Ali verdient 1.000 Euro am Tag und lacht über die Polizei

Wegen Verbot von Feuerwerk: Drogendealer liefert jetzt Böller

31. Dezember 2020 - 16:44 Uhr

Im Video: Reporter begleitet Ali auf seiner Tour durch Berlin

"Ich kann dir alles besorgen, was du brauchst. Drogen, Waffen, Knaller, Raketen." In ganz Deutschland herrscht dieses Jahr Verkaufsverbot für Böller – doch Ali (Name geändert) aus Berlin-Wedding ist das egal. Normalerweise fährt er im "Koks-Taxi" durch die Stadt, nimmt vor allem Drogen-Bestellungen an, als sei das völlig normal. Dieses Jahr kommt das Geschäft mit den Böllern dazu. Das Schlimme ist: Es lohnt sich für den 28-Jährigen! RTL hat Ali auf seiner Tour durch Berlin begleitet – im Video.

Abzockerpreise und "Scheißegal-Einstellung"

Illegal, scheißegal – das scheint das Motto des Böller-Dealers zu sein. "Für mich gibt's keine Gesetze, auf der Straße gibt's keine Gesetze", sagt er. Das Risiko, erwischt zu werden, halte er für gering. "Ich riskiere es, weil ich weiß, es bringt gutes Geld. Wer kann uns unser Silvester verbieten? Warte mal ab, was hier abgeht an Silvester in Wedding. Die ganze Straße wird brennen." Ali verkauft seine Ware aber nicht nur in Wedding, sondern in ganz Berlin und Brandenburg. Sogar Leute aus Hamburg und Leipzig hätten schon bei ihm angerufen, behauptet er – das Geschäft boomt.

Alles läuft über Mundpropaganda. "Sag deinen Freunden Bescheid, die sollen mich anrufen, wenn sie was brauchen", sagt er zu seinem Kunden, während unser Reporter dabei ist. Der Kunde hat zwei Pakete mit Raketen bestellt – und eine Feuerwerksbatterie. Ali verkauft ihm die Ware für 150 Euro, für ihn ein guter Preis. Die Gier nach den verbotenen Böllern ist offenbar groß.

Auch an Silvester will der Böller-Dealer noch Feuerwerk verkaufen

Mehrere Tage vor Silvester hat der Böller-Dealer laut eigener Aussage bereits eine Palette mit Feuerwerk verkauft. Direkt vor dem Jahreswechsel und auch an Silvester selbst wird er noch mehr verkaufen, glaubt Ali – deshalb bestellt er noch was. Ali spricht immer von seiner "Ware", die zu besorgen sei kein Problem. "Ich kann so viel bestellen wie ich will." Der 28-Jährige bekommt das Feuerwerk von einer Kontaktperson. "Ob das vom LKW gefallen ist, ob das geklaut ist - wo der das her hat, hat mich nicht zu interessieren", meint er.

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700 bis 1.000 Euro verdient Ali angeblich am Tag - seine Miete zahlt das Jobcenter

Seit mehreren Jahren ist Ali bereits im Geschäft – jetzt sind eben noch Raketen dazugekommen. Drogen, Waffen, geklaute Handys und Laptops horte er alles im "Bunker", wie Ali sein Lager nennt. Da habe er das Feuerwerk drin und einen großen Safe "für das ganze Geld". Zwischen 700 und 1.000 Euro verdiene er momentan am Tag, erzählt er.

Mit diesem Geld zahlt er aber nicht seine Miete oder seine Krankenversicherung – das übernehme das Jobcenter für ihn, erzählt Ali freimütig. Ein schlechtes Gewissen hat er deshalb nicht. "Vom Jobcenter kann man nicht leben, das weiß jeder." Und mit ehrlicher Arbeit verdiene man nicht genug, so Ali.

Das Böllerverbot und die Gründe dafür sind Ali egal

Das Böllerverbot und die Gründe dafür sind Ali egal, genauso wie das, was seine Kunden mit der Ware anstellen. Wenn sich jemand die Hand absprenge, sei das doch nicht sein Problem, sagt er. Der Hinweis unseres Reporters, dass es darum gehe, Intensivbetten für Corona-Patienten freizuhalten, lässt Ali kalt – er geht gar nicht darauf ein.

„Ich nehme für Geld ehrlich gesagt alles in Kauf“

Auch um seine eigene Sicherheit ist Ali wenig besorgt. In seinem "Bunker" lagert massenweise hochexplosives Feuerwerk, doch der Böller-Dealer ist entspannt. Zur Sicherheit habe er zwei Feuerlöscher gekauft – klar könne da was hochgehen. Doch er meint: "Ich nehme für Geld ehrlich gesagt alles in Kauf." Auch Angst vor der Polizei hat er nicht. Über Berichte eines anderen Dealers, der erwischt wurde, lacht er nur. "Der Staat kann mich mal."

Die Polizei Berlin bereitet sich zu Silvester auf einen Großeinsatz vor. Grundsätzlich rechne die Polizei damit, dass es ein "besonderes Silvester mit besonderen Aufgaben" werde, sagte Polizeipräsidentin Barbara Slowik. Die Hauptaufgabe sei, Ansammlungen von Menschen wegen des Infektionsrisikos zu verhindern. Kontrollieren will die Polizei etwa die Feuerwerksverbotszonen in der ganzen Stadt.