Coronavirus scheint Blut zu „verdicken“

Auffällig viele Thrombosen und Lungenembolien bei Corona-Patienten

Schleichende Gefahr: Blutgerinnsel in der Lunge
Das Risiko für Blutgerinnsel in der Lunge ist bei vielen Corona-Patienten offenbar erhöht.
Pornpak Khunatorn, iStockphoto

Offenbar höheres Risiko für Blutgerinnsel

Je länger die Corona-Pandemie andauert, desto mehr Erkenntnisse erlangen Mediziner und Forscher über die Auswirkungen des Virus im Körper. Neben Hinweisen, dass neben der Lunge auch andere Organe betroffen sein können, spielt dabei vor allem die Blutgerinnung eine Rolle: Studien und Berichten von Ärzten zufolge entstehen bei Covid-19-Patienten deutlich häufiger gefährliche Gerinnsel in Blutgefäßen als bei anderen Intensiv-Patienten - vor allem in den Lungen. Eine daraus entstehende Lungenembolie könnte sogar bei vielen die Todesursache sein.

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Studie: 31 Prozent der Patienten bekamen Gerinnsel

Einer niederländischen Studie im Fachmagazin „Thrombosis Research“ zufolge entwickelten von 184 Corona-Patienten, die auf Intensivstationen behandelt wurden, 31 Prozent Blutgerinnsel, am häufigsten in der Lunge. Eine solche Rate sei „außergewöhnlich hoch“, heißt es darin – insbesondere, weil die Personen bereits vorbeugend Gerinnungshemmer verabreicht bekommen hatten.

Auch in den USA wurde Ähnliches beobachtet: „Die Zahl der Probleme mit Blutgerinnseln, die ich auf der Intensivstation in Verbindung mit Covid-19 sehe, ist beispiellos“, erklärte der Hämatologe Jeffrey Laurence aus New York gegenüber CNN. In Studien aus China und Frankreich wurde laut dem Wissenschaftsmagazin „Scinexx“ festgestellt, dass die D-Dimer-Werte, für Thrombosen typische Entzündungsmarker im Blut, bei Corona-Patienten um etwa das Dreifache erhöht waren. Am Uni-Klinikum Strasbourg erlitten von 106 Patienten 32 eine akute Lungenembolie – eine Verstopfung der Blutgefäße in der Lunge, die lebensgefährlich werden kann.

Verdacht: Lungenembolie ist oft für Todesfälle unter Quarantäne-Patienten verantwortlich

Dass eben eine solche Lungenembolie neben dem akuten Atemnotsyndrom („Schocklunge“) eine verbreitete Todesursache bei Covid-19-Kranken ist, sei ein „hart begründeter Verdacht“, erklärt Angiologe und Kardiologe Nils Kucher von der Universität Zürich gegenüber dem „Tagesspiegel“. Der Spezialist vermutet, dass daran auch viele Corona-Patienten sterben, die sich mit einem anfangs noch milden Verlauf in häusliche Quarantäne begeben müssen und durch die plötzliche Verschlechterung gar nicht mehr dazu kämen, den Notdienst zu rufen. Er empfiehlt eine frühe Versorgung mit Gerinnungshemmern und erhofft sich, „dass wir dann die schwere Gerinnungsstörung, die dieses Virus auslöst, verhindern und möglicherweise die Sterblichkeit reduzieren können”.

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