganfall sind weitreichend

Die meisten Betroffenen eines Schlaganfalls sind über 60. Ursachen können unter anderem eine familiäre Vorbelastung, aber auch Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen oder Stress sein. Auch jüngere Generationen sind davor nicht gefeit. Mindestens 300 Kinder erleiden jährlich einen Schlaganfall. Die Dunkelziffer ist vermutlich deutlich höher, denn nicht immer wird ein Schlaganfall sofort erkannt. Mit dem sogenannten FAST-Test lassen sich jedoch die Symptome eines Schlaganfalls aber schnell ausmachen.