Das sagt unsere Expertin dazu

„Genital Matchmaking“: Trend verspricht bessere Orgasmen für Paare

„Genital Matchmaking“: Trend verspricht bessere Orgasmen für Paare
© picture alliance / Arco Images G, Rudolf

12. August 2020 - 9:46 Uhr

Dr. Schlossberger ist Expertin im Gebiet Intimchirurgie

Viele Frauen sind unglücklich mit ihrem Intimbereich – sei es nach einer Geburt oder auch, weil das Gewebe im Alter schlaffer wird. Die Zahl der Intim-Operationen nimmt stetig zu, erklärte "Das deutsche Ärzteblatt" bereits 2017. Während einige Frauen nur Korrektur-Eingriffe vornehmen, entwickelt sich bei anderen ein echter Beauty-Wahn. In Großbritannien wird gerade immer wieder über eine Prozedur namens "Genital Matchmaking" diskutiert, die Paaren bessere Orgasmen verspricht. Dermatologin Frau Dr. Uta Schlossberger aus Köln ist Expertin im Fachgebiet Intimchirurgie und verrät uns, was hinter diesem vermeintlichen Trend aus Übersee steckt.

von Juliane Timm

In der "Daily Mail" spricht die britische Chirurgin Dr. Lucy Glancey von einem wirksamen OP-Trend – dem "Genital Matchmaking", auf Deutsch etwa "genitale Anpassung", für Paare. Die Eingriffe würden das Sexleben neubeleben, heißt es dort. Unsere Expertin Dr. Schlossberger hat zu dem Thema eine deutliche Meinung: "Als Trend würde ich es nicht sehen, eher als eine Entwicklung, dass Frauen überhaupt immer mehr mitbekommen, dass man sowas machen kann."

Als Ärztin wolle sie mit intimchirurgischen Eingriffen nur helfen. Frauen, die sich allerdings nur für ihre Partner operieren lassen würden, würde sie nicht behandeln.

Viele Frauen spüren nichts mehr beim Sex

Die Expertin aus Köln ist davon überzeugt, dass eine Frau sich nach einer oder mehreren Geburten wieder schön fühlen – und das auch operativ behandeln – darf. Der Begriff "Genital Matchmaking" sende für sie jedoch die falsche Botschaft. Es gehe ja nicht nur um das Äußere der Paare, sondern um ihre Gefühle und Empfindungen beim Sex.

"Die meisten Frauen, die zu mir kommen, sind um die 40 bis 70 Jahre alt, oft haben diese Kindern bekommen und haben einen eingerissenen Schamlippenbereich nach der Geburt. Oder die Vulva und der Vaginalbereich sind danach zu weit geworden."

Viele ihrer Patientinnen und auch deren Partner würden nach einer Geburt beim Sex nichts mehr spüren. Während die Frauen vor dem Eingriff vielleicht keinen Sex mehr haben, könnten man es den nach dem Eingriff endlich wieder genießen – und beide Partner seien glücklich.

Video: Ihre Vagina ist zu weit? Das soll dagegen helfen!

Muss eine Beziehung ohne Sex in einer Trennung enden? Darüber diskutieren wir hier.

Als erstes kommt der nicht-chirurgische Eingriff

Dr Lucy Glancey erzählt in der "Daily Mail" von drei Eingriffen beim "Genital Matchmaking": Zunächst erfolge ein nicht-chirurgischer Eingriff bei der Frau, der zweite Schritt sei die Labioplastik, der dritte eine Penisverdickung beim Mann.

Dr. Uta Schlossberger erklärt uns die vielen Möglichkeiten der Vaginalstraffung bei Schritt 1: "Es gibt mehrere Methoden, zum Beispiel mit Laser. Ein Dildo-ähnliches Gerät wird bei der Frau in die Vagina eingeführt und die Laserstrahlen schießen kleine Wunden ins innere Gewebe. So kommt es zu Mikronarben, die sich zusammenziehen und das Gewebe straffen. Die Muskeln in dem Bereich werden angeregt und neues Kollagen gebildet." Dieses Verfahren sei auch bei Inkontinenz eine gute Methode für Frauen.

Dann gebe es die Methode mit Radiofrequenz, bei der die Vagina ebenfalls gestrafft werde. Die Schleimhäute der Frau würden dabei angeregt, wieder feucht zu werden. Weiter verrät Schlossberger: "Was ich gerne mache, ist eine ganz normale Unterspritzung mit Hyaluronsäure." Eigenfett kann ebenfalls für eine Vaginal-Verengung ins Gewebe gespritzt werden.

Zudem gebe es die G-Punkt-Vergrößerung mit Hyaluronsäure. Das Areal werde durch eine Unterspritzung hervorgehoben. Die Stimulationsfähigkeit der Frau könne dadurch erhöht werden, erklärt die Ärztin. Der Vorgang dauere gerade einmal 20 Minuten und solle ungefähr ein Jahr halten.

Was passiert bei der Labioplastik?

Als nächster Schritt, nach den zuvor genannten Möglichkeiten, steht beim "Genital Matchmaking" eine Labioplastik auf dem Plan. Bei dieser OP werden die inneren Schamlippen der Frau verkleinert, etwa wenn bei der Geburt eines Kindes die Schamlippen eingerissen sind oder stark herunterhängen. Dr. Schlossberger betont dabei, dass sie bei den Frauen nur den alten Zustand herstellen würde – eine OP für eine sogenannte Designer-Vagina lehne sie als Ärztin ab.

Um das "Genital Matchmaking" zu vollenden, wird beim Mann eine Penisverdickung vorgenommen. Dabei wird Eigenfett an einigen Stellen in den Penis gespritzt, damit dieser an Umfang gewinnt.

Uta Schlossberger, die Mitglied der Gesellschaft für ästhetische und rekonstruktive Intimchirurgie (GAERID) ist, empfehlt jeder Frau sich vor einem derartigen Eingriff immer zuerst bei einem Experten beraten zu lassen.

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Bessere Orgasmen dank „Genital Matchmaking“?
© Getty Images/iStockphoto, abezikus

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