Hochwasser-Katastrophe setzt 62-Jährigem zu

Bestatter am Ende seiner Kräfte: Ich kann keine Toten mehr sehen

20. Juli 2021 - 11:15 Uhr

Aufrüttelnde Tage für erfahrenen Bestatter aus Bonn

Wer sich für den Beruf des Bestatters entscheidet, weiß: Diese Aufgabe ist eher eine Lebenseinstellung, als ein normaler Job. So auch für Ferdinand Pfahl aus Bonn, doch die Flutkatastrophe bringt den erfahrenen Bestatter an die Grenze der Belastbarkeit. Ich kann keine Toten mehr sehen, sagt der 62-Jährige. Im Video beschreibt er, weshalb die letzten Tage für ihn so aufrüttelnd waren.

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Ferdinand Pfahl träumt von Wasser und Leichensäcken

17 Leichen lagern im Kühlhaus von Pfahls Trauerhalle in Bonn – alles Opfer des Hochwassers. Die bisher letzte Tote, die dort hingebracht wurde: vermutlich eine 24-Jährige, die drei Tage lang vermisst worden war.

"Ich habe schon Unfälle gesehen, also alles Mögliche", berichtet Ferdinand Pfahl. "Aber zurzeit ist es soweit, dass ich keine Lust mehr habe." In der Nacht träumt der 62-Jährige von Wasser und Leichensäcken. Nur wenn er mit seiner Enkelin Zeit verbringt, kann er kurz abschalten. Doch wie lange diese Auszeiten anhalten, ist immer ungewiss, denn: Der Tod ist ein Geschäft, das nie ruht.

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Hochwasser im Kreis Euskirchen: "Leichen nacheinander eingesammelt"

Der 62-Jährige erinnert sich an den Moment, als die Polizei ihn und seine Mitarbeiter um Hilfe bat: "Wir haben dann schnell zwei Teams zusammengestellt. Die sind durch den ganzen Kreis Euskirchen gefahren und haben die Leichen nacheinander eingesammelt. Wir haben die da weggeholt, wo sie gefunden worden sind – entweder am Bach, im Haus oder auf der Straße. Das war katastrophal."

Auch Ferdinand Pfahls Bestattungshäuser wurden überflutet

Als wäre das nicht genug, wurden auch noch drei von Pfahls Bestattungshäusern Opfer der Wassermassen. "Ich habe Häuser in Bad Münstereifel, in Euskirchen und in Heimatsheim", berichtet der Bestatter. "Alle sind überflutet worden." Es galt, schnell zu handeln und die Leichen aus dem Wasser zu holen.

Bis zur Decke habe das Wasser teilweise gestanden, berichtet Ferdinand Pfahl. Alle Leichensäcke und Särge wurden zum Hauptsitz nach Bonn gebracht. Dort sollen die Leichen obduziert werden, um alle Personen eindeutig zu identifizieren. Erst dann können die Angehörigen entscheiden, was mit den Toten passieren soll.

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Nach Flutkatastrophe: Häuser werden noch einmal durchsucht

"Das Schlimme ist, dass wir kein richtiges Ende sehen", sagt der Bestatter. "Die ganzen Häuser werden jetzt noch mal durchsucht, in jedem Keller wird nachgeguckt. Und dann fängt's bei mir in der Firma erst richtig an."

Hochwasserlage entspannt sich

Aus den Hochwassergebieten in Deutschland kommen inzwischen auch einige gute Nachrichten: An vielen Stellen hat sich die Lage etwas entspannt. Auch die Wetteraussichten geben Anlass zur Hoffnung. Schauer und Gewitter lassen nach, es ist fast überall wieder trocken. Das Unwettertief "Bernd" zieht ab und macht Platz für Hoch "Dana". Die nächsten Tage werden voraussichtlich ruhig und sonnig. (bst)